Eigentlich steht Edelmann Bike hinter den Corona-Maßnahmen

Nach Anti-Corona-Demo in Berlin: Radladen wird sozial geächtet

Rudi Edelmann
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Radladen in der Goethestraße: Rudi Edelmann betreibt mit Stefan Cloodt Edelmann Bike.

Nachdem einer der Inhaber des Radladens Edelmann in Kassel bei der Anti-Corona-Demo in Berlin war, wird der Laden von vielen gemieden. 

Kassel - Nach dem Artikel über Stefan Cloodt, der an der umstrittenen Anti-Corona-Demo in Berlin teilgenommen hat, wollen nun viele Kunden nicht mehr bei Edelmann Bike einkaufen. Am Mittwoch (05.08.2020) bekam Rudi Edelmann wieder eine Mail, in der der Absender schrieb, dass er in seinem Laden kein Fahrrad mehr kaufen werde. Ähnliche Reaktionen gab es bereits am Dienstag bei Edelmann Bike, nachdem in der HNA ein Bericht über seinen Geschäftspartner Stefan Cloodt erschienen war.

In dem Text schilderte der Mitinhaber seine Erfahrungen von der umstrittenen Anti-Corona-Demo in Berlin, die er am Samstag besucht hatte. Nun stellt Rudi Edelmann klar: „Die Meinung von Herrn Cloodt ist nicht die Meinung des Ladens und nicht von dessen Mitarbeitern an der Corona-Front. Wir stehen voll hinter den Beschlüssen von Bund und Land.“

Dass jemand mit mehreren zehntausend anderen Menschen ohne Maske und Abstand gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert, kommt bei vielen nicht gut an – auch wenn die Veranstaltung genehmigt worden war. Auch bei Twitter schrieb jemand, dass er nicht mehr zu Edelmann gehen werde.

Darum meldet sich Rudi Edelmann nun zu Wort. Der 64-Jährige sagt: „Jeder darf seine Meinung äußern. Aber es kann nicht sein, dass die Firma in Mitleidenschaft gezogen wird. Das ist ein Schlag gegenüber den Mitarbeitern.“

Auch bei Edelmann gibt es wegen Corona ein Hygienekonzept. Während der Woche hat der Laden vormittags sogar geschlossen, um Kunden mit Termin einzeln und sicher zu beraten. „Das macht kein anderer in Kassel“, sagt Rudi Edelmann, der den Laden seiner Eltern seit Mitte der 90er-Jahre mit seinem Geschäftspartner führt. Cloodt (53) arbeitet mittlerweile in einer Waldauer Zertifizierungsfirma und ist nur noch samstags im Geschäft, das wegen Corona brummt.

Weil so viele Menschen ihre Räder reparieren lassen wollen, kann die Werkstatt derzeit keine Neukunden bedienen. Bis zu zehn Anfragen am Tag müssen die vier Mitarbeiter ablehnen.

Auch Cloodt, der sich fragt, ob die Corona-Maßnahmen am Ende nicht mehr Schaden anrichten als das Virus selbst, hat nach seiner Demo-Teilnahme einige negative Reaktionen bekommen. Es habe aber auch Unterstützung und bei Facebook einige neue Freundschafsanfragen gegeben.

Für die Zertifizierungsfirma arbeitet er derzeit aus dem Homeoffice. Er will nun einen Corona-Test machen lassen und sagt: „Ich gehe davon aus, dass alles in Ordnung ist.“(Matthias Lohr)

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