Ex-Geschäftsführer sagte zu Anlagebetrug bei EFB-Nova aus

Anleger-Millionen flossen ohne Sicherheit

Beratung: Vor der gestrigen Verhandlung besprach sich der Angeklagte Thomas G. mit seinem Verteidiger Christian Breitenwischer (rechts). Foto: Herzog

Kassel. Wenn nicht bald Rendite zurückfließt, werde es langsam eng. „Sonst sitze ich im Bau“, schrieb Thomas G., Ex-Geschäftsführer der EFB-Nova GmbH, fast schon verzweifelt per E-Mail im Juni 2007 an seinen Vertragspartner Wolfgang M.

Dieser sollte mit dem Geld von 192 Kleinanlegern eigentlich ein funktionierendes Bildschirm-Werbesystem aufbauen – unter anderem in einem Kasseler Möbelhaus und in der Frankfurter Innenstadt.

Beide Männer müssen sich mit drei weiteren Angeklagten vor dem Kasseler Landgericht wegen Betrugs verantworten. Gesamtschaden: 4,9 Millionen Euro. Gestern legte G. den Richtern seine Sicht der Dinge als Geschäftsführer der EFB-Nova dar.

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Oder zumindest versuchte er, das von ihm entwickelte Konzept des „Kurz-Factoring“ zu erläutern. Vom Frühsommer 2007 bis Anfang 2008 hatte er damit über Vermittler 192 Kleinanleger geworben. Weite Teile seiner Erklärungen blieben gestern jedoch nebulös. „Ich habe irgendwie den Faden verloren“, sagte er auf eine Zwischenfrage.

Richter Pierre Brandenstein zitierte aus den Akten und versuchte, dem Angeklagten auf die Sprünge zu helfen. „Es ist ja Ihr Konzept, Sie müssten es im Zweifel besser wissen“, sagte er zu G.

Zum Kurz-Factoring hatte G. sich Folgendes gedacht: Mit dem Geld von Anlegern sollten aufstrebende Firmen eine Anschubfinanzierung bekommen. Nach nur vier Wochen sollte das angelegte Kapital mit einer Rendite von zehn Prozent zurückfließen.

Funktionieren sollte das mit der Firma von Wolfgang M. Ein Bildschirm-Werbesystem aufzubauen, habe ihn fasziniert. „Und ich halte das Konzept nach wie vor für genial“, sagte G. gestern. Das Geld der EFB-Nova wähnte er seinerzeit in guten Händen. Denn zusätzlich zur Rendite von zehn Prozent sollten die Anleger langfristig auch noch an den späteren Werbeeinnahmen beteiligt werden.

Doch Sicherheiten hatte G. keine, als er M. das Geld der Kleinanleger überwies, wie er gestern einräumte. Auch als ihm Zweifel am Geschäftserfolg von M. kamen, habe er sich keine Verträge zeigen lassen. Ohne Erfolg habe er die verzinste Rückzahlung von 1,3 Millionen Euro gefordert. Viel später als vereinbart habe M. 316 000 Euro überwiesen. Das sei die Rendite gewesen.

„Ich war blauäugig“, sagte G. „Mein Controlling war im Grunde keins.“ Er habe M. für einen „Ehrenmann“ gehalten und dessen Beteuerungen, das Geschäft werde bald florieren, habe er Glauben geschenkt.

Auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft räumte G. ein, sich 25 000 Euro von M. geliehen zu haben – zur Begleichung privater Schulden. Das Geld der Anleger habe er da heraushalten wollen, betonte G.

Von Claas Michaelis

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