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Kasseler Friedhofsverwaltung: Viele Angehörige brauchen einen Trauerort

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Von: Andreas Hermann

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Kränze, Blumen und Kerzen auf der Urnengemeinschaftsgräber-Anlage des Hauptfriedhofs.
Nicht dafür gedacht, aber geduldet: Kränze, Blumen und Kerzen auf der Urnengemeinschaftsgräber-Anlage des Hauptfriedhofs. Wie Jürgen Werner von der Friedhofsverwaltung berichtet, brauchen viele Angehörige, die sich für eine pflegelose Grabart entschieden, dann doch einen Ort, um ihren Verstorbenen etwas zu bringen. © Andreas Hermann

Keine Pflege, oft soll es nicht mal ein Grab sein. Weil viele Menschen dann doch einen Trauerort benötigen, suchen sie regelmäßig ihre Verstorbenen auf dem Kasseler Hauptfriedhof auf.

Kassel – Die Arten der Bestattung werden immer vielfältiger. Dabei spielt der Gedanke, keinen Aufwand mit der Pflege des Grabes haben zu wollen, bei Angehörigen immer öfter eine Rolle. Nicht selten haben die Verstorbenen selbst bereits im Vorfeld eine pflegelose Grabart vereinbart, die Angehörigen erfüllen damit ihren letzten Willen. Doch viele Hinterbliebene kommen damit nicht zurecht, sagt Jürgen Werner, stellvertretender Leiter der Friedhofsverwaltung Kassel. „Viele Menschen brauchen dann doch einen Ort, an dem sie um ihren Verstorbenen trauern und an den sie ihm auch Blumen oder andere Dinge bringen können.“

Nach Werners Angaben wird dieses Bedürfnis an zwei Orten des Kasseler Hauptfriedhofs deutlich: an der Urnengemeinschaftsgräber-Anlage und im Friedpark. Beide sind eigentlich dafür gedacht und dafür gestaltet, dass sich Angehörige um die Grabpflege nicht kümmern müssen. Was zu machen ist, übernimmt die Friedhofsverwaltung. In der Urnen-Anlage gebe es gar keine einzeln ausgewiesenen Gräber, sondern nur zentrale Steine mit den Inschriften der Toten, so Werner. Im Friedpark seien die Grabstellen zwar ungefähr durch Steine gekennzeichnet, die Verstorbenen würden dort aber nicht namentlich erwähnt. Und doch legten die Hinterbliebenen von rund einem Drittel der dort Bestatteten an der Grabstelle oder an der Stelle der Urnen-Anlage, wo sie das Grab vermuten, Blumen und anderes nieder, so Werner.

Auf dem Friedpark stellten Hinterbliebene sogar Grabsteine und kleine Kreuze auf. Im Laufe der Zeit seien neben der traditionellen Erdbestattung und der Urnenbestattung viele weitere Formen hinzugekommen. „Die Psyche der Menschen hat sich aber nicht geändert“, betont Werner. Der Kaufunger ist seit fast drei Jahrzehnten bei der Kirche beschäftigt und für die 14 Kasseler Friedhöfe zuständig. Heute wie vor rund 20 Jahren, als die Urnen-Anlage auf dem Hauptfriedhof in Betrieb genommen worden sei, kämen Angehörige, um dort ihren Verstorbenen nahe zu sein. Das sollte bei den pflegelosen Gräberarten (siehe Artikel rechts), der letzten Ruhe im Friedwald, aber natürlich auch bei einer Seebestattung oder der neuerdings vom Kasseler Bestattungshaus Kracheletz angebotenen Flugbestattung bedacht werden, meint Jürgen Werner. Das Bedürfnis, einen festen Trauerort zu haben, werde Angehörigen oft erst nach dem Tod ihres Verstorbenen bewusst.

Die Friedhofsverwaltung Kassel bietet folgende pflegelose Grabarten an:

Friedparkgräber: Beisetzung von Urnen und Särgen am Fuße eines Baumes/Strauches, ein Grabbeet und/oder eine Steinplatte sind möglich

Baumgräber: in waldartigen Friedhofsbereichen, auf der Grabstätte darf nichts abgelegt/abgestellt werden

Rasen-Wahlgräber: für Erd- und Urnenbestattungen, an einem zentralen Denkmal können etwa Blumen abgelegt werden, aber nicht auf den Gräbern

Urnenkulturgräber: in bevorzugter Lage vor Denkmälern, mit Bepflanzung, Pflege und Namensplatte

Urnengemeinschaftsgräber: Bepflanzt mit Stauden/Hölzern, zentrale Namenstafeln, aber keine Kennzeichung einzelner Beisetzungsstellen

Urnenreihengräber: Auswahl des Grabplatzes ist nicht möglich, die Ausschmückung aber schon

Anonyme Urnengräber: auf einer Freifläche des Friedhofs, die Lage des Grabes wird nicht bekannt gegeben.

Nicht alle pflegelosen Grabarten werden auf allen 14 Friedhöfen im Stadtgebiet angeboten. Auf dem Hauptfriedhof sind zum Beispiel keine Rasen-Wahlgräber möglich. Weitere Infos bei der Friedhofsverwaltung unter 0561 / 983 9595. aha

(Andreas Hermann)

Friedpark des Kasseler Hauptfriedhofs.
Blumen und Engel auch im Friedpark-Bereich des Kasseler Hauptfriedhofs. © Andreas Hermann

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