Einrichtung für Alkoholkranke kommt nicht an Grünen Weg

Anwohner protestierten: Mietvertrag für neuen Trinkraum geplatzt

Neuer Standort schon wieder vom Tisch: Nach Anwohnerprotesten hat der Vermieter des Hauses am Grünen Weg sein Angebot, das Ladenlokal für den Trinkraum zu vermieten, zurückgezogen. Damit beginnt die Suche nach einem Standort von vorn. Foto: Zgoll

Kassel. Der neue Trinkraum-Standort am Grünen Weg ist schon wieder vom Tisch. Nachdem am Donnerstag im Ortsbeirat Nord-Holland das leer stehende Ladenlokal im Erdgeschoss eines Wohnhauses als mögliche neue Bleibe für die Aufenthaltsstätte für Alkoholkranke vorgestellt worden war, machte der Vermieter am Samstag einen Rückzieher.

Von Hausbewohnern und Nachbarn hatte es nach Bekanntwerden der Pläne Widerstand gegeben.

Damit ist der Verein „Szene direkt“, der den Trinkraum in Zusammenarbeit mit der Stadt Kassel betreibt, wieder auf der Suche nach neuen Räumen. „Alle Nachbarn sind dagegen, das kann ich nicht machen“, sagte Ebrahim Mierzaie, der das Haus am Grünen Weg Anfang des Jahres gekauft hatte.

Einige Mieter hätten ihm angekündigt, auszuziehen, falls der Trinkraum komme. Ihm sei in den Vorgesprächen mit dem Betreiberpaar Bärbel und Jarno Ackermann nicht klar gewesen, was genau sich hinter dem Projekt verbirgt, sagte der 53-Jährige aus Hann. Münden gegenüber der HNA. Er habe gewusst, dass es um Hilfe für Suchtkranke geht. Aber ihm sei nicht deutlich geworden, dass es sich um einen Treffpunkt für Alkoholiker handele.

„Ich habe nichts gegen diese Menschen und finde wichtig, dass ihnen geholfen wird“, betont Mierzaie. „Aber nach außen macht ein Trinkraum einen schlechten Eindruck.“ Seine Mieter hätten Angst vor Lärm und Pöbelei. Auf diese Bedenken müsse er Rücksicht nehmen. Bärbel Ackermann vom Verein „Szene direkt“ sagte auf Anfrage der HNA, man habe dem Eigentümer des Hauses das Projekt genau erklärt und auch angeboten, dass er sich bei der Stadt darüber hinaus informieren könne. Offenbar sei der Vermieter jetzt über den vehementen Protest seitens der Bewohner erschreckt.

Ebrahim Mierzaie

Nach der Vorstellung im Ortsbeirat habe man die Anwohner für Samstag zu einer Info-Veranstaltung eingeladen, berichtet Ackermann. Dabei sei deutlich geworden, dass es „Riesenwiderstand“ gebe. Darüber wolle man sich nicht hinwegsetzen. Unter diesen Voraussetzungen mache es ohnehin keinen Sinn, den Trinkraum dort einzurichten, sagt Bärbel Ackermann. Dennoch sei die Enttäuschung natürlich groß. Nun hofft der Verein, dass der Mietvertrag für die Räume im Hansa-Haus, der Ende des Monats ausläuft, noch eine Weile verlängert werden kann.

Unterdessen werde man weiter nach einem neuen Standort suchen, sagt Ackermann. „Wir bräuchten am besten einen Raum, der relativ isoliert ist, wo die Leute sich zurückziehen können.“ Der bisherige Standort im Hansa-Haus habe gut funktioniert, weil es dort keine direkten Nachbarn gebe. Sie betont, dass die Besucher des Trinkraums friedlich seien. „Unsere Leute pöbeln niemanden an.“ Dennoch, diese Erfahrung mache man immer wieder bei der Suche nach einem Standort, seien sie nirgendwo willkommen.

Von Katja Rudolph

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.