100 Meter der Straße sind ohne Gehweg

Gefährlicher Gehweg: Anwohner der Dennhäuser Straße in Kassel klagen über hohes Risiko

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50 km/h....leider: Mit diesem selbst gebauten Schild versucht Karl-Heinz Junge den Verkehr in der Dennhäuser Straße aus Fuldabrück kommend zu bremsen. Im Hintergrund ist der schmale Streifen, auf dem Fußgänger laufen müssen, zu sehen.

Will man zu Fuß zu Karl-Heinz Junges Haus an der Dennhäuser Straße in Kassel, wird es schwer: Der Bürgersteig endet vorher. So muss man an einer vielbefahrenen Straße entlang laufen.

Insgesamt sind 100 Meter der Straße ohne Gehweg. Davon betroffen sind drei Wohnhäuser und das Gelände des Kurhessischen Angelvereins. Besonders für alte Menschen sei der Weg zur Bushaltestelle Neue Mühle eine Gefahr, sagt Junge.

Karl-Heinz Schmitt, Grundstückswart des Kurhessischen Angelvereins, bestätigt die Einschätzung. Besonders bei Vereinsversammlungen komme es oft zu gefährlichen Situationen für die Fußgänger.

Junge sagt weiter, dass immer wieder Busse oder Lastwagen gefährlich nah kämen. „Die Straße ist hier sehr schmal“, sagt Junge. Hinzu komme noch, dass Autos aus Richtung Fuldabrück sich oft nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten würden. Das Ortschild steht etwa 100 Meter entfernt, trotzdem würden viele Autos mit weit mehr als 50 km/h bei ihm vorbei fahren. Auch stadtauswärts würden viele stark beschleunigen.

Das führe bei der Familie zu einer großen Lärmbelastung. „Wir können nachts oft nicht richtig schlafen“. Selbst im Garten hinter dem Haus wäre der Lärm, vor allem im Sommer, nicht auszuhalten, sagt Junge.

„Ich lebe seit 50 Jahren hier, der Verkehr wird schlimmer und schlimmer“, sagt der ehemalige Architekt, der mit seiner Frau, Sohn und Schwiegertochter in dem Haus wohnt. Um aus seiner Einfahrt zu kommen, müssen man Vollgas geben, so schnell würden andere Verkehrsteilnehmer fahren. In all den Jahren habe es nur wenige Geschwindigkeitskontrollen geben, erzählt Junge. 1994 sei sogar ein Auto in ein Häuschen gefahren, das sich auf seinem Grundstück befindet. Immer noch habe er einen schweren Unfall im Februar diesen Jahres vor Augen. Dabei starben auf der Dennhäuser Straße eine Person, drei Weitere wurden zum Teil schwer verletzt. „Man fragte sich, wann passiert das nächste Unglück?“

Um die Autofahrer zum langsameren Fahren zu ermahnen, hat er selbst ein Schild gebaut. Auf diesem ist „50 km/h...leider“ zu lesen. Laut Junge würden einige Autofahrer nun langsamer fahren. Andere würden mit Unverständnis reagieren. „Sie hupen, andere gestikulieren wild“, berichtet er.

Seiner Meinung sei Tempo 50 bereits vor dem Ortsschild eine Lösung. Momentan zeigt ein Schild kurz vor der Stadteinfahrt die Höchstgeschwindigkeit an. Sie liegt dann nicht mehr bei Tempo 100, sondern bei Tempo 70. Dies sei, so das Straßenverkehrsamt Kassel in einer Stellungnahme, die übliche Regelung beim Übergang von Landstraße in die Ortschaft.

Eine andere Regelung könne nur getroffen werden, wenn Gefahrensituationen vorliegen. Dazu zählen Unfallhäufungen oder Krankenhäuser und Kindergärten an der Straße. Eine Unfallhäufung liege nicht vor, so das Amt. Bei einer Radarkontrolle im April habe die Zahl der Verstöße bei zehn Prozent gelegen, dies sei nur im leicht erhöhten Bereich.

Die Polizei bestätigt, dass keine Unfallhäufung vorliegt. Im Jahr 2018 habe es neun Unfälle geben. Ein Bürgersteig, so heißt es vom Straßenverkehrsamt weiter, könne nur neben der Fahrbahn angelegt werden. Grund dafür seien die breite von sieben Metern und der Bedeutung für den Verkehr. Die Fläche für einen solchen Bau befinde sich in Privatbesitz.

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