Christbuchenstraße: Anwohner protestieren gegen teure Regenwasserableitung

Regenwasser läuft seit einem halben Jahrhundert in den Abwasserkanal: Christian Prüfer mit der 1957 ausgestellten Abnahmebescheinigung für die Entwässserung seines Grundstücks an der Christbuchenstraße 157 in Kirchditmold. Der Kasseler Entwässerungsbetrieb fordert von ihm und weiteren Anliegern, auf eigene Kosten einen Anschluss an den Regenwasserkanal zu bauen. Foto: Fischer

Kassel. Das Regenwasser vom Hausdach soll nicht länger mit in den Abwasserkanal fließen. Gegen diese Forderung des Kasseler Entwässerungs-Betriebes (KEB) wehren sich annähernd 30 Grundstückseigentümer an der Christbuchenstraße in Kirchditmold.

Sie müssten den neuen Anschluss für das Regenwasser an einen verrohrten Bachlauf auf der anderen Straßenseite selbst bezahlen. Das kann jeden viele Tausend Euro kosten.

Aufgefallen waren die Fehleinleitungen aus den älteren Häusern bei der Kontrolle der Kanal-Hausanschlüsse im Jahr 2010. Der Kasseler Entwässerungsbetrieb (KEB) mahnte deshalb, die Regenfallrohre müssten an den Regenwasserkanal angeschlossen werden, weil es in Kirchditmold eine getrennte Entwässerung gebe. Jetzt wurde den Hauseigentümern eine Frist bis Ende Juni dieses Jahres gesetzt.

Aus den betroffenen, zumeist in den 1950-er und 1960-er Jahren gebauten Häusern wird das Regenwasser in den seit 1953 existierenden Schmutzwasserkanal geleitet, weil es zur Zeit des Hausbaues noch gar keinen eigenen Regenwasserkanal gab. Der wurde erst 1974 geschaffen. Und dabei gab es ein Versäumnis der Stadt, kritisiert Anlieger Christian Prüfer. Nach der Verrohrung des Bachlaufes hätten die Hauseigentümer aufgefordert werden müssen, ihre Regenfallrohre nun dort anzuschließen. Das sei nicht geschehen. Prüfer und weitere Anlieger pochen auf gültige städtische Abnahmebescheinigungen für ihre Grundstücksentwässerung. Sie wollen die Kosten eines getrennten Anschlusses nicht tragen und sehen Stadt und KEB in der Pflicht. Eine Kostenübernahme wird vom städtischen Eigenbetrieb abgelehnt.

Zwischen 7000 und 21 000 Euro müssten seine zwölf Mandanten jeweils berappen, hat der Kasseler Rechtsanwalt Michael Goldbach ausgerechnet. Er erinnert an den Vertrauensschutz sowie den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit und sieht den „Schwarzen Peter auf Seiten der Stadt.“ Es habe zuvor nie eine Aufforderung gegeben, das Regenwasser getrennt abzuleiten. Und auch in den jüngsten Schreiben des KEB habe jede Rechtsbehelfsbelehrung gefehlt. Hinzu komme, dass es in den Jahren von 1954 bis 1960 keine gültige Abwassersatzung gegeben habe. Goldbach kritisiert einen „laxen Umgang mit juristisch relevanten Dingen“ beim KEB und findet die Fristsetzung zum 30. Juni „ein bisschen frech“.

Christian Prüfer hat in Briefen an Stadtverordnete und den Oberbürgermeister gefordert: „Es wäre schön zu sehen, wenn sich die Stadt hier zu einem Versäumnis der Vergangenheit bekennen und im Sinne ihrer Bürger handeln würde“. Es könne nicht verlangt werden, ein mit städtischer Genehmigung angelegtes Entwässerungssystem aus eigener Tasche neu zu strukturieren.

Hintergrund: Regenwasser vom Abwasser trennen

In einem Kanal-Trennsystem wird das Regenwasser von Abwasser getrennt. Während Toiletten und Waschgelegenheiten eines Hauses an den regulären Abwasserkanal angeschlossen sind, wird das weitgehend unbelastete Regenwasser vom Dach in einen speziellen Regenwasserkanal geleitet. Das kann zum Beispiel wie an der Christbuchenstraße auch ein verrohrter Bach sein, der in die Fulda fließt. Durch die Trennung werden die Abwassermenge und damit die Kosten für Kanalbau und Kläranlagen reduziert. In Kassel sind 30 Prozent der Kanalisation ein Trennsystem.

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