Amtsgericht: Prozess wegen Körperverletzung und Raub endete überraschend mit Freispruch

Angeklagter und Opfer verlobt

Kassel. Der Frauentag war als Termin nur zufällig gewählt: Am Donnerstag musste sich ein 44-Jähriger, der seine Freundin aus Eifersucht misshandelt haben soll, vor dem Amtsgericht verantworten. Der Prozess endete überraschend mit einem Freispruch.

Die Staatsanwaltschaft warf dem Gebäudereiniger vor, er habe sich in einer Nacht im Juli vergangenen Jahres zu seiner Lebensgefährtin begeben, um sie wegen angeblicher Kontakte zu anderen Männern über Facebook zur Rede zu stellen. Mit Gewalt soll er sie vor ihren Computer gezerrt und gedroht haben, ihr eine Schere in den Kopf zu stechen.

Als sie sich weigerte, etwas dazu zu sagen, habe er den Computer abgebaut und in seine Wohnung gebracht. Außer Körperverletzung warf ihm die Staatsanwaltschaft deshalb auch Raub vor. Die Auseinandersetzung soll für die heute 32-jährige Lebensgefährtin mit einer Schädelprellung und Hämatomen geendet haben.

Kaum dass die Anklage verlesen worden war, sorgte der Angeklagte für einiges Erstaunen: „Wir sind seit Dezember verlobt und wollen dieses Jahr heiraten.“ Offenbar ist der heftige Streit vom Juli 2011 längst vergessen. Zu den Gründen lieferte der 44-Jährige keine näheren Angaben. Seine Verlobte machte von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.

Richterin Claudia Schiborr blieb nur, den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung zu folgen und den Angeklagten freizusprechen. „Die Einzigen, die die Tat beobachtet haben, sagen nichts dazu, damit ist ein Tatnachweis nicht zu führen.“ Auch der leibliche Sohn des Angeklagten hatte im Zeugenstand geschwiegen. (pas)

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