Angriffe auf Polizisten in der Region nehmen zu

Kassel. Gewalt gegen Polizisten gab es jüngst in Bonn, wo Salafisten gezielt Beamte angriffen. Doch auch in Nordhessen steigen die Fallzahlen bei dem, was die Juristen "Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte" nennen. Die Polizei in der Region fühlt sich von Justiz und Politik im Stich gelassen.

Bei der Demonstration in Bonn wurden kürzlich drei Polizisten von einem Salafisten gezielt ins Bein gestochen und schwer verletzt. Bei einer Antikapitalismus-Demonstration in Frankfurt Ende März wurde ein Polizist nicht nur mit Schlägen und Tritten traktiert, sondern ihm wurde Reizgas, das vermutlich mit Säure versetzt war, ins Gesicht gesprüht.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sagt, dass Polizeibeamte immer häufiger angegriffen werden. Auch in Kassel und Nordhessen. Im vergangenen Jahr wurden demnach im Bereich des Polizeipräsidiums Nordhessen 212 Fälle von Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte registriert. In der Stadt Kassel waren es allein 102 (Landkreis Kassel: 20).

Erst am Montag wurde ein Ordnungspolizeibeamter bei einer Personenkontrolle auf der Jägerstraße in Kassel verletzt. Ein 44-Jähriger, der per Haftbefehl gesucht wurde, trat den Mitarbeiter des Ordnungsamtes, um sich der Festnahme zu entziehen. „Widerstandshandlungen gegen unsere Mitarbeiter haben merklich zugenommen. Es wird häufiger getreten und geboxt“, sagt Axel Heiser, Leiter des Ordnungsamtes. Der Frust unter den Polizeibeamten wachse, sagen Stefan Rüppel, Vorsitzender der GdP-Bezirksgruppe Nordhessen und Lars Elsebach, Vorsitzender der Kreisgruppe Kassel.

Sie fühlten sich mitunter von der Politik und der Justiz im Stich gelassen. „Eine konsequente Strafverfolgung von Tätern, die Polizeibeamte angreifen, fehlt in vielen Fällen“, sagt Elsebach. Im vergangenen Jahr wurden im Landgerichtsbezirk Kassel 139 Verfahren wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte registriert. In 37 Fällen wurde Anklage erhoben, 36 wurden mit einem Strafbefehl geahndet. Zudem kritisiert die GdP Defizite bei der Ausstattung der Beamten bei Demonstrationen. (use)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.