18 Monate auf Bewährung

Anwaltsgehilfin plünderte Kanzleikasse - 31-Jährige veruntreute 65.000 Euro

Kassel. So sieht ein unzufriedener Chef aus: Ärger und Enttäuschung über die Dreistigkeit seiner einstigen Mitarbeiterin standen dem Rechtsanwalt ins Gesicht geschrieben, als er vor dem Amtsgericht Kassel nach Erklärungen suchte.

Erklärungen dafür, wie die Angeklagte 16 Monate lang Kanzleigelder abzweigen konnte – insgesamt 65.000 Euro. Wegen gewerbsmäßiger Untreue wurde die 31-Jährige jetzt zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten auf Bewährung verurteilt.

Die Rechtsanwalts- und Notargehilfin aus dem Werra-Meißner-Kreis hatte bereits sieben Jahre in der Kasseler Kanzlei gearbeitet, als sie das erste Mal in die Kasse griff. Zunächst steckte sie nur Geld ein, das Mandanten bar eingezahlt hatten. Dann ging sie trickreicher vor: Sie setzte in der EDV längst beglichene Mandantenrechnungen wieder auf null, als wären diese noch offen. Die frei werdenden Beträge wies sie an eigene Gläubiger an. Denn durch eine nebenberufliche Selbstständigkeit und durch teure Einkäufe hatte sie 30.000 Euro Schulden angehäuft.

„Das alles tut mir ganz furchtbar leid“, gab sie sich auf der Anklagebank zerknirscht. Mehrmals musste sie mit den Tränen kämpfen. Auch sie suchte nach Erklärungen. „Anfangs war es Geldnot, später habe ich vielleicht privat ein bisschen viel ausgegeben“, meinte die Frau. Einem psychiatrischen Gutachten zufolge war sie geradezu süchtig danach gewesen, sich schöne Sachen zu kaufen – offenbar ging es ihr um Bestätigung durch ein attraktives Äußeres. Juristisch relevant sei diese Seite ihrer Persönlichkeit aber nicht, die Frau sei voll schuldfähig, so das Gutachten.

Untreue leicht gemacht

Die Untreue sei der Angeklagten leicht gemacht worden, betonte das Gericht in der Urteilsbegründung. Immerhin ging es um 82 Fälle in den Jahren 2009 und 2010, teilweise hatte die Frau 3500 Euro auf einmal „umgeleitet“. Die Zahl der Mandanten und Geldbewegungen in der Kanzlei sei eben sehr hoch gewesen, die Mitarbeiter hätten volles Vertrauen genossen, hatte dazu der geschädigte Anwalt ausgeführt. Am meisten habe ihn geärgert, dass die Frau nach ihrer Entdeckung teure Luxusartikel im Internet zu Geld machte, den Erlös aber nicht zur Schadenswiedergutmachung nutzte. „Dabei hatte sie die Sachen ja quasi mit unserem Geld gekauft“, sagte er.

Die 31-Jährige hatte nach ihrer fristlosen Kündigung ein notarielles Schuldanerkenntnis abgegeben. Zurückgezahlt hat sie bis jetzt nichts, weil sie laut eigenen Angaben derzeit kaum Einkünfte hat.

Nach dem bereits rechtskräftigen Urteil bekommt die Frau nun einen Bewährungshelfer, der sie auch in finanziellen Fragen berät. Zudem muss sie 250 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. (psü)

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