Hilgen: Fortschritte bei Verhandlungen über Szeemann-Archiv

Ankauf rückt näher

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Harald Szeemann

Kassel. Nach den Irritationen in der Vergangenheit scheint der Ankauf des Archivs von Harald Szeemann nun in greifbare Nähe zu rücken. Oberbürgermeister und Kulturdezernent Bertram Hilgen (SPD) sprach in der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses von einem „deutlichen Fortschritt“, den die Stadt in den Verhandlungen mit der Witwe des Kurators, Ingeborg Lüscher, bei der Preisfindung erreicht habe. Die Entscheidung werde in diesem Jahr fallen.

Stadt und Land haben zusammen 2,8 Millionen Euro für das Archiv des Kurators (1933 bis 2005) und Leiters der documenta 5 im Jahr 1972 geboten. Dessen Wert war ursprünglich auf fünf bis sechs Millionen Euro geschätzt worden. Allerdings müssen laut Hilgen noch viele Fragen geklärt werden. Dabei geht es unter anderem um die konkreten Eigentumsverhältnisse nach dem gemeinsamen Erwerb durch Stadt und Land, um die Bestandssicherung und den Transport des umfassenden Nachlasses nach Kassel. Das Material, das der Ausstellungsmacher über Jahrzehnte gesammelt hat, lagert in einem historischen Fabrikgebäude in der Schweiz und ist durch Feuchtigkeit bedroht. Dabei handelt es sich um Kataloge, Presseartikel, Notizen, Fotos, Plakate, Korrespondenzen und Modelle.

Hilgen machte deutlich, dass Ankauf und Verwaltung des Szeemann-Archivs nur gemeinsam mit dem Land möglich seien. Gelingt der Ankauf, soll der Nachlass des Schweizer Kurators Bestandteil des documenta-Archivs werden und dessen Trägerschaft von der Stadt unter das Dach der documenta und Museum Fridericianum Veranstaltungs GmbH wechseln. An der GmbH sind Stadt und Land beteiligt. Gesonderte Trägerschaften seien nach dem gemeinsamen Erwerb nicht mehr sinnvoll, sagte Hilgen. Es gebe in dieser Frage aber noch keine verbindlichen Zusagen des Landes.

Standortfrage noch offen

Ungeklärt ist weiterhin, ob das documenta-Zentrum, das ebenfalls nur gemeinsam mit dem Land geschaffen werden könne, im Kulturhaus Dock 4 oder in dem frei werdenden Gebäude der Bundesbank neben dem Stadtmuseum am Ständeplatz entstehen wird. Das Gebäude soll Ende 2012 geräumt und verkauft werden. Laut Hilgen gibt es inzwischen ein Gutachten über den Gebäudewert, aber noch keine Untersuchung, ob sich die Räume für das documenta-Zentrum eignen. Diese müsse man abwarten. Der Ankauf des Gebäudes Obere Karlsstraße 14 für die bislang im Dock 4 ansässige freie Szene sei so lange zurückgestellt. (els)

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