Staatsanwaltschaft wirft Syrer versuchte gefährliche Körperverletzung vor

Anklage nach Spuckattacke in Kassel

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.
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Die Staatsanwaltschaft Kassel hat Anklage gegen einen 33-jährigen Mann nach einer Spuckattacke erhoben.

Nach der Spuckattacke in der Kasseler Flüchtlingsunterkunft vor gut einem Jahr hat die Staatsanwaltschaft Kassel nun Anklage gegen einen 33-jährigen Syrer wegen tätlichen Angriffs in Tateinheit mit Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und versuchter gefährlicher Körperverletzung erhoben.

Kassel - Das teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel auf Anfrage mit. Der Syrer soll am 8. November 2020 gegen 1 Uhr den Inhalt eines Feuerlöschers im Hausflur der Flüchtlingsunterkunft in der Leipziger Straße ausgeleert und sich in einem massiv alkoholisierten Zustand befunden haben, als eine Polizeistreife und Rettungssanitäter eintrafen.

Während die Sanitäter versuchten, Kontakt mit dem Mann aufzunehmen, soll dieser einen Sanitäter weggestoßen, sich vor den Beamten aufgebaut, diese angeschrien und schließlich mit einer Aluminiumleiter zum Schlag ausgeholt haben. Mit dem Ziel, den aggressiven Mann von weiteren Angriffen abzuhalten und zu untersuchen, sollte dieser auf einer Trage gefesselt und in den Rettungstransportwagen gebracht werden. Auch hiergegen soll sich der Mann aktiv körperlich gewehrt und nach den Einsatzkräften getreten und gespuckt haben.

Entsprechendes Verhalten soll der Angeschuldigte später auch innerhalb des Rettungswagens fortgesetzt haben, wobei er einem Sanitäter einen Kniestoß versetzt haben soll. Wegen weiteren Spuckattacken sei eine weitere Polizeistreife zur Unterstützung gerufen worden. Letztlich wurde der Syrer in den Gewahrsam des Polizeipräsidiums Nordhessen gebracht.

Das Amtsgericht Kassel muss nun über die Zulassung der Anklage entscheiden. Der Hamburger Jurist Adnan Aykac, der Anwalt des 33-jährigen Syrers, wollte sich am Freitag zu der Anklageerhebung gegenüber der HNA nicht äußern.

Der Fall hatte für bundesweites Aufsehen gesorgt, nachdem die Bild-Zeitung im März dieses Jahres ein Video veröffentlicht hatte, in dem angeblich zu sehen war, wie ein Notfallsanitäter den fixierten Flüchtling nach einer Spuckattacke mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben soll. Der Flüchtling hatte später behauptet, dass er durch den Schlag einen Jochbeinbruch erlitten habe.

Daraufhin wurde auch ein Ermittlungsverfahren gegen den 45-jährigen Notfallsanitäter wegen des Verdachts der Körperverletzung eingeleitet. Dieses Verfahren wurde allerdings kürzlich mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt. Der Verdacht, der Sanitäter habe den 33-jährigen Flüchtling vorsätzlich mit der rechten Faust ins Gesicht geschlagen, während dieser gefesselt auf einer Trage gelegen habe, habe sich im Laufe der Ermittlungen nicht erhärtet. Dazu war das Video von Spezialisten des Bundeskriminalamts analysiert worden. Ein Rechtsmediziner war zu dem Ergebnis gekommen, dass solch eine Jochbeinfraktur nur durch einen Frontalschlag ins Gesicht herbeigeführt werden könne. Der Sanitäter hatte aber von der Seite geschlagen, wie das Video zeigt. Der Sanitäter hatte stets behauptet, nur gegen die Kopfstütze der Sanitätsliege geschlagen zu haben, nachdem er bespuckt worden war. Damit habe er einen Impuls setzen wollen, um die Spuckattacke des Patienten zu beenden.

Jorg Estorf, der Kasseler Anwalt des Notfallsanitäters, will in den nächsten Tagen eine Strafanzeige gegen den Syrer wegen des Verdachts der falschen Verdächtigung erstatten. (Ulrike Pflüger-Scherb)

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