Anwohner leiden unter Lärm  - Verstoß gegen Corona-Beschränkungen

Trotz Corona: Jugendliche treffen sich nachts in Parks und Grünanlagen

Hochprozentige Spuren vom Vorabend: Auch in der Goetheanlage treffen sich trotz der Kälte regelmäßig abends Jugendliche.
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Hochprozentige Spuren vom Vorabend: Auch in der Goetheanlage treffen sich trotz der Kälte regelmäßig abends Jugendliche.

Kassel – Die Jugend zieht es nach draußen: Worüber man sich in normalen Zeiten freuen würde, sorgt nun für Ärger. Durch die coronabedingten Schließungen von Bars und Discos treffen sich Jugendgruppen in den Abend- und Nachtstunden verstärkt in Parks und auf öffentlichen Grünflächen.

Das hat die Kasseler Stadtpolizei in den vergangenen Monaten beobachtet. Trotz der kalten Winternächte kommt es immer wieder zu größeren Treffen, was Anwohner verärgert.

Spielplatz wird zur Partyzone: Diese Foto stammt vom Spielplatz in Süsterfeld an der Bahntrasse.

Während sich die Nachbarschaft vor allem über die Lautstärke und den Müll am nächsten Morgen aufregt, hat die Stadtpolizei – eine Abteilung des Ordnungsamtes – auch die Corona-Kontaktbeschränkungen im Blick. Nach Auskunft der Stadtpolizei haben sich mehrere Schwerpunkte herausgebildet, die sich über das gesamte Stadtgebiet verteilten. Zu regelmäßigen Versammlungsorten zählten beispielsweise die Goetheanlage, der Stadthallengarten sowie der Säulengang der Stadthalle und der Bereich Hessenschanze.

Nach Auskunft der Stadt werden diese Orte regelmäßig von der Stadtpolizei kontrolliert. „Bei Antreffen von Jugendlichen werden diese auf die Einhaltung der Nachtruhe hingewiesen. In Einzelfällen werden die Gruppierungen auch zum Verlassen der Örtlichkeit aufgefordert“, so ein Stadtsprecher. Das Phänomen sei seit Beginn der Corona-Pandemie, insbesondere den ersten Schließungsanordnungen von Kneipen, Gaststätten und Diskotheken im letzten Frühjahr, feststellbar. Es seien vorwiegend Jugendliche oder junge Erwachsene, die „im besonderen Maße freie Bereiche, Plätze und Grünflächen aufsuchen.“ In vielen Fällen handele es sich um Flächen, die in früheren Jahren nicht als Versammlungsorte bekannt waren.

Auch tagsüber Treffpunkt: Im Pavillon der Goetheanlage stand am Donnerstag ein halbes Dutzend Jugendliche.

Auch im Polizeipräsidium Kassel wird der Trend beobachtet. Allerdings habe sich die Lage angesichts der aktuellen Temperaturen etwas entspannt. Wenn Streifen der Landespolizei Jugendgruppen antreffen, würden diese zunächst einen „kommunikativen Ansatz“ verfolgen, so eine Polizeisprecherin. Es werde in Bezug auf die Kontaktbeschränkungen an die Vernunft appelliert. Auch bei Ruhestörungen werde vorerst nur ermahnt. Der überwiegende Teil der Jugendlichen zeige sich einsichtig.

„Weitere Maßnahmen wie Platzverweise, Ingewahrsamnahmen oder Anzeigen waren nur in wenigen Fällen erforderlich“, so die Sprecherin. Wer sich wiederholt uneinsichtig zeige, müsse damit aber rechnen.

Wollen ihre Ruhe: Werner Reichhardt (von links), Hildegard Berens und Thomas Lipphardt haben zudem Sorge, dass die Flammen der mehrfach angesteckten Linde irgendwann auf das Katharinenhaus übergreifen.

Werner Reichhardt kann sich gut an seine Jugend erinnern. Natürlich habe auch er mal Unsinn gemacht. Aber so, wie sich Jugendlichen teilweise auf dem Lindenberg an der Schanzenstraße in Kirchditmold benehmen, das könne er nicht verstehen. Vor allem die wiederholte Brandstiftung an der 120 Jahre alten Linde macht ihm und den anderen Bewohnern des Katharinenhauses, das in der Nähe steht, Sorgen und auch Angst.

Der Lindenberg und die benachbarte Hessenschanze sind nach Auskunft der Stadtpolizei ein beliebter Treffpunkt der Jugend geworden – nicht erst seit Corona. Dies sei kein Wunder, findet Reichhardt. Es gebe eine Straßenbahnanbindung und aus der Goetheanlage und von anderen innerstädtischen Plätze würden die Jugendlichen vom Ordnungsamt vertrieben. „Dann kommen die offenbar lieber hier raus: Musik hören, Alkohol trinken, Rumbrüllen, Müll liegenlassen“, so der Kirchditmolder.

Seit drei Jahren schon beobachten die Bewohner des Katharinenhauses, dass sich abends und nachts – nur wenige Meter von ihren Wohnungen entfernt – Jugendliche treffen, um zu feiern. „Am Wochenende geht das manchmal bis 4 oder 5 Uhr morgens“, sagt Reichhardt. Mehrfach habe er schon das Gespräch gesucht, bevor er die Polizei gerufen habe. „So lange die nüchtern sind, kann man gut mit denen reden.“ Aber umso mehr Alkohol fließe, desto lauter werde es.

Mit dem Winter sei die Situation etwas besser geworden. Dies galt zumindest bis zur Silvesternacht, als Jugendliche auf dem Lindenberg feierten und die Linde abermals in Brand steckten.

Zwischen der Lindde und dem Katharinenhaus liegt ein kleines Wäldchen, weshalb die Bewohner fürchten, beim nächsten Brand könne das Feuer auf das Gebäude übergreifen. „Wie kann man nur einen Baum anzünden. So was Dämliches. Hier wohnen auch alte Leute, die kommen bei einem Brand gar nicht schnell genug raus“, sagt Thomas Lipphardt, der ebenfalls in dem denkmalgeschützten Haus lebt.

Eine andere Bewohnerin leidet zusätzlich unter dem Lärm. Sie müsse morgens arbeiten und habe regelmäßig Schlafentzug. Mehrfach war schon die Polizei vor Ort. Dies habe aber nur einen kurzfristigen Effekt. Deshalb wünschen sich die Bewohner eine Anordnung der Behörde für die Nutzung der Fläche.

Eine solche stellt die Stadt auf HNA-Anfrage nicht in Aussicht. Die Stadtpolizei werde die Fläche aber bei ihren regelmäßigen Streifen in dem Bereich – die auch unabhängig von Beschwerden stattfänden – im Blick haben, sagt ein Stadtsprecher. Die Hessenschanze werde aus Sicht der Stadt nicht mehr so stark von Jugendlichen aufgesucht, wie noch vor der Pandemie. Im Sommer 2020 hatte es aber eine illegale Waldparty mit 300 Personen unweit der Rasenallee gegeben. (Bastian Ludwig)

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