Blasphemie-Debatte: Künstler lässt Karikatur entfernen

Kassel. Die umstrittene Jesus-Karikatur wurde am Donnerstagnachmittag von der Fassade des Kulturbahnhofes entfernt. Wie der Geschäftsführer der Caricatura, Martin Sonntag, mitteilte, sei dies auf Wunsch des Künstlers Mario Lars geschehen.

Er sei von der Blasphemie-Debatte um seine Karikatur genervt gewesen. "Ich finde es schade, muss aber den Wunsch des Künstlers respektieren", sagt Sonntag. Er hätte gerne die konstruktive Auseinandersetzung mit der Kirche weiter gesucht. Noch sei nicht klar, ob an Stelle der Karikatur eine andere Illustration an der Fassade befestigt werde.

"Wir haben über einen Satz nachgedacht, der sich direkt auf die ganze Diskussion bezieht. Auf der Karikatur war Jesus am Kreuz zu sehen, über ihm kam eine Sprechblase aus dem Himmel, in der zu lesen war: "Ey... du ... Ich hab deine Mutter gefickt!". Dies hatte die Kasseler Kirchen empört, sie forderten die Entfernung des Bildes. Ein Kasseler hatte zudem am Mittwoch Anzeige gegen Sonntag und Lars gestellt, weil er den Tatbestand der Gotteslästerung erfüllt sah.

Der ehemalige Bestatter berief sich dabei auf Paragraf 166 des Strafgesetzbuches, der Blasphemie unter Strafe stellt, wenn sie den öffentlichen Frieden stört.

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Der 75-jährige überzeugte evangelische Christ sagte gegenüber der HNA, er sei kein spröder Mensch, aber diese Karikatur gehe zu weit und stoße viele Gläubige vor den Kopf. Sie sei unverzüglich zu entfernen.

Die Anzeige gegen den Künstler bleibt bestehen. Die Zeichnung sei  lange zu sehen gewesen. "Nur, weil sie abgenommen wurde, heißt das nicht, dass wir die Verfolgung der Anzeige einstellen", sagte Polizeisprecherin Sabine Knöll. Caricatura-Geschäftsführer Martin Sonntag stellte klar, dass die Anzeige nichts mit der Entscheidung zu tun gehabt habe, die Karikatur abzuhängen. (bal)

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