Kasseler wegen Raubes zu Bewährungsstrafe verurteilt

Täter greift 82-Jährige mit Handtuch und Kochlöffel an

Justitia-Figur vor strahlend blauem Himmel
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Ein Kasseler wurde wegen Raubes zu einer Bewährungsstrafe verurteilt (Symbolbild).

Die 82-jährige Frau verspürte in ihrer Wohnung an der Wilhelmshöher Allee Todesangst. Doch insgesamt zeigt der Raubüberfall, der jetzt vor dem Landgericht verhandelt wurde, eher skurrile Züge.

Bewaffnet mit einem großen Handtuch und einem hölzernen Kochlöffel war ein heute 50-Jähriger aus Kassel am 2. März vergangenen Jahres aus seiner Wohnung in einem Mehrfamilienhaus zwei Stockwerke nach unten gegangen und hatte an der Wohnungstür seiner damals 82-jährigen Nachbarin geklingelt. Als die Frau öffnete, warf ihr der Angeklagte das Handtuch über den Kopf, drehte es immer enger und forderte mit türkischem Akzent: „Geld, Geld oder Messer.”

Der Mann drängte die hilflose Frau ins Schlafzimmer, entnahm ihrer Geldbörse 80 Euro, verließ die Wohnung und ging zum Einkaufen. Für diesen Raubzug hatte Staatsanwältin Melike Aydogdu vor der 11. Strafkammer siebeneinhalb Jahre Gefängnis für den vielfach vorbestraften Mann gefordert.

Tatsächlich verurteilte die Kammer unter Vorsitz von Richter Besson ihn aber nur zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe und folgte damit dem Antrag von Verteidiger Markus Mauermann. Außerdem muss er 2500 Euro an die Kasseler Opfer- und Zeugenhilfe bezahlen.

Auf Befragen von Richter Besson hatte der Angeklagte berichtet, dass er in der Nacht zuvor heftig mit Kumpanen Bier und Whisky gezecht hatte. Dabei habe er alles Geld ausgegeben, der Rest sei ihm eventuell auch gestohlen worden.

Als ihm am Morgen das Geld für den Einkauf fehlte, sei ihm die Idee zum Überfall auf die Nachbarin gekommen, die ihm schon einmal 80 Euro geliehen hatte.

Das Opfer des Überfalls, eine hellwache und sehr vitale alte Dame, hatte den Raubzug in der eigenen Wohnung dank einer robusten Psyche gut überstanden und schilderte das Geschehen vor Gericht mit klaren Worten. Die Entschuldigung des Angeklagten nahm sie freundlich lächelnd an.

Der hochgewachsene, bullige Kasseler hat seit seinem 15. Lebensjahr ein eindrucksvolles Strafregister aufgebaut, bei nahezu allen Taten war Alkohol im Spiel. Für Diebstahl, sexuellen Missbrauch eines Kindes und Schwarzfahren hatte er schon Freiheitsstrafen kassiert.

Mehrmals legte er in den Kellern von Mehrfamilienhäusern an der Fiedlerstraße und der Eisenschmiede schwer betrunken Feuer, obwohl in den Häusern Dutzende von Menschen wohnten. Dafür saß er mehrere Jahre hinter Gitter.

Auch wie er für den jüngsten Raub als Täter überführt wurde, trägt anekdotische Züge: „Das könnte doch der falsche Hase gewesen sein“, hatte die Tochter der alten Dame gemutmaßt. Die heute 83-Jährige hatte ihrem Nachbarn das Kochrezept für den „Falschen Hasen“ gegeben. Bei den Frauen firmierte er fortan unter diesem Spitznamen, mit dem die Frauen auch die Kripo-Beamtin auf die richtige Spur setzten.

Verteidiger Mauermannn hatte die gute Entwicklung seines Mandanten ins Feld geführt: baldige Hochzeit, demnächst eine feste Arbeitsstelle, Reue und deutlich verminderter Alkoholkonsum. Auch nach seiner 17. Verurteilung kann der Kasseler jetzt zeigen, dass er auch ohne Straftaten und Alkohol durchs Leben kommt.

Von Thomas Stier

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