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Protest gegen die WM: Anpfiff für Signale gegen Katar

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Von: Florian Hagemann

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Fußballfans, die das Turnier in Katar boykottieren: Dennis Pfeiffer vom Fanprojekt Kassel, Daniel Bettermann vom KSV Hessen, Steffen Tritschler und Lina Eckhardt vom Fanprojekt.
Fußballfans, die das Turnier in Katar boykottieren: Dennis Pfeiffer vom Fanprojekt Kassel, Daniel Bettermann vom KSV Hessen, Steffen Tritschler und Lina Eckhardt vom Fanprojekt. © Pia Malmus

Das Kasseler Fanprojekt eröffnet eine Ausstellung, die sich mit Flucht und Migration beschäftigt. Die Eröffnung ist nicht irgendwann, sondern zeitgleich mit dem Start der Fußball-WM in Katar.

Kassel – Es ist kurz vor 17 Uhr an diesem Sonntag, gleich geht es los. Es ist alles vorbereitet in den Räumen des Fanprojekts Fullestadt Kassel. Die Großleinwand steht in dem Zimmer, in dem auch die Fußballzeitschriften liegen; die Übertragung kann in Kürze starten. Alle, die hier sind, mögen diesen Sport, das verbindet sie.

17 Uhr, es geht los.

Dennis Pfeiffer, Koordinator des Fanprojekts, spricht ein paar einleitende Worte, dann blicken alle auf die Leinwand, auf der aber nicht das Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar zu sehen ist, sondern Harez Habib. Der ehemalige Akteur des Regionalligisten KSV Hessen, der einst mit seiner Familie aus Afghanistan nach Nordhessen gekommen ist, wird über Flucht und Migration sprechen – und damit über die Themen jener Ausstellung, die nun in den nächsten Tagen und Wochen hier zu sehen sein wird.

Das Fanprojekt und der Block 30, die aktiven Fußball-Fans des KSV Hessen aus der Nordkurve, wollen damit ein Zeichen setzen gegen das Turnier in Katar, das sie wegen der Menschenrechtsverletzungen im Gastgeberland boykottieren. Sie wollen Geschichten dagegensetzen von Menschen, die aus Ländern kommen, in denen kein Frieden herrscht oder in denen Demokratie ein Fremdwort ist. Oder beides.

Harez Habib ist im Alter von drei Jahren nach Deutschland gekommen. Als er später begriff, warum seine Familie aus Afghanistan geflohen war, als er sich mit den Zuständen im Afghanistan der 80er- und 90er-Jahre befasste, mit dem Einmarsch der Sowjetunion, mit der Herrschaft der Taliban, da wurde ihm bewusst, wie dankbar er seinen Eltern war. Sie haben dafür gesorgt, dass er in Deutschland und damit ohne Furcht aufwachsen konnte.

Später, als er auf dauerhafte Besserung durch die Präsenz der US-Amerikaner und deren Verbündeten hoffte, wurde er sogar Nationalspieler seines Heimatlandes. Aber nun haben die Taliban wieder das Sagen. Als sich die Zustände dramatisch verschlechterten, organisierte Habib im vergangenen Jahr ein Benefizspiel im Auestadion. 15 000 Euro kamen zusammen. Als er das berichtet, ist im Eröffnungsspiel in Katar gerade das 1:0 für Ecuador gegen den WM-Gastgeber gefallen. Das interessiert hier aber niemanden.

Habib steht im Mittelpunkt – und mit ihm jene, deren Geschichten in der Ausstellung erzählt werden. Es sind Fußballer wie Alphonso Davies vom FC Bayern München oder von Falko Götz, dem ehemaligen Bundesligaspieler und Trainer, der einst aus der DDR in die Bundesrepublik geflohen ist. Geschichten, die berühren. Ecuador führt jetzt 2:0, aber das ist noch nicht einmal Nebensache an diesem Sonntag gegen 17.30 Uhr.

Die Wanderausstellung „Flucht. Migration. Fußball“ vom Fanprojekt Köln ist bis Mitte Dezember in der Kurt-Schumacher-Straße 20 zu sehen. Montags von 14 bis 16 Uhr, dienstags von 15 bis 18 Uhr, mittwochs von 15 bis 19 Uhr und freitags von 16 bis 20 Uhr. (Florian Hagemann)

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