Prozess um sieben Tankstellenüberfälle: 29-Jähriger will nur einmal Täter gewesen sein

Angeklagter streitet fast alles ab

Kassel. Im Prozess um eine Serie von Tankstellenüberfällen im Raum Kassel, in Felsberg und Wabern hat sich der angeklagte 29-Jährige am vierten Prozesstag doch noch zu den Vorwürfen geäußert. Zentrale Botschaft seiner Aussage: Sechs von sieben ihm vorgeworfenen Überfällen habe er nicht begangen - könne sich aber vorstellen, wer es war.

Der 29-Jährige nannte auch einen Namen - einen Allerweltsnamen allerdings. Der Fünften Strafkammer des Kasseler Landgerichts fiel denn auch gleich jemand ein, der so heißt und auf den die knappe Beschreibung hätte passen können. Innerhalb einer Stunde traf dieser Mann sogar als Zeuge im Gericht ein. Doch das half nicht weiter: Denn der Zeuge sagte, er kenne den Angeklagten nicht. Und der Angeklagte sagte, dieser Mann sei nicht der, den er meine.

Den vermeintlichen Täter will der Angeklagte beim Zocken kennengelernt haben. Und mit ihm will er durchaus Pläne für Raubtaten ausgeheckt haben. Im Frühjahr 2012 hätten sie sich ein Depot mit Bekleidung und Ausrüstung angelegt. Passiert sei aber erst mal nichts: „Mal hatte ich keine Zeit, mal er nicht.“ Es habe sich „nie was ergeben“.

Bis Januar 2013 sei das so gegangen, bis zum Tag, an dem der Angeklagte - wie er zugibt - zwei Polizisten mit Pfefferspray attackierte. Damals habe der Kumpel ihn überredet, eine Tankstelle zu überfallen - er selbst habe sich aber gesträubt. Man habe sich gestritten und getrennt, dann habe ihn die Polizei kontrolliert.

Der Angeklagte war aufgefallen, weil er eine Baseballkappe mit Sternen trug, wie sie bei mehreren Tankstellenüberfällen getragen wurde. Dem Gericht versicherte er gestern, er hätte diese Kappe niemals aufgesetzt, hätte er von den Taten gewusst: „Ich bin doch nicht so blöd.“ Zugleich gab er zu, fünf Tage später tatsächlich versucht zu haben, eine Tankstelle in Immenhausen zu überfallen.

Bis die Polizei den 29-Jährigen schließlich festnehmen konnte, hatte es intensive Fahndungs- und Ermittlungsmaßnahmen gegeben: Telefone wurden überwacht, Autos observiert. Bei einer Hausdurchsuchung soll allerdings ein Rucksack mit Sturmhaube übersehen worden sein. Zeugen sagten, der sei später in der Fulda versenkt worden. Polizeitaucher fanden ihn nicht.

Der Durchsuchungsbericht vermerkt aber auch - teils unerwartete - Erfolge: „Täterkleidung“ sei in der Badewanne gefunden worden - und in einem Zimmer eine „Plastikameise“.

Das Tier gehörte zu einer chinesischen Skulptur, die bis Anfang 2013 in Kassel zu sehen war. Es war gestohlen. Oder jemand hatte den Titel der Kunstschau sehr missverstanden. „Alles unter dem Himmel gehört allen“.

Von Katja Schmidt

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