Landgericht Kassel muss entscheiden

Angeklagter in die Psychiatrie?: "Bin Opfer einer Intrige"

Kassel. „Mir werden Dinge vorgeworfen, die ich nicht gemacht habe, ich bin das Opfer einer Intrige“, sagte der 45-jährige Angeklagte, der sich wegen diverser Beleidigungen, Bedrohungen und Diebstähle seit gestern vor dem Landgericht verantworten muss.

Die Beteiligten in diesem Prozess haben es schwer, zu Wort zu kommen, denn der Mann auf der Anklagebank redet am laufenden Band, es fällt ihm nicht leicht, seine Zunge im Zaum zu halten. Es geht in diesem Verfahren auch um die Frage, ob er in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden muss.

Bereits im November 2008 hatte er auf der Anklagebank gesessen, damals hatte ihn das Amtsgericht zu einem Jahr und acht Monaten verurteilt. Nachdem er wegen einer anderen Sache hinter Gittern gesessen hatte und entlassen werden sollte, beschimpfte er am Entlassungstag die Beamten der JVA. „Ich mache dich platt!“, rief er einem von ihnen zu, ein anderer musste sich „Hurensohn“ nennen lassen. Kaum hatte der Angeklagte den Knast verlassen, rief er dort an und schickte eine weitere Schimpfkanonade durchs Telefon. Üble Beleidigungen hatten auch die Mitarbeiterinnen der Kasseler Arbeitsagentur über sich ergehen lassen müssen, der Angeklagte fand sie „beschränkt“ und „doof“. Daneben hatte das Amtsgericht über einige kleinere Diebstähle befinden müssen, demnach ließ der 45-Jährige Wein, Parfum und Batterien mitgehen.

Die Berufungskammer des Landgerichts hob das Urteil ein Jahr später auf und verwies es an eine andere Kammer. Inzwischen geht es außer um die Vorwürfe, über die das Amtsgericht hatte befinden müssen, noch um weitere Fälle, die neu hinzukamen. Wie bereits in der ersten Instanz bestreitet der 45-Jährige auch die neuen Vorwürfe. „Ich habe mit diesen Dingen nichts zu tun“, beteuerte er gestern vor der 1. Kammer. In den aktuellen Anklagepunkten geht es wieder um Beleidigung, um Bedrohung, um Diebstähle, auch um Betrug.

Unflätige Bemerkungen hatten die Mitarbeiterinnen einer Kasseler Anwaltskanzlei über sich ergehen lassen müssen, eine Anwältin aus dieser Kanzlei hatte den Angeklagten in einer Verhandlung vor Gericht verteidigt. Nach den Beleidigungen war ihm für die Kanzlei Hausverbot erteilt worden, doch das hielt ihn nicht davon ab, erneut dort aufzukreuzen und die Beschäftigten zu belästigen. Er wurde des Hauses verwiesen, über das Telefon ging es jedoch weiter. Er werde ein „Blutbad“ anrichten, soll er da gedroht haben.

Bei den Diebstählen, die in der langen Liste an neuen Anklagevorwürfen stehen, zeigte sich der Angeklagte kreativ: Da ließ er etwa seine alten Schuhe in einem Karton verschwinden, um in neuen Schuhen das Weite zu suchen. Da er alles leugnet und da eine Vielzahl an Vorwürfen abgearbeitet werden müssen, sind 25 Zeugen geladen. Außerdem wird ein psychiatrischer Sachverständiger gehört. Am Freitag wird der Prozess fortgesetzt. (pas)

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