21-jährigem Kasseler wird vor Gericht auch ein Vergewaltigungsversuch vorgeworfen

Anklage: 17-Jährige zu Prostitution gedrängt

Kassel. Irgendwann schreit die Zeugin den Verteidiger an. Sie wirft ihm vor, wen er da zum Mandanten habe: Einen Mann, der laut ihrer Aussage versucht hat, sie im vergangenen Jahr - als 17-Jährige - zur Prostitution zu bewegen. Der auch versucht habe, sie zu vergewaltigen. Und als Anwalt Werner Momberg meint, Widersprüche zwischen ihren Aussagen vor Gericht und denen bei der Polizei zu erkennen, fährt sie ihn erneut an: „Sie glauben gar nicht, welche Überwindung mich das kostet, überhaupt hier zu sitzen!“

Der Mandant und Angeklagte ist 21 Jahre alt. Neben dem Versuch, die damals minderjährige Zeugin in die Prostitution zu drängen und sie zu vergewaltigen, wirft die Staatsanwaltschaft dem Kasseler vor, die inzwischen 18-Jährige körperlich verletzt zu haben. Davon unabhängig soll er während eines Raub-Prozesses versucht haben, eine Belastungszeugin zu beeinflussen – damit ein Freund nicht ins Gefängnis kommt.

Die Sache mit dem Prozess war im Februar. Im Zuschauerraum des Gerichtssaal war der 21-Jährige festgenommen worden. Seitdem ist er inhaftiert. Im eigenen Verfahren sagt er am Montag erst mal nichts.

Die 18-Jährige nimmt auch als Nebenklägerin am Prozess teil. Immer wieder schluchzt sie auf, während sie von einem Vorfall im vorigen Sommer erzählt, bei dem der Angeklagte sie in eine Garage gefahren und auf der Rückbank des Autos attackiert habe.

Verzweifelte Flucht

Danach habe er sie an den Haaren gezerrt und auf den Beifahrersitz befördert. Er habe sie mit dem Handy gefilmt und beschimpft, während sie flehte, sie wolle nach Hause. Irgendwann habe sie aus dem Wagen springen können und sei mitten auf die Straße gelaufen, berichtet die junge Frau.

Der Versuch, die 18-Jährige zum Anschaffen zu bewegen, soll laut Anklage in einer Wohnung nahe dem Wesertor stattgefunden haben. Dort habe sich bereits eine andere junge Frau prostituiert – für eben jenen Freund des Angeklagten, der sich in dem Raub-Prozess verantworten musste.

Auch dieser Mann wird als Zeuge gehört. Aus der Jugendhaftanstalt hat man ihn dafür zurück nach Kassel gebracht. Was ihm Staatsanwältin Ingrid Richter zum Thema Prostitution vorhält, stimme nicht, sagt er. „Es kann sein, dass ich Ihnen das nicht glaube“, sagt der Richter – und bekommt zur Antwort: „Was soll ich machen?“

Im Gehen dreht sich der Zeuge herum. Auch im Zuschauerraum sitzen junge Männer – einige im Gericht nicht unbekannt. Ein oder zwei recken eine Faust zum Gruß.

Von Katja Schmidt

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