GEW kritisiert Praxis des Landes Hessen

Angehende Lehrer ohne Geld: Etliche Referendare erhalten erst nach zwei Monaten Gehalt

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Dringend gesucht: In Deutschland fehlt an vielen Schulen der Lehrer-Nachwuchs.

Die meisten Menschen bekommen ihr Gehalt am 1. oder 15. des Monats. Etliche Referendare in Hessen und auch aus Kassel müssen zwei Monate warten. Das steckt dahinter. 

Kassel - Lehrermangel, vor allem an den Grundschulen, ist eines der großen Themen. Als Reaktion hat das Land Hessen unter anderem die Lehramtsstudienplätze an der Universität Kassel aufgestockt. Dabei gibt es noch ganz andere Probleme, die den Einstieg in den Lehrerberuf nicht unbedingt attraktiv machen, finden Betroffene aus der Region. Denn viele Referendare erhalten beim Einstieg ins Berufsleben zwei Monate lang kein Geld für ihre Arbeit.

Verzögerung der Auszahlung 

Da staunten die angehenden Lehrer nicht schlecht: Etliche Referendare aus Kassel erhielten bei ihrem Dienstantritt im Herbst ein Schreiben ihres Arbeitgebers, auf dem zu lesen war, dass sich die „Anwärterbezüge bis zu zwei Monate“ verzögern können. Auf Anfragen bei der Hessischen Bezügestelle und der Lehrkräfteakademie – so war dort zu lesen – sollten sie doch bitte verzichten, da dies die Auszahlung noch weiter verzögern würde.

Das Problem ist nach Auskunft der Lehrergewerkschaft GEW kein Einzelfall und auch nicht neu. Bereits im Mai hatte die GEW sich darüber beim Ministerium beklagt. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum die Auszahlung so lange dauert. In der zuständigen Dienststelle sitzen offenbar Verantwortliche, die sich nicht vorstellen können, dass andere Menschen auf die Auszahlung am 1. eines Monats angewiesen sind“, sagt Christina Nickel vom Hauptpersonalrat der Lehrer. Schließlich müssten die jungen Menschen Wohnung und Auto bezahlen.

Behörde arbeitet an Lösung 

Aber was steckt hinter dem Problem? Das Land verweist in seinem Anschreiben an die Referendare lediglich auf „verfahrens- und systemtechnische Gründe“, die eine pünktliche Bezahlung nicht möglich machten.

Auf HNA-Anfrage teilt das Kultusministerium mit, dass das Problem bekannt sei und die Behörde an einer Lösung arbeite. Betroffen seien aber nicht alle Referendare, sondern vor allem jene, die bereits zuvor beim Land Hessen einen befristeten Arbeitsvertrag (etwa als Vertretungskräfte) hatten. Dadurch seien sie beim Land bereits mit einer Personalnummer bei einer anderer Landesstelle registriert, so ein Ministeriumssprecher. Die Erfassung in der Personaldatenbank verzögere sich dadurch.

Damit die angehenden Lehrer nicht weiterhin zwei Monate lang auf ihr Geld warten müssen, solle es jetzt zumindest für diese Wartezeit eine Abschlagszahlung geben, so der Sprecher des Kultusministeriums.

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