Kripo hatte auch den zweiten Bruder und den Geliebten des Opfers im Visier

Mordprozess Savasci: Angeklagter laut Polizist „kalt und arrogant“

Auf der Anklagebank: Der 51-jährige Bruder der getöteten Mehtap Savasci. Er muss sich wegen des Verdachts des Mordes verantworten. Zeichnung:  Reinckens

Kassel. Am 13. Oktober 2014 hat sich die Kasseler Kripo in Absprache mit der Staatsanwaltschaft dazu entschlossen, den  Bruder der getöteten Mehtap Savasci festzunehmen.

Grund waren mehrere Indizien: Aussagen, DNA-Spuren, Auswertung der Handy-Daten, Telefonüberwachung.

Das sagte ein 47-jähriger Polizeihauptkommissar am Montag vor der Sechsten Strafkammer des Kasseler Landgerichts aus. Der Mann hatte die Ermittlungen in dem Fall geleitet. Der 51-jährige Beschuldigte habe auf seine Festnahme mit einer „Kälte und Arroganz“ reagiert, die ihn überrascht hätten.

Der Ermittler ging im Zeugenstand aber auch auf drei weitere Männer aus dem Umfeld von Mehtap Savasci ein, die ebenfalls kurzzeitig von der Polizei als Beschuldigte geführt worden waren.

Der andere Bruder 

Der Bruder des Angeklagten und des Opfers sei durch seinen „übertriebenen Aktionismus“ den Ermittlern ins Auge gefallen. Obwohl er ausgesagt habe, dass er in den vergangenen sechs Jahren aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über ihren Lebensstil nur vier Mal mit seiner Schwester Kontakt gehabt habe, habe dieser Mann einen „unheimlichen Druck“ aufgebaut. Am Freitag, 10. Oktober, habe es einen Anruf vom Polizeipräsidenten gegeben, so der Ermittler. Der Ausländerbeirat habe auf Drängen des Bruders im Büro des Polizeichefs gesessen und verlangt, über den Stand der Ermittlungen informiert zu werden. „In dieser Form habe ich das zuvor noch nie erlebt“, so der Polizeihauptkommissar. Der Bruder habe aber durch „eine gute Bekannte“, in deren Wohnung er die Nacht zum 7. Oktober verbracht habe, ein Alibi bekommen. Anschließend sei der Arzt in seine Praxis gefahren.

Der Geliebte 

Der Geliebte von Mehtap Savasci, beide hatten offenbar seit sieben Jahren eine Beziehung mit Unterbrechungen, sei von ihrer Familie als möglicher Täter ins Gespräch gebracht worden. Der Mann sei aber sehr kooperativ gewesen und habe auch seine Fahrzeuge auf Spuren untersuchen lassen. Zudem habe er ein Alibi von seiner Ehefrau bekommen. Am Morgen des 7. Oktober habe sich der Mann in der ehelichen Wohnung im Schwalm-Eder-Kreis aufgehalten. Zudem habe Mehtaps Geliebter erklärt, dass er sich niemals von seiner Frau getrennt hätte, weil auf ihren Namen alle Geschäfte laufen.

Der Schwiegersohn

Mehrere Zeugen haben bereits ausgesagt, dass Mehtap Savasci gegen die Heirat ihrer Nichte mit deren Freund, einem Kurden, gewesen ist. Auch der Angeklagte sei zunächst gegen diese Verbindung seiner Tochter gewesen, so der Ermittler.

Der junge Mann, der heute 30 Jahre alt ist, sei erst relativ spät aus der Osttürkei nach Deutschland gekommen. Er sei stark islamisiert und stamme aus einer Familie mit stark religiösen Strukturen. Im Jahr 2011 habe der Mann, der heute als Maler in Wiesbaden arbeitet, seine Freundin entführt. Während dieser dreistündigen Freiheitsberaubung habe der Mann Geschlechtsverkehr mit seiner Freundin gehabt. Daraufhin soll der Vater, der heutige Angeklagte, der Verbindung mit der Tochter zugestimmt haben. Beide heirateten später.

Der Schwiegersohn soll mit der Tochter vom 1. bis zum 10. Oktober 2014 nachweislich in der Türkei gewesen sein. Das habe auch das türkische Konsulat in Frankfurt bestätigt.

Zeuge: "Das war kein deutsches Blond"

Zum Ende seiner Vernehmung vor der Sechsten Strafkammer des Kasseler Landgerichts kam ein 60-jähriger Mann aus Felsberg am Montagmorgen auf Hochtouren. „Miss Marple hätte sich im Grab umgedreht. Es ist sich von Seiten der Polizei keine Mühe gemacht worden“, kritisierte der Zeuge. „Ich wurde nicht ernst genommen.“

Es handelt sich möglicherweise um einen wichtigen Entlastungszeugen der Verteidigung. Denn der Mann geht davon aus, dass Mehtap Savasci am Vormittag des 7. Oktober vergangenen Jahres in seinem Geschäft in Felsberg gewesen sein könnte. Zu einem Zeitpunkt, wo sie sich laut Anklage bereits in der Gewalt des 51-jährigen Bruders befunden hat.

Der Zeuge hatte sich allerdings erst am 20. Oktober bei der Pressestelle der Kasseler Polizei gemeldet - wegen eines Überfalls auf eine Spielhalle. Er habe drei verdächtige Männer beobachtet. Dieses Telefonat habe er zum Anlass genommen, dem Pressesprecher auch mitzuteilen, dass am Vormittag des 7. Oktober gegen 10.30 Uhr eine Frau in seinem Laden gewesen wäre, bei der es sich um die vermisste Mehtap Savasci handeln könnte.

Die Frau habe ihre Haare zu einem Zopf gebunden gehabt, so wie das Frauen machten, die ihre Haare nicht gewaschen hätten, führte der Zeuge aus. Zur Farbe des Haares sagte er: „Das war kein deutsches Blond, das war ein türkisches oder italienisches Blond.“ Ganz auffällig sei die blaue Hose der Frau gewesen, ein „spezieller, moderner Stoff“.

Die Polizei habe es aber niemals für nötig gehalten, ihm eine Stoffprobe der Hose des Opfers vorzulegen. Zudem habe man ihm auch nicht ein Foto ihrer Tasche gezeigt. Der Mann hatte beschrieben, dass die Frau in seinem Geschäft eine zweifarbige Tasche mit einem Ornament dabeihatte.

Die Tasche der Frau habe er sich genau angeschaut, weil es in seinem Laden viele Diebstähle von Osteuropäern gegeben habe. Die Frau habe ein südosteuropäisches Aussehen gehabt. Im Gespräch habe sie ihm mitgeteilt, dass sie aus Kassel käme und ein Fahrrad für ihre Tochter suche, die 17 Jahre alt sei.

Weiße VW Caddys 

Der Zeuge gab zudem an, dass er rund um den 7. Oktober vier weiße VW Caddys in Felsberg an verschiedenen Orten gesehen habe. Ob es jedes Mal derselbe Caddy gewesen sei, wisse er nicht. Laut Staatsanwaltschaft ist Mehtap Savasci von ihrem Bruder in einem weißen VW Caddy entführt worden.

Lesen Sie auch:

- Ermittler: Mehtap Savasci widersetzte sich Bruder

- Mordprozess Savasci: Familie verlangte Trennung von ihrem Freund

- Überraschende Neuigkeit im Savasci-Prozess: Zeuge soll Opfer gesehen haben

Schlagworte zu diesem Artikel

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.