Wiederholungstäter – Urteil am 5. Januar erwartet

Angeklagter im Missbrauchsprozess: „Kinder sehr zutraulich“

Kassel. Das Wort „Missbrauch“ kam dem Mann nicht über die Lippen. Von „den Fällen“ sprach er, von „der Sache“ oder schlicht von „das“. Nicht ein einziges Mal nannte der 54-Jährige beim Namen, was er getan hat.

Dabei wollte er gar nicht bestreiten, dass er sich von 2008 bis zu seiner Festnahme im April 2011 mindestens elf Mal an drei kleinen Mädchen vergriffen hat.

„Ich stimme den Ausführungen der Anklageschrift zu“, bekannte der gelernte Maschinenschlosser am Donnerstag gleich zu Beginn seines Prozesses vor dem Kasseler Landgericht. Zu leugnen wäre wohl auch zwecklos gewesen. Denn etliche seiner Übergriffe hatte der Mann mit seinem Handy gefilmt – und die Videos waren von der Polizei bei ihm gefunden worden.

In den Filmen soll zu hören sein, wie der Angeklagte einer Neunjährigen, mit der er mehrfach geschlafen hat, Anweisungen gibt. In seiner Wohnung sei das passiert, sagte der Mann. Wenn seine Lebensgefährtin arbeiten gegangen sei und er das Mädchen – die Tochter eines Bekannten – auf der Straße getroffen habe, sei sie mit zu ihm gegangen. Freiwillig. Um Sex zu haben.

Und auch seine anderen beiden Opfer (ein Wort, das der Angeklagte ebenfalls nicht benutzt) hätten sich nie beschwert. „Die Kinder waren nicht verstört“, behauptete der Mann. „Sie haben nicht geweint oder so.“

Gerade einmal sechs Jahre waren die Mädchen alt: ein Zwillingspaar – die Töchter einer Freundin, bei der er regelmäßig ein und aus ging. „Die Kinder waren sehr zutraulich“, erzählte der 54-Jährige. „Irgendwann kam’s dann halt zu den Fällen.“

Er brachte sie dazu, sich auszuziehen und sich von ihm begrapschen zu lassen. Wie Oralverkehr funktioniert, hatte er der Sechsjährigen zuvor anhand eines pornografischen Manga-Comics erklärt.

Pädophile Neigung

Warum er das alles getan habe? „Das ist für mich sehr schwer zu beantworten“, sagte der Mann, der selbst vier Kinder von drei verschiedenen Frauen hat – und gab dann doch eine pädophile Neigung zu. Das legte allerdings auch schon sein Vorstrafenregister nahe: Zweimal bereits ist der Mann wegen Kindesmissbrauchs verurteilt worden, einmal wegen Vergewaltigung einer 18-Jährigen. Zuletzt hatte er in Kassel jedoch wegen Untreue vor Gericht gestanden: Als man ihn ausgerechnet zum Vorsitzenden des Trägervereins eines Kindergartens gemacht hatte, hatte er ungefähr 35 000 Euro vom Vereinskonto unterschlagen.

Angesichts seiner Vorstrafen droht ihm jetzt nicht nur eine mehrjährige Gefängnisstrafe wegen schweren sexuellen Missbrauchs, sondern auch die anschließende Sicherungsverwahrung.

Am 5. Januar wird der Prozess fortgesetzt. Dann soll auch das Urteil fallen.

Von Joachim F. Tornau

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.