Bis zu 50 000 Euro pro Kilo auf Schwarzmarkt

Angst vor Nashorn-Dieben im Kasseler Naturkundemuseum

+
Ausnahme: Für unser Foto hat Dr. Kai Füldner, Direktor des Naturkundemuseums, eine der Nashorn-Trophäen aus dem Museumsdepot geholt. In der Ausstellung werden sie – aus Sicherheitsgründen – in den nächsten Jahren nicht zu sehen sein.

Kassel. Die Wilderei kommt in die Städte: Hintergrund ist der lukrative Schwarzmarkt-Handel mit Nashorn, für das bis zu 50.000 Euro pro Kilo bezahlt werden. Weil die Jagd in freier Wildbahn aufwendig ist, haben es Banden nun auch auf Ausstellungsstücke in Museen abgesehen.

Deshalb hat das Kasseler Naturkundemuseum seine Hörner speziell in einem Depot außerhalb des Museums gesichert.

Aktualsierier am 10.3.2012 um 9.15 Uhr

Die vier bis fünf Kilo schwere Jagdtrophäe in den Händen von Museumsdirektor Dr. Kai Füldner hat den Schwarzmarkt-Wert einer Eigentumswohnung. Das Horn ist eines von mehreren Exponaten, die das Museum in einem seiner Depots lagert.

"Diese über 100 Jahre alten Stücke aus einer Trophäensammlung wecken für einige einen völlig irrationalen Glauben, der den illegalen Handel antreibt“, sagt Füldner.

In Asien wird Nashorn in pulverisierter Form als Heil- und Potenzmittel angepriesen, und die Nord-Jemeniten zahlen horrende Summen, um aus dem Horn die Griffe für ihre traditionellen Krummdolche zu fertigen.

Das Ottoneum im Regiowiki

„Der Nutzen als Potenzmittel ist mehr als fraglich. Nashorn besteht wie Fingernägel und Haare aus Keratin. Da könnte man genauso gut Fingernägel kauen“, sagt Füldner.

Dass gute Argumente nichts nutzen werden, um den kriminellen Geschäften ein Ende zu bereiten, da ist sich der Museumsdirektor sicher. Deshalb seien die Sicherheitsvorkehrungen für den Nashorn-Bestand erhöht worden. Die Depots seien speziell alarmgesichert – im Fall eines Einbruchs sei die Polizei in drei Minuten vor Ort. Zudem seien die Stücke unter insgesamt 350.000 gelagerten Exponaten so gut wie nicht zu finden.

Nicht in Ausstellung zu sehen

Keine der Kasseler Nashorn-Trophäen ist derzeit in einer der Ausstellungen des Naturkundemuseums zu sehen. „Wir haben sie seit Jahren nicht mehr gezeigt und werden dies unter den gegebenen Umständen auch auf absehbare Zeit nicht tun“, sagt Füldner.

Wie skrupellos die internationale Geschäftemacherei mit Produkten von unter Artenschutz stehen Tieren ist, hatte das Naturkundemuseum in einer Ausstellung vor wenigen Jahren gezeigt. Vom Schneeleopardenfell bis zum Tigerhoden reiche die Bandbreite des Schmuggels, sagt Füldner. Er habe den Eindruck, „dass immer mehr Reiche merkwürdige kulturelle Vorstellungen haben“.

Von Bastian Ludwig

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.