Anklage gegen 25-jährigen Kasseler: Behinderte in Kinder- und Jugendheim missbraucht

Vor Gericht: der 25-jährige Angeklagte. Zeichnung:  Reinckens

Kassel. Ein ehemaliger Zivildienstleistender aus Kassel muss sich seit Mittwoch wegen sexuellen Missbrauchs Schutzbefohlener, Vergewaltigung und Körperverletzung vor dem Landgericht Kassel verantworten.

Dem 25-Jährigen wird vorgeworfen, sich während seiner Beschäftigung in einem Heim für behinderte Kinder und Jugendliche im Landkreis Kassel an drei Betreuten vergriffen zu haben. Insgesamt werden ihm zehn Taten aus den Jahren 2006 und 2007 zur Last gelegt.

Gegen den Mann war bereits im September 2010 verhandelt worden. Nach nur einem Tag war der Prozess geplatzt, weil ein Schöffe erkrankte. Anders als damals wurde diesmal die Öffentlichkeit nur bei der Vernehmung des Angeklagten ausgeschlossen - weil Umstände zur Sprache kommen könnten, die dessen Intimleben beträfen, wie das Gericht erklärte.

Die Anklage dagegen, die noch im September ebenfalls hinter verschlossenen Türen verlesen worden war, durfte Staatsanwalt Frank Lohr öffentlich vortragen. Der Angeklagte verbarg dabei sein Gesicht in den Händen.

Hilflos gefühlt

Begonnen hatten die Übergriffe demnach in einem Ruheraum der von der Diakonie getragenen Betreuungseinrichtung. Hier soll der Zivi einen minderjährigen geistig Behinderten zu sexuellen Handlungen gezwungen haben. Der Jugendliche habe diese zwar als „eklig“ empfunden, sich aber dem Betreuer gegenüber hilflos gefühlt, führte der Staatsanwalt aus.

In der Folgezeit soll der Jugendliche bei mehreren Ausflügen Ziel von Übergriffen geworden sein - der Angeklagte soll ihn sogar noch aus der Einrichtung gelockt haben, als er schon gar nicht mehr als Zivi arbeitete.

Außerdem soll er in dem Ruheraum des Heims einen weiteren jungen Mann sowie eine junge, im Rollstuhl sitzende Frau missbraucht haben.

Er habe die Krankheit und Hilfsbedürftigkeit der jungen Behinderten ausgenutzt, warf Staatsanwalt Lohr dem 25-Jährigen vor. Die drei Opfer, die in dem Prozess Nebenkläger sind, seien durch die „kräftige Gestalt des Angeklagten eingeschüchtert“ gewesen, zumal dieser ihnen weismachte, ihnen werde ohnehin niemand glauben. Sie hatten sich erst später anderen Mitarbeitern des Heims anvertraut.

Die Taten seien für die Betroffenen extrem demütigend und teilweise schmerzhaft gewesen, sagte Lohr. Weil es bei einem Opfer zu Verletzungen im Analbereich gekommen sein soll, lautet die Anklage auch auf Körperverletzung.

Dem Mann droht bei einer Verurteilung neben einer Freiheitsstrafe auch ein Berufsverbot. Die Kammer hat insgesamt vier Verhandlungstage angesetzt, den nächsten am 2. Februar, und zehn Zeugen geladen. (psü)

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