19-Jähriger wegen räuberischen Diebstahls mit Körperverletzung verurteilt

Angeklagter zieht zurück

Kassel. Besonders gewehrt hatte sich der Angeklagte gegen den Vorwurf, er habe am späten Abend im Oktober 2010 auf einer jungen Frau gekniet und diese geschlagen. Das Kasseler Amtsgericht hatte den 19-Jährigen im Februar wegen räuberischen Diebstahls in Tateinheit mit Körperverletzung verurteilt. Es hielt für erwiesen, dass er die 22-Jährige nahe des Dock 4 gewaltsam aufgehalten hatte, um einem Bekannten die Flucht mit ihrer Tasche und Jacke zu ermöglichen.

Dagegen war der junge Kasseler in Berufung gegangen. Doch seit gestern ist das Urteil rechtskräftig. Jetzt muss der 19-Jährige eine Jugendstrafe von einem Jahr und neun Monaten verbüßen.

Diese Gesamtstrafe hatte das Amtsgericht Kassel für die Delikte vom Oktober, einen Fall gefährlicher Körperverletzung und für unerlaubten Waffenbesitz verhängt. Der 19-Jährige sitzt bereits seit sieben Monaten in Untersuchungshaft.

Erste Aussage zur Tat

Zum fraglichen Oktoberabend sagte er gestern erstmals aus. Er beharrte jedoch zunächst darauf, er habe „gar keinen Körperkontakt“ mit der jungen Frau gehabt. Allerdings habe er seinem Bekannten warnend zugerufen, als die 22-Jährige hinter diesem hergerannt sei. Und er sei dabei gewesen, als der 20-Jährige später in einem Hinterhof die Tasche der jungen Frau durchwühlte.

Den Mittäter hatte das Gericht gestern ebenfalls als Zeugen geladen. Seine Verurteilung wegen räuberischen Diebstahls sei bereits rechtskräftig. Deshalb sei er nun verpflichtet auszusagen und zwar die Wahrheit, erklärte ihm der Vorsitzende Richter, Landgerichtspräsident Wolfgang Löffler. An dem, was das Gericht dann zu hören bekam, meldete Staatsanwalt Frank Lohr erhebliche Zweifel an: Weder er selbst noch der 19-Jährige hätten die Frau geschlagen, versicherte der Zeuge.

Sie habe auch nie am Boden gelegen. „Sie haben eine Chance bekommen, damals vor Gericht – mit der spielen Sie jetzt“, sagte Lohr dem 20-Jährigen. Das Amtsgericht hatte eine Bewährungsstrafe gegen den jungen Mann verhängt. Auch eine Falschaussage könne diese gefährden, machte Staatsanwalt Lohr dem jungen Mann klar. Doch der sitzt ohnehin in Untersuchungshaft – wegen eines anderen Deliktes.

Die bestohlene Frau wiederholte als Zeugin, der 19-Jährige sei es gewesen, der auf ihr gekniet habe. Auch ihr Begleiter sah das nun so – vor dem Amtsgericht hatte er allerdings noch erklärt, der 20-Jährige habe auf der Freundin „gehangen“.

Einlenken nach Beratung

Als vierter Zeuge wurde noch ein Polizist gehört, dann beriet Verteidiger Knuth Pfeiffer mit dem Angeklagten. Schließlich wurde die Berufung zurückgezogen. Auch die Staatsanwaltschaft nahm ihr Rechtsmittel zurück. Richter Löffler fand das Vorgehen des Angeklagten offenbar einleuchtend: „Nach der Beweislage sieht es für ihn finster aus.“

Von Katja Schmidt

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