Zeugin leidet bis heute unter Folgen eines räuberischen Diebstahls –

Angst und Schrecken verbreitet: Niedrige Strafen für zwei Angeklagte

Kassel. Die Tränen wollen bei der 17-jährigen Zeugin nicht versiegen. Schluchzend berichtet sie von einem Ereignis im Oktober vergangenen Jahres, als die beiden Männer auf der Anklagebank in die Wohnung stürmten.

Einer von ihnen stahl nicht nur ein Handy und ein Laptop, er schlug auch auf sie ein. „Seitdem habe ich Angst, wenn ich nachts allein herumlaufe.“

Die beiden Männer, 28 und 29 Jahre alt, mussten sich nun vor dem Amtsgericht wegen räuberischen Diebstahls und weiterer Vorwürfe verantworten. Der 28-Jährige wurde am Ende zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt, die zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt werden. Außerdem muss er 80 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Den 29-Jährigen sprach das Gericht in dieser Sache frei, weil eine Tatbeteiligung nicht nachweisbar war.

Der 29-Jährige schwieg zu dem Vorfall, der 28-Jährige hingegen legte die Karten gleich zu Beginn auf den Tisch. Er habe den Mann neben ihm an jenem Tag angerufen und ihn „um Hilfe“ gebeten. Denn er wollte bei einem Kumpel, mit dem er Streit hatte, „etwas zu rauchen“ holen. Zuvor habe er ein paar Bier getrunken und seine zur Routine gewordene Ration Amphetamin geschluckt. Als er an der Wohnungstür klingelte, öffnete die 17-jährige Zeugin. Auf einem Schrank entdeckte er ein Handy. „Das wollte ich mitnehmen“. Was ihn dabei angetrieben hat, konnte er vor Gericht nicht überzeugend erklären. Sein Kumpel jedenfalls war nicht zu Hause. Im Wohnzimmer fand er einen Laptop, griff zu und wollte damit verschwinden. Doch die Besitzerin versuchte, ihn daran zu hindern. Im Flur muss es ein Gerangel gegeben haben. Die 17-Jährige berichtete vor Gericht, dass beide zu Boden fielen und sie auf die Brust und den Kopf geschlagen worden sei. Welche Rolle der 29-Jährige dabei gespielt hat, blieb offen. Der 28-Jährige sagte, sein Kumpan habe die Auseinandersetzung lediglich beobachtet und sei verschwunden, die 17-Jährige konnte keine Angaben dazu machen.

Der 28-Jährige gab auch zu, dass er schon im Februar vergangenen Jahres einen 24-Jährigen bei einer Auseinandersetzung mit der Faust ins Gesicht geschlagen und ihm einen Schneidezahn ausgeschlagen habe. Die beiden hätten, erklärte der 28-Jährige den Vorfall, zusammen gewohnt. Als der 24-Jährige überraschend auszog, habe er nicht nur seine Sachen, sondern auch die des Angeklagten mitgenommen. Die Hand sei ihm ausgerutscht, als es in einem Streitgespräch nicht nur um die Rückgabe der Gegenstände ging, sondern er auch beleidigt worden sei.

Der 29-Jährige war zwei Mal ohne Fahrerlaubnis und ein Mal unter Alkohol Auto gefahren. Da er zu dem Zeitpunkt unter Bewährung stand, kassierte er dafür eine Geldstrafe von 2500 Euro und eine halbjährige Zwangspause für das Fahren. (pas)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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