Ehepaar vor Gericht

Über 9000 Euro ergaunert: Anklage wegen Kartenbetrugs

Zur Betrugsanklage der Staatsanwältin schwiegen die Angeklagten verbissen, doch untereinander flüsterten die Angeklagte und ihr Ehemann bei jeder sich bietenden Gelegenheit.

Seit Dienstag wird vor dem Amtsgericht Kassel gegen ein Ehepaar (30 und 36 Jahre) aus dem Landkreis Kassel, das zum Tatzeitpunkt in Hann. Münden wohnte, wegen gemeinschaftlichem und gewerbsmäßigem Betrug verhandelt.

74 Mal soll das Pärchen zwischen März 2011 und Mai 2013 Bankkarten von sechs verschiedenen Geldhäusern beim Einkaufen in großen Warenhäusern und Märkten in Kassel, Göttingen, Hann. Münden und Dransfeld eingesetzt haben. Dabei sei ihnen nach Meinung von Staatsanwältin Maren Herwig „stets bewusst“ gewesen, „dass die Unternehmen mangels Deckung kein Geld erhalten würden“. Ein Elektronikmarkt und ein Modediscounter, ein bekanntes Möbelhaus und ein Markt für Heimtierbedarf gehören zu den geschädigten Firmen. 9100 Euro lepperten sich durch Einkäufe zwischen 40 und 800 Euro zusammen.

Der Auslieferungsfahrer eines Tiefkühl-Direktvertriebs erinnerte sich als Zeuge an seinen ersten Kontakt mit dem Angeklagten: „Ein Kunde, der für so viel Geld einkauft, ist eher selten.“ Über die große Bestellung von knapp einhundert Euro habe er sich gefreut, so der Fahrer.

Auch übers Internet soll das Paar eingekauft haben. Hierdurch soll ein Schaden von 1150 Euro entstanden sein. Weder die Anwälte noch die Angeklagten äußerten sich zu diesen Vorwürfen.

Bestellt wurde preisgünstige Mode auf die Namen der Angeklagten. Drei verschiedene weibliche Vornamen, immer neue Geburtsdaten oder Namenszusätze variierten bei den Bestellungen. Die angegebenen Bankverbindungen bezogen sich auf sechs verschiedene Konten, unter anderem bei der Commerzbank Kassel, der Sparkasse Münden, der Stadtsparkasse Grebenstein und der Volksbank Dransfeld. Die Bankhäuser lösten die Lastschriften mangels Deckung nicht ein. Sechs Monate betrage die Mindeststrafe schon für einen einzelnen solchen Betrug, sagte Vorsitzender Richter Dr. Kleinherne. Bei 74 Fällen könne es deshalb sein, dass das Gericht gar kein Urteil fällen könne, selbst wenn eine Gesamtstrafe verhängt und nicht die einzelnen Taten addiert würden. Denn am Amtsgericht endet das Strafmaß bei vier Jahren. Dann müsste das Landgericht den Fall entscheiden.

Auch dieser Hinweis brachte die einschlägig vorbestraften Angeklagten nicht zum Reden. Am Mittwoch, 29. April, wird der Prozess ab 9 Uhr am Amtsgericht fortgesetzt. Der erste Prozesstag war vorzeitig abgebrochen worden, weil das Paar zeitgleich einen Termin beim Familiengericht hatte. Dort sollte über das Sorgerecht für ihre Kinder entschieden werden. (and)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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