Prozess

Mordfall Lübcke – Anklage gegen Waffenhändler erhoben

Vorwurf fahrlässige Tötung und Verstoß gegen das Waffengesetz: Gegen Elmar J. aus Natzungen wurde jetzt Anklage erhoben. (Archivbild)
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Vorwurf fahrlässige Tötung und Verstoß gegen das Waffengesetz: Gegen Elmar J. aus Natzungen wurde jetzt Anklage erhoben. (Archivfoto)

Fast zwei Jahre nach dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke ist Anklage gegen den mutmaßlichen Verkäufer der späteren Mordwaffe erhoben worden.

Kassel/Düsseldorf – Die für Terrorismusverfolgung zuständige Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf wirft Elmar J. aus Borgentreich-Natzungen fahrlässige Tötung und Verstoß gegen das Waffengesetz vor. Er soll Lübckes späterem Mörder Stephan Ernst die Tatwaffe samt Munition 2016 verkauft haben. Das Landgericht Paderborn habe nun zu entscheiden, ob die Anklage zur Hauptverhandlung zugelassen wird, teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit.

Gegen den 65-Jährigen aus Ostwestfalen war zunächst von der Bundesanwaltschaft wegen Beihilfe zum Mord ermittelt worden. Dann war der Vorwurf der Beihilfe aber fallengelassen und das Verfahren nach Paderborn abgegeben worden. Nachdem der Bundesgerichtshof im Januar 2020 seinen Haftbefehl überraschend aufgehoben hatte, kam Elmar J. nach über einem halben Jahr Untersuchungshaft auf freien Fuß.

Mordfall Lübcke: Ernst habe dem Händler mehrere Waffen abgenommen

Die Richter hatten Zweifel, ob der Mann 2016 wirklich schon ahnen konnte, was für eine Tat Ernst mit der Waffe mehr als zweieinhalb Jahre später begehen würde. Der Generalbundesanwalt hatte argumentiert, dem Waffenhändler müsse bewusst gewesen sein, dass Ernst ein gewaltbereiter Rechtsextremist war. Er habe also zumindest in Kauf genommen, dass dieser aus politischen Motiven töten könnte.

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Das hatte den BGH nicht überzeugt: Ernst habe dem Händler zwischen 2014 und 2018 mehrere Waffen abgenommen, die er zum Teil mit Gewinn weiterverkauft habe. Er habe sich auch nie gezielt nach einer Waffe erkundigt, die sich gut für ein Verbrechen eignen würde.

Mordfall Lübcke: Ernst zu lebenslanger Haft verurteilt

Der 47-jährige Rechtsextremist Stephan Ernst war Ende Januar dieses Jahres vom Oberlandesgericht Frankfurt wegen des Mordes an Lübcke zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Der mitangeklagte Kasseler Markus H. wurde vom Vorwurf der psychischen Beihilfe freigesprochen.

Walter Lübcke war in der Nacht zum 2. Juni 2019 auf der Terrasse seines Hauses in Wolfhagen-Istha mit einem Kopfschuss aus nächster Nähe umgebracht worden. Die Tat gilt als erster rechtsextremistischer Mord an einem Politiker in der Bundesrepublik. Lübcke hatte sich bei einer Veranstaltung 2016 für die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland ausgesprochen. (kme/dpa)

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