Zehntscheune: Sanierung wird noch 15 Jahre dauern

Fachwerk wird nach und nach saniert: Der Abschnitt der Zehntscheune, in dem bereits Balken erneuert und Mauerwerk neu verfugt wurde, ist an der helleren Farbe des Holzes (links im Vordergrund) zu erkennen. Fotos: Dilling

Waldau. Auf den ersten Blick sieht es gar nicht dramatisch aus. Schokoladenbraune Eichenbalken tragen die Zehntscheune in Waldau, das Mauerwerk aus Feldsteinen erscheint stabil.

Doch manche Balken sind heller, andere dunkler. Und letztere sind das Problem: „Durch manche kann man mit dem Schraubenzieher ganz durchstechen“, sagt Martin Waßmuth, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins, der die Scheune im Besitz der Stadt erhalten will.

Die Sanierung der denkmalgeschützten, 1464 gebauten Scheune, in der die Bauern der Region ihre Abgaben an den Staat in Naturalien lagerten, ist ein Marathon, der erst vergangenes Jahr begonnen hat. Die meisten Balken müssen ausgetauscht werden, weil sie durch eine gutgemeinte, aber fatale Sanierungsaktion in den 1970er-Jahren mürbe geworden sind. Damals habe man sie mit Epoxidharz gestrichen, das Fäulnis im Holz verursachte, sagt Waßmuth.

Am Wochenende feierte der 46 Mitglieder zählende Förderverein in der Scheune den Abschluss des ersten Bauabschnitts, der zweite soll im Mai starten. 18 Abschnitte sind geplant. Man wisse nicht, ob die ursprünglich veranschlagten Kosten von 750 000 Euro am Ende reichen werden, sagt Ortsvorsteher Joachim Bonn, der gerade wiedergewählte erste Vorsitzende. Waßmuth, der 23-jährige Maschinenbaustudent, rechnet mit 15 Jahren Bauzeit. „Das ist eine Lebensaufgabe“, sagt er.

Eine schnellere Sanierung ist nicht möglich, weil es an Geld fehlt. Die Stadt schieße jedes Jahr 50 000 Euro zu, das Land stelle 20 000 Euro aus Denkmalpflegemitteln in Aussicht. Für 2013 habe man den Förderantrag schon gestellt, sagt Waßmuth. 2012 konnten unter der Regie des Kasseler Hochbauamts und der Unteren Denkmalpflegebehörde mehr Balken als geplant ausgetauscht werden, unter anderem dank einer Spende der Kasseler Sparkasse.

Der vor zwei Jahren gegründete Förderverein hat sich gegenüber der Stadt verpflichtet, die Unterhaltung der Zehntscheune in eigene Regie zu nehmen und die Nebenkosten zu tragen. „Wir wollen die Scheune als Veranstaltungsort etablieren“, sagt Waßmuth. Doch das ist nicht so einfach. Vergangenes Jahr habe man die Scheune sieben Mal vermietet. Die Waldauer Entenkirmes ist dort Stammgast. Doch der Verein benötige trotz Eigenleistung mehr Kundschaft und Spenden, um das Gebäude besser auszustatten und attraktiver zu machen. Wegen der schlechten Wärmedämmung sind dabei die hohen Heizkosten, die den Mietpreis von 200 bis 300 Euro schon mal verdoppeln können, ein Problem. Doch auch während der neuen Sanierungsphase soll die Vermietung weitergehen. Man werde die Theke umbauen und eine Staubschutzwand errichten, sagt Waßmuth. Für weitere Tische und Stühle hoffe man noch auf Sponsoren. (pdi)

Info und Kontakt für Mitgliedschaft und Vermietung: Joachim Bonn, Tel. 01 704 13 86 43, zehntscheune-waldau@gmx.de, Förderverein Spendenkonto Nr. 1 15 02 92 bei der Kasseler Sparkasse (BLZ 52 05 03 53)

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