Waffen sollen „sein Hobby“ gewesen sein

Lübcke-Prozess: Mitangeklagter Markus H. schweigt - Jetzt sagen Mithäftlinge aus

Lübcke-Prozess: Markus H. im Gerichtssaal.
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Markus H. im Gerichtssaal.

Bisher schweigt der Mitangeklagte Markus H. zu den Vorwürfen gegen ihn im Lübcke-Prozess. Doch jetzt sagen ehemalige Mithäftlinge aus.

Frankfurt – Im Prozess gegen den mutmaßlichen Lübcke-Mörder stand an diesem Donnerstag nicht der Hauptangeklagte Stephan Ernst im Mittelpunkt, sondern Markus H., der wegen Beihilfe zum Mord angeklagt ist. Bislang allerdings war Markus H. (44) eher Beobachter im Prozess. Denn der Mitangeklagte schweigt bislang zu den Vorwürfen gegen ihn. Äußerte sich nur wenige Male und dann auch nur zu formellen Dingen. Er soll Stephan Ernst die Waffe besorgt haben, mit der der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke erschossen wurde.

In seinem erneuten Geständnis hatte Ernst angegeben, dass er mit H. gemeinsam am Tatort gewesen sei. Man habe die Tat gemeinsam geplant. Belege gibt es dafür bislang nicht. Ermittler fanden am Tatort nur die DNA von Stephan Ernst. Gestern nun sagten zwei Mithäftlinge H.s vor dem Oberlandesgericht Frankfurt aus. Sie sollten Licht ins Dunkel bringen. Zumindest ergaben sich ein paar neue Einblicke.

Er habe Angst, dass noch etwas kommt, dass etwas von ihm gefunden wird und dass Stephan Ernst ihn da mit reinzieht. Das zum Beispiel soll Markus H. den beiden Mithäftlingen während seiner Untersuchungshaft in der JVA Frankfurt erzählt haben.

Einer der Mithäftlinge, so sagt er es gestern als Zeuge, hat Aufzeichnungen angefertigt mit allem, was ihm Markus H. in den vergangenen Monaten erzählt hat. Warum? „Schwierige Frage“, sagt er. Möglicherweise soll die Hoffnung auf Hafterleichterung ein Grund gewesen sein.

Demnach soll Markus H. ihm von seiner Angst bereits im Herbst 2019 berichtet haben. Also zu einer Zeit, in der nur das erste Geständnis von Stephan Ernst im Raum stand. Er hatte den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten gestanden – von Markus H. hatte er damals nur am Rande gesprochen. Er soll ihm den Kontakt zum Waffenhändler vermittelt haben. Deshalb wurde H. auch festgenommen.

Stand gestern im Mittelpunkt: Markus H., Mitangeklagter im Mordfall Lübcke.

Dass H. ein Faible für Waffen hat, offenbarten auch die Ermittlungen der Polizei in den vergangenen Monaten. In seiner Kasseler Wohnung und einer Garage im Stadtteil Waldau wurden zahlreiche Waffen und Kriegsgegenstände gefunden. Den beiden Mithäftlingen soll H. erzählt haben, dass er alte Waffen repariert oder aus dem Ausland ankauft und sie umbaut und als „echte Waffen“ weiterverkauft. Waffen sollen „sein Hobby“ gewesen sein.

Auch seinem einstigen Freund Stephan Ernst hat er die Waffe vor einigen Jahren verkauft, so soll es H. gesagt haben. Ergänzt hat der Zeuge in seinen Notizen: verkauft, nicht vermittelt. Der Zeuge beschreibt das Verhältnis der beiden Angeklagten aus den Erzählungen von H. als freundschaftlich. Beide waren Mitglieder im Schützenverein in Sandershausen. Nachdem sie nicht mehr bei derselben Firma in Kassel arbeiteten, hätten sie sich gelegentlich zum Biertrinken verabredet.

In einer früheren Vernehmung hatte der Mithäftling angegeben, Markus H. sei für ihn kein starker Mann, eher ein Kind, das einen Knacks habe. Voll von Hass sei er gewesen – vor allem gegen Ausländer. Dass H. ihm mehrfach gesagt habe, dass er ein Rechtsextremist sei, bestätigte der Befragte auch am Donnerstag. „Markus hat erzählt, dass er ein Arier ist und eine Abneigung gegen Juden hat“, hatte der Zeuge auch gegenüber der Polizei angegeben. Das habe zwar glaubhaft gewirkt, zwischenzeitlich habe man darüber aber auch Witze gemacht. Markus H. erzählte von den Demonstrationen, die er besucht habe. Politik sei aber sonst kein großes Thema zwischen ihnen gewesen. Auch habe er nicht das Gefühl gehabt, dass H. etwas gegen ihn habe, weil er ja selbst Ausländer sei.

Den beiden Mithäftlingen soll H. erzählt haben, dass er an dem Tag, an dem Lübcke ermordet wurde, eine Tour mit dem Motorrad gemacht habe. Gegen 21 Uhr sei er nach Hause gekommen und auf dem Sofa eingeschlafen. Ein Alibi dafür hat H. nicht. H. sprach über private Dinge. Über die Probleme mit seiner Ex-Frau, mit der er im Streit um das Sorgerecht für das gemeinsame Kind war. „Er hat nichts Gutes über sie gesagt“, sagt der Zeuge.

Was den Mord an Walter Lübcke angeht, habe sich Markus H. auch gegenüber den Mitgefangenen nicht zu der Tat geäußert oder gesagt, dass er mit am Tatort gewesen sei. Er habe immer wieder seine Unschuld betont und lediglich den Verkauf der Waffe eingeräumt.

Beweise, dass H. am Tatort gewesen sein könnte, gibt es nach wie vor keine. Warum ihn trotzdem die Angst umtreibt, dass seine DNA auf dem Beifahrersitz eines Autos gefunden werden könnte, bleibt auch nach der Befragung der Zeugen offen.
(Kathrin Meyer)

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