Angeklagter schämt sich

51-Jähriger wegen versuchten Missbrauchs eines Kindes vor Gericht

Kassel. Wegen des versuchten sexuellen Missbrauchs muss sich seit Freitag ein 51-jähriger Mann aus Kassel vor dem Landgericht verantworten. Der Angeklagte soll im Mai 2014 ein damals zehnjähriges Mädchen auf dem Weg zur Schule angesprochen haben.

Der Mann habe geplant, das Kind sexuell zu missbrauchen. Aus seinem Mietauto heraus soll der Kasseler das Kind gefragt haben, ob es sich fünf Euro verdienen wolle. Als das Mädchen nicht reagierte, soll der Angeklagte aus dem Auto gestiegen sein und es verfolgt haben. Als das Kind sich der Schule näherte, soll er von seinem Plan Abstand genommen haben.

In seiner Erklärung sagte der Angeklagte zu Beginn der Verhandlung, dass er sich für seine Gedanken und Neigungen schäme. „Die Neigung ist da, ich kann sie nicht wegzaubern“, sagt der 51-Jährige, der sich vierzehneinhalb Jahre in Sicherungsverwahrung befand. Die Entlassung sei ihm viel zu schnell gegangen. „Ich hatte keine Möglichkeit, meine Freizeit zu strukturieren, damit keine Langeweile aufkommt“, sagte der Angeklagte, der mehrfach wegen sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung von Kindern verurteilt worden war. Wie schwer es ihm nach der Entlassung gefallen sei, seine Neigung zu kontrollieren, berichtete er in der Verhandlung: „Ich saß in der Straßenbahn, plötzlich kamen vier Mädchen, die sich gegenüber auf die Bank setzten. Sie hatten kurze Röcke und Hosen an. Dann bin ich ausgestiegen - das ging einfach nicht.“

Nach der Entlassung aus der Sicherungsverwahrung habe er versucht, ein normales Leben zu führen. „Ich habe eine Frau aus Bad Arolsen kennengelernt - ihr habe ich auch erzählt, warum ich im Gefängnis war.“ Er gestand, dass er das zehnjährige Mädchen in der Nähe der Schule ansprach, es aber nicht sexuell missbrauchen wollte. „Ich wollte sie nur ansprechen - das hat mir gereicht.“ An dieses Ereignis konnte sich die heute elfjährige Zeugin noch gut erinnern. „Das vergisst man nicht so leicht.“ Nur manchmal denke sie noch an diese Situation. „Ich habe ziemliches Glück gehabt“, sagt sie.

In seinem Gutachten attestierte Dr. Georg Stolpmann, forensischer Psychiater, dem Angeklagten eine „erhöhte Rückfallgefahr“. Dafür sprächen seine narzisstischen und dissozialen Persönlichkeitsstrukturen, die zufällige Opferwahl und dass er schon rückfällig geworden sei. „Seine pädosexuelle Neigung ist recht ausgeprägt“, betonte der 62-jährige Gutachter. Dafür spreche auch, dass der Angeklagte kurz nach der Tatzeit auch einen zehnjährigen Jungen in Ihringshausen ansprach.

Der 51-Jährige war als Jugendlicher wegen Brandstiftung mehrfach verurteilt worden. Mit 29 Jahren wurde er das erste Mal wegen Vergewaltigung eines Kindes verurteilt.   

Nächster Verhandlungstag:   6. August, 9 Uhr, in Saal E 119.

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