Prof. Carsten Sommer erforscht Ticketsysteme für öffentliche Verkehrsmittel

Antennen ersetzen Fahrscheine

Carsten Sommer

Kassel. Wer in öffentlichen Verkehrsmitteln keine Fahrkarte vorweisen kann, macht sich bislang strafbar. In Zukunft könnte jedoch genau das Normalität in Bus und Bahn sein: Einsteigen, ohne ein Ticket zu lösen. Intelligente Technik oder Handy-Kontrollpunkte könnten automatisch erkennen, wer wo ein- und aussteigt, die Daten an eine Zentrale senden, die am Monatsende eine Rechnung an den Fahrgast verschickt.

„Städte wie London sind auf diesem Gebiet Vorreiter“, sagt Prof. Dr.-Ing. Carsten Sommer von der Uni Kassel. Der 38-jährige Leiter des Fachgebiets Verkehrsplanung und Verkehrssysteme lehrt und forscht seit einem Jahr am Holländischen Platz und beschäftigt sich unter anderem mit dem Einsatz der Mobilfunktechnologie im Verkehrswesen.

In London beispielsweise können Fahrgäste mit elektronischen Fahrkarten an jeder Haltestelle ein- und auschecken. Ein Kartenlesegerät liest die mit Guthaben aufladbaren Chipkarten und bucht automatisch den Fahrpreis ab. Hierzulande testet die Deutsche Bahn ein ähnliches Verfahren mit Handys. „Allerdings sind für das Verfahren spezielle Mobiltelefone erforderlich, die bislang kaum auf dem Markt verfügbar sind“, sagt Sommer. Wann diese Handys in nennenswerter Stückzahl auf den Markt kommen, ist unklar.

Noch bequemer aus Kundensicht sei ein Verfahren, das der gebürtige Duderstädter „Be-In/Be-Out“ nennt. Wenn ein Fahrgast in einen Bus einsteigt, wird seine Chipkarte oder sein Handy von so genannten Weckantennen aktiviert. Sobald der Bus losfährt, beginnt die Kommunikation zwischen Chipkarte oder Handy und den Antennen. „Diese ermitteln, wie lange sich ein Fahrgast im Bus aufhält und wie teuer die zurückgelegte Strecke war“, sagt der Forscher.

Dabei müsste das System nicht auf einzelne Verkehrsmittel und Verkehrsverbünde beschränkt sein. Eine Rechnung am Monatsende für alle Leistungen - egal ob Bus, Tram oder Intercity: „Technisch ist das kein Problem, vielmehr ist es ein politisches.“

Regionales Busfahren mit automatischer Anwesenheitserfassung oder bundesweites Einchecken via Handy - wenn öffentliche Verkehrsmittel besonders für Gelegenheitsfahrer attraktiver werden sollen, ist sich Sommer sicher, seien elektronische Tickets die Zukunft. (psn) Foto: Schaffner

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