Angeblicher Diebstahl: Freispruch für Taxifahrer

Baunatal. Ein Prozess um einen angeblich diebischen Taxifahrer endete am Donnerstag im Kasseler Amtsgericht mit Freispruch: „Ich bin nicht überzeugt, dass ich hier heute rausgehen und sagen kann: Der war’s!“ sagte der Richter über den angeklagten 39-jährigen Baunataler. Ein „Geschmäckle“ aber bleibe bei der Sache.

Der Baunataler hatte seine Unschuld versichert. Ihm war vorgeworfen worden, im Herbst einen 58-jährigen Kunden, nachdem er ihn einmal gefahren hatte, mehrfach privat aufgesucht und bei dieser Gelegenheit einen Schlüssel zu dessen Wohnung entwendet zu haben. Schließlich sollte er dort dann 6300 Euro gestohlen haben. Bei den Besuchen sollte es darum gegangen sein, ob der Taxifahrer dem 58-Jährigen einen Auftrag verschaffen könne.

Im Januar, so die Anklage, sollte der Taxifahrer dann in der Wohnung einer heute 84-jährigen Frau, die er regelmäßig fuhr, einen Schlüssel entwendet haben. Es sei ihm dann aber nicht gelungen, in ihre Wohnung zu gelangen, weil das Schloss sofort ausgetauscht worden war, als der Schlüssel fehlte. Der zentrale Zeuge und die zentrale Zeugin waren zu dem Schluss gekommen, dass der 39-Jährige sie bestohlen haben müsse. Ein solches Klauen tatsächlich beobachtet hatten sie aber nicht. Ihre Angaben zu zeitlichen Abläufen blieben vage oder uneindeutig.

Aktualisiert um 18 Uhr.

Der 58-Jährige reagierte überdies ausgesprochen pampig auf Nachfragen. Als der Richter wissen wollte, warum er denn im Januar, als er bereits Anzeige erstattet hatte, den Angeklagten noch einmal wegen eines Auftrags angerufen habe, herrschte er ihn an: „Ich weiß nicht, was das jetzt soll. Ich glaube, Sie haben mein Protokoll nicht richtig gelesen.“ Andere Antworten fielen noch ruppiger aus.

Im Falle der 84-Jährigen hatte der Angeklagte erklärt, er habe die Frau abholen sollen, draußen einen Schlüssel gefunden und geklingelt. Die 84-Jährige selbst war zu diesem Zeitpunkt nicht anwesend. Eine Freundin aber war nach dem Schlossaustausch in der Wohnung geblieben und hatte angespannt gewartet , ob jemand mit dem Schlüssel auftauchen würde.

Sie habe gehört, wie jemand versuchte, einen Schlüssel ins Schloss zu stecken, sagte sie als Zeugin. Dann habe es Sturm geklingelt. Der Angeklagte habe vor der Tür gestanden und gesagt, er habe den Schlüssel gefunden. Nervös habe er nicht gewirkt.

Warum der Angeklagte den Schlüssel ausprobiert haben sollte, ohne einbrechen zu wollen, sei ihm unerklärlich, betonte der Richter in der Urteilsbegründung. Noch unerklärlicher sei es aber, dass er, wenn er habe einbrechen wollen, anschließend klingele.

Zu große Zweifel an der Schuld des 39-Jährigen hatte auch die Amtsanwältin - warnte ihn aber eindringlich davor, erneut ähnlich aufzufallen.

Von Katja Schmidt

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.