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Anschub für die Herkulesbahn in Kassel-Wilhelmshöhe: Pläne werden konkreter

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Von: Thomas Siemon

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Visualisierung der Endstation der Straßenbahn am Herkules in Kassel im Bergpark.
Eine Straßenbahn-Haltestelle direkt unterhalb des Parkplatzes am Herkules in Kassel: So könnte die Endstation mit Wendeschleife am Herkules aussehen. © Visualisierung: Förderverein Neue Herkulesbahn

Die Herkulesbahn in Kassel soll reaktiviert werden – jedenfalls nach Plänen eines eigens dafür gegründeten Vereins. Die Organisatoren schöpfen jetzt neue Hoffnung.

Kassel – Lange Zeit sah es so aus, als sollte das Projekt Neue Herkulesbahn aufs Abstellgleis geschoben werden. Jetzt sieht der Förderverein „Neue Herkulesbahn“ eine reelle Chance. Der Grund: Der Bund will Geld für die Reaktivierung ehemaliger Trassen in die Hand nehmen. Auf der alten Trasse der 1966 stillgelegten Verbindung könnten wieder Bahnen fahren. Christof Nolda (Grüne), Verkehrsdezernent von Kassel, bestätigt, dass die Überlegungen konkreter werden. Er sieht in erster Linie den touristischen Nutzen. 

Natürlich spielt auch die Erinnerung an die alte Herkulesbahn eine Rolle, die bis 1966 im Einsatz war. „Wir sind aber kein Nostalgieverein“, sagt Reiner Borchert, der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Neue Herkulesbahn. Knapp 100 Mitglieder hat der Verein und ein großes Ziel: Eine Schienenverbindung von der heutigen Endhaltestelle im Druseltal hinauf bis kurz vor den Herkules. Die Trasse, die hinter dem Gasthaus Neue Drusel durch den Wald bergauf führte, kann man noch erkennen. Die Vereinsmitglieder sind sie schon häufiger abgelaufen.

Der 70-jährige Reiner Borchert ist als Kind im Winter noch mit der Bahn hinauf zu den Golfwiesen gefahren und hat sich dort zum Schlittenfahren verabredet.

Kassel: Verein sieht Chance für die Reaktivierung der Herkulesbahn

Den Verein, der sich für die Reaktivierung der Trasse mit modernen Bahnen einsetzt, gibt es schon seit 20 Jahren. Die Diskussion schien sich zuletzt im Kreise zu drehen. Ja, wünschenswert sei so eine Bahn bestimmt, aber zu teuer und möglicherweise auch nicht mit dem Schutz des Welterbes im direkten Umfeld des Bergparks vereinbar.

Doch aktuell sieht der Verein eine Gemengelage, die durchaus Anlass zur Hoffnung gibt. Da sind zum einen die Förderrichtlinien des Bundes, die überarbeitet wurden und demnächst präsentiert werden sollen. „Den Plänen für eine Straßenbahn nach Harleshausen könnte das helfen, uns hoffentlich auch“, sagt Borchert.

Er verweist auf eine frühe Machbarkeitsstudie der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG), die die technische Realisierbarkeit der Straßenbahn zum Herkules bestätige. Damals sei natürlich noch von ganz anderen und viel niedrigeren Kosten ausgegangen worden, als das heute der Fall wäre.

Historisches Bild der Endstation der Herkulesbahn in Kassel.
Die Endstation am Herkules in Kassel damals: Bis unterhalb des Kasseler Wahrzeichens fuhr früher die beliebte Herkulesbahn. © Privat/nh

Kassel: Projekt Herkulesbahn im Koalitionsvertrag der Stadtregierung vereinbart

Es sei allerdings schwer nachvollziehbar, warum die Überarbeitung durch die KVG noch immer nicht in den politischen Gremien diskutiert werde. Er habe den Eindruck, dass die Herkulesbahn zu wenige Fürsprecher habe. Und das, obwohl das Projekt im Koalitionsvertrag zwischen Grünen und SPD ausdrücklich genannt sei.

In der Tat haben die Stadtverordneten bereits im Jahr 2018 den Auftrag an die KVG gegeben, die Machbarkeit noch einmal anhand aktueller Daten zu bewerten. Das Ergebnis soll nach Angaben von Verkehrsdezernent Christof Nolda (Grüne) demnächst vorliegen. Im Hintergrund werde zum Beispiel die Umweltprüfung bereits vorbereitet. Unter anderem geht es dabei um den Wald, der sich die alte Trasse zurückerobert hat. Auch mit dem Welterbebeirat sei man in Kontakt.

Kassel: Herkulesbahn vor allem für Tourismus notwendig

Trotz neuer Förderrichtlinien kann sich Nolda kaum vorstellen, dass die Herkulesbahn ähnlich wie eine Bahn nach Harleshausen zu bewerten sei. Auf dem Weg hinauf zu Kassels Wahrzeichen wohnen verhältnismäßig wenige Menschen. Trotzdem sei eine Förderung unter dem Aspekt der Tourismusentwicklung nicht unrealistisch.

Spätestens, wenn die Wasserspielsaison am 1. Mai nach der Corona-Pause beginnt, dürften alle Parkplätze in Herkulesnähe wieder belegt sein. Busse kommen dann kaum noch durch. Eine Bahn könnte die Situation deutlich entspannen. Und für einen schönen Ausflug ohne Stress sorgen. (Thomas Siemon)

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