Vor Gericht: 28 Anklagen gegen Busengrapscher

Kassel. Dass es ein zäher Prozess wird, zeichnet sich schon in den ersten Minuten deutlich ab. Nicht weniger als 28 Anklagen mit insgesamt 54 Tatvorwürfen haben sich gegen den 50-Jährigen angesammelt, der sich seit gestern wieder einmal vor dem Kasseler Amtsgericht verantworten muss.

Bevor es überhaupt losgehen kann, ringen die Beteiligten erst einmal um die weiteren Verhandlungstermine. Am Ende sind elf Daten festgesetzt, bis weit in den April hinein. Dann verliest Staatsanwältin Sandra Petzsche die Anklagen – und bleibt dabei ausnahmsweise sitzen. Sie hätte sonst mehr als eine halbe Stunde lang stehen müssen.

Es geht um Ladendiebstahl und Schwarzfahren, um geklaute Spendendosen und Geldbörsen, um Hausfriedensbruch: In der Kasseler Geschäftswelt ist der verhaltensgestörte Mann bekannt wie ein bunter Hund – und berüchtigt, weil er sich um Hausverbote nicht schert, sondern einfach immer wieder auftaucht. Freudestrahlend, mit einem kindlichen Lächeln auf dem Gesicht.

Auch den Gerichtssaal betritt der 50-Jährige mit einem fröhlichen „Schönen guten Morgen allerseits!“ – obwohl er gerade aus dem Gefängnis kommt: Seine unentwegten Eskapaden haben ihm Untersuchungshaft eingebracht. Nicht alles nämlich, was der Angeklagte getan haben soll, ist so heiter wie sein Gemüt.

Hose heruntergelassen

Immer wieder, heißt es in den Anklagen, habe er wildfremden Passantinnen oder Verkäuferinnen an die Brust gefasst – manchmal auch mit Gewalt. Und in einem Versicherungsbüro soll er, als ihn eine Angestellte vor die Tür setzen wollte, kurzerhand die Hose heruntergelassen und der Frau sein Geschlechtsteil gezeigt haben. Exhibitionismus, Nötigung, Beleidigung, Diebstahl, Hausfriedensbruch, Körperverletzung – es ist ein buntes Potpourri, was dem Mann zur Last gelegt wird.

Lesen Sie auch:

27 Anklagen gegen Busengrapscher

Er selbst sagt dazu beim Prozessauftakt nichts, ausnahmsweise. „Heute nicht!“, schärft ihm sein Verteidiger Peter Gros ein, und eifrig nickt der 50-Jährige. Ganz vorne auf der Stuhlkante sitzt er, mit durchgedrücktem Rücken, wie ein willfähriger Schüler. Doch die Verfahrensbeteiligten kennen ihn auch ganz anders – und besser als ihnen lieb ist.

Vier Monate lang war bereits im vergangenen Jahr gegen ihn verhandelt worden. Und damals hatte sich der Angeklagte darin gefallen, den Tausendsassa zu spielen. Der sich keiner Schuld bewusst war und lieber scherzte als sich ernsthaft zu den Vorwürfen zu äußern.

Nachdem ein Schöffe dauerhaft erkrankt war, musste das Verfahren im Dezember abgebrochen werden. Deshalb geht nun alles wieder von vorne los. Mit Dutzenden Zeugen und irgendwann auch dem Sachverständigen, der die Psyche dieses ungewöhnlichen Angeklagten erklären soll. Aber bis dahin werden noch viele Wochen ins Land gehen. Es wird ein zäher Prozess.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.