Die Anfänge der DRK-Kliniken Nordhessen

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Damals und heute: Das Haupthaus am Standort in Kassel-Wehlheiden – links eine historische Aufnahme undatierten Datums. Das rechte Foto der Montage zeigt das Hauptgebäude im Sommer 2019.

Gründung vor 250 Jahren – 111 Jahre am Standort Wehlheiden.

Man schrieb das Jahr 1869. Der deutsch-französische Krieg 1870/71 warf seine Schatten voraus, das gesellschaftliche Leben in Deutschland war geprägt von Männern. Doch in Kassel ergriffen in diesem Jahr Frauen die Initiative: Ein Verein wurde gegründet mit dem Ziel, im Krieg verwundete Soldaten zu versorgen und auch in Friedenszeiten bei Not und Katastrophen zu helfen. An der Spitze dieser Gruppe von Frauen aus allen gesellschaftlichen Kreisen stand Sophie Henschel, die Frau des Kasseler Fabrikanten Oscar Henschel. Es entstand der Vaterländische Frauenverein. 

Anwerben von Pflegerinnen

Der Krieg war Ursache dafür, dass es an gut ausgebildeten Pflegekräften mangelte – und so konzentrierte der Verein neben seinen wohltätigen Aufgaben seine Arbeit auf das Anwerben und Ausbilden von Krankenpflegerinnen. Daraus entstand 1875 die DRK-Schwesternschaft Kassel. In der Frankfurter Straße 31 entstand eine Pflegestation: Zwei Pflegerinnen betreuten die Patienten und bildeten gleichzeitig zwei Schülerinnen aus. Wenige Jahre später passierte dann das, was man heute als eine Art Grundsteinlegung des Rotes-Kreuz-Krankenhauses bezeichnen kann – wenn auch an anderer Stelle: Im früheren Torgebäude am Wilhelmshöher Platz wurde 1878 ein Kranken-Pensionat eingerichtet – mit zunächst drei Betten.

Wieder nur vier Jahre später wagte der Verein den nächsten Schritt – im Königstor 68 entstand mit der „Kaiserin-Augusta-Stiftung“ eine eigene Krankenpflegeanstalt am Rande der Oberneustadt. Auch hier spielte Sophie Henschel, nach der der heutige Platz vor dem Krankenhaus in der Hansteinstraße benannt ist, eine wichtige Rolle, denn ohne ihre materielle Unterstützung wäre diese Investition nicht zu stemmen gewesen. Das Haus zählte anfangs 38 Betten, kurze Zeit später schon 70. 28 Schwestern lebten ab ab 1890 in einem eigenen Schwestern-Wohnhaus – 1909 waren es schon 114 Schwestern, die ein Musterkrankenhaus führten, in dem hochwertige Pflege geleistet und optimal ausgebildet wurde. Wie eng die Geschichte des Krankenhauses und der Schwesternschaft mit Sophie Henschel verbunden ist, wird beim Blick aufs Jahr 1908 deutlich: Sophie Henschel, die nach dem Tod ihres Mannes mittlerweile die Firma Henschel leitete, spendete großzügig – und so entstand ein neues Krankenhaus unweit der Wilhelmshöher Allee, das am 2. November 1908 eingeweiht wurde. Es war ein modernes, geräumiges Krankenhaus mit 150 Betten, dazu gehörten ein Schwesternhaus, eine staatlich anerkannte Schwesternschule, Nebengebäude und ein großer Garten. 

Versorgung von Soldaten

In den beiden Weltkriegen im vergangenen Jahrhundert kam wieder der Grundgedanke der Schwesternschaft zum Tragen: Die Versorgung von Soldaten und der Einsatz im Heeresdienst. Erst 1936 als DRK-Schwesternschaft Kassel e.V. in die Selbstständigkeit entlassen, musste der Verein schon 1937 durch das Gleichschaltungsgesetz der Nationalsozialisten aufgelöst werden – er ging im DRK auf. 1939 wurden 250 Rotkreuzschwestern zum Wehrmachtsdienst eingezogen – sie wurden an der Front, aber auch in der Heimat eingesetzt. Das Krankenhaus selbst überstand die vielen Bombenangriffe auf Kassel nicht – es wurde 1944/45 vollständig zerstört. 1946 begann der Wiederaufbau – wegen der knappen finanziellen Verhältnisse zog er sich aber bis 1949 hin. Die Schwesternschaft selbst war 1947 unter dem Namen „Schwesternschaft Kassel vom Roten Kreuz in Hessen“ wieder gegründet. Der Krankenhausbetrieb wurde 1949 mit 110 Betten wieder aufgenommen.

nh 

Die Anfänge der DRK-Kliniken Nordhessen

 © Stadtarchiv Kassel/Repros: Axel Sauerwein
Empore im Bereich des Eingangs mit Patienten und Pflegepersonal
 © Stadtarchiv Kassel/Repros: Axel Sauerwein
Krankenschwestern behandeln Patienten mithilfe physikalischer Therapie (Wärmebehandlung) und Stanger-Bädern
 © Stadtarchiv Kassel/Repros: Axel Sauerwein
 © Stadtarchiv Kassel/Repros: Axel Sauerwein
 © Stadtarchiv Kassel/Repros: Axel Sauerwein
Krankenzimmer mit mehreren Patienten
 © Stadtarchiv Kass el/Repros: Axel Sauerwein

Zeitstrahl: Von 1875 bis heute

Die DRK-Kliniken Nordhessen blicken auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Dabei stand und steht bis heute vor allem eines im Mittelpunkt: Das Wohl und die Gesundheit der Patienten.

1875 - Der Vaterländische Frauenverein Zweigverein Kassel gründet die Vorläuferin der DRK-Schwesternschaft Kassel und richtet für sie eine Pflegestation in der Frankfurter Straße 31 ein. 

1878 - Am heutigen Wilhelmshöher Platz wird ein Krankenpensionat mit drei Betten eingerichtet. Damit ist der Grundstein für das Rote Kreuz Krankenhaus Kassel gelegt. 

1882 - Am Königstor 68 wird die erste eigene Krankenpflegeanstalt eröffnet. Sie umfasst zunächst 38 Betten, wird aber schnell auf 70 Betten ausgebaut. 

1908 - In der Hansteinstraße 29, dem heutigen Hauptstandort der DRK-Kliniken Nordhessen, wird eine neue, größere Krankenpflegeanstalt eröffnet. Sie umfasst neben 150 Betten auch ein Schwesternhaus, eine staatlich anerkannte Schwesternschule und mehrere Nebengebäude. Ermöglicht wurden diese Maßnahmen vor allem durch Sophie Henschel. Die Unternehmerin engagierte sich sowohl finanziell als auch sozial für das Krankenhaus. 

1939 bis 1945 - Das Rote Kreuz Krankenhaus Kassel wird durch alliierte Luftangriffe größtenteils zerstört. Nach jahrelangem Wiederaufbau erfolgt im Dezember 1949 Neueröffnung eines ersten restaurierten Teilabschnitts.

1949 - Die Neueröffnung eines ersten restaurierten Teilabschnitts mit 110 Betten. In den folgenden Jahren wird das Krankenhaus in mehreren Bauabschnitten wiederhergestellt. 

1973 - Einweihung des neugebauten Behandlungstraktes. 

1992 - Der Bettenhausanbau wird fertiggestellt. 

2016 - Das Rote Kreuz Krankenhaus Kassel vergrößert sich und nimmt in der Pfarrstraße 19 (Bettenhausen) einen zweiten Standort in Betrieb. 

2017 - Das Rote Kreuz Krankenhaus Kassel fusioniert mit der DRK Klinik Kaufungen zu den DRK-Kliniken Nordhessen. Mit diesem Zusammenschluss verfügt das Krankenhaus nun neben den beiden Standorten in Kassel (Wehlheiden und Bettenhausen) auch über einen dritten Standort in Kaufungen. 

2019 -  DRK-Kliniken Nordhessen beschließen den Standort in Bettenhausen aufzugeben. Die bestehenden Abteilungen werden auf die verbleibenden Standorte Kassel-Wehlheiden und Kaufungen aufgeteilt.

Kontakt DRK-Kliniken Nordhessen 

Hansteinstraße 29 

34121 Kassel-Wehlheiden T 05 61 / 3 08 60

drk-nh.de 

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