Familie des 15-jährigen Opfers fordert Konsequenzen von der KVG

Angehörige demonstrieren nach tödlichem Straßenbahnunglück

Gedenken an Unfallopfer: Mitschüler hatten an der Haltestelle Hegelsbergstraße Blumen für den 15-Jährigen niedergelegt. Archivfoto: Pflüger-Scherb

Kassel. Unter dem Motto „Sicherheitslücken bei der Straßenbahn“ soll am Samstag, 12. Mai, ab 14.30 Uhr in der Kasseler Nordstadt demonstriert werden. Mit der Veranstaltung soll an den tödlichen Unfall eines 15-jährigen Schülers erinnert werden.

Das bestätigt Hartmut Bierwirth, Mitarbeiter des Kasseler Ordnungsamtes. Die Demonstration sei für 100 Teilnehmer angemeldet und auch genehmigt worden.

Der 15-jährige Junge war am 15. März dieses Jahres auf dem Weg zur Schule auf der Holländischen Straße an den Folgen eines Straßenbahnunfalls gestorben.

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„Wir wollen mit der Demonstration darauf aufmerksam machen, dass ein Menschenleben mehr wert ist als Zeitdruck“, sagt Gülay Durgut, die Tante des 15-Jährigen. „Für uns ist der Schmerz sehr groß. Wir wollen das anderen Familien ersparen“, begründet Durgut die Demonstration. Wenn die Schaltung der Ampelanlage mit der Straßenbahn gekoppelt wäre, hätte der Unfall ihres Neffen vielleicht verhindert werden können, mutmaßt Gülay Durgut. Ihre Familie rufe zu der Demonstration auf, weil Fußgänger im Straßenverkehr immer das Nachsehen hätten.

Der Jugendliche hatte nach Angaben der Polizei am Morgen des 15. März beide Fahrspuren der Holländischen Straße in Höhe der Haltestelle Hegelsbergstraße überquert und wollte dann offenbar auch über die in Straßenmitte verlegten Schienen gehen. Dort stehen Hinweisschilder, die die Fußgänger vor dem Schienenverkehr warnen. Zeugen hatten berichtet, dass der junge Mann Kopfhörer getragen habe. Er habe die Schienen betreten, ohne auf die herannahende Straßenbahn der Linie 1 zu achten. Die Straßenbahn, die aus Vellmar kam und auf dem Weg in die Kasseler Innenstadt war, fuhr gerade in den Haltestellenbereich Hegelsbergstraße ein. Obwohl der 44-jährige Straßenbahnfahrer aus Kassel heftig geklingelt und sofort eine Gefahrenbremsung eingeleitet habe, konnte die Bahn nicht mehr rechtzeitig stoppen. Der 15-Jährige wurde angefahren und stürzte. Er erlitt lebensgefährliche Verletzungen, an denen er kurze Zeit später starb.

Aus dem Archiv: Tödlicher Unfall mit Straßenbahn

Tödlicher Unfall mit Straßenbahn auf Holländischer Straße

Die Staatsanwaltschaft Kassel hat einen Gutachter zur Rekonstruktion des Unfalls eingesetzt. „Das schriftliche Gutachten liegt noch nicht vor“, sagte Dr. Götz Wied, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel, auf Anfrage der HNA. Er verweist auf ein Zwischenergebnis des Gutachters. Demnach sei der Straßenbahnfahrer der KVG am 15. März mit „angemessener Geschwindigkeit“ in den Haltestellenbereich Hegelsbergstraße eingefahren.

Der Demonstrationszug am Samstag soll von der Haltestelle über die Holländische Straße, Stern, Königsplatz bis zum KVG-Kundenzentrum in der Kurfürsten-Galerie gehen. Dort ist laut Ordnungsamt auch eine Kundgebung geplant.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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