Vitamin D, E und Selen

Mythos Nahrungsergänzungsmittel: Diesen Nutzen haben die Präparate

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Nahrungsergänzungsmittel sind in zahlreicher Form auf dem Markt erhältlich. Sie alle versprechen das Gleiche: Die zusätzlichen Vitamine und Mineralstoffe gleichen einen Mangel aus und beugen Krankheiten vor. Doch welchen Nutzen haben Nahrungsergänzungsmittel wirklich?

 

Die Verkaufszahlen belegen die Wirksamkeit der Propaganda: Im Jahr 2015 betrug der Gesamtumsatz an verkauften Nahrungsergänzungsmitteln 1,1 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr ist das eine deutliche Steigerung um 9 Prozent. Jede vierte deutsche Frau und etwa jeder fünfte deutsche Mann nimmt Präparate zur Nahrungsergänzung. Verkaufsschlager ist laut einem aktuellen Report des Beratungsunternehmens IMS Health nach wie vor Magnesium. Die stärksten Zuwächse verbuchten 2015 die Vitamin-A- und -D-Produkte sowie B-Vitamine in Mono-Form. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) herrscht in Deutschland jedoch gar kein Vitaminmangel.

Prof. Dr. Helmut Heseker, Mitglied des Präsidiums der DGE, sieht diese Entwicklung kritisch, wie in einer Stellungnahme der DGE zitiert wird. Demnach würden Vitaminpräparate keinen nachweislichen Nutzen haben. Im Gegenteil: Hohe Mengen, eingenommen über Nahrungsergänzungsmittel, könnten zu einer Überdosierung führen.

Die AOK Hessen hat daher den Nutzen einiger gängiger Nahrungsergänzungsmittel auf den Prüfstein gestellt:

Vitamin D – Prävention vor Knochenbrüchen, Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Zur Vorbeugung von Knochenbrüchen konnte kaum ein Nutzen durch die zusätzliche Vitamin-D-Einnahme festgestellt werden. Lediglich in Kombination mit zusätzlichem Kalzium halfen die Präparate. Demgegenüber stehen die Nebenwirkungen: Einige Probanden klagten über Magen-Darm-Erkrankungen durch die Einnahmen der Kombiwirkstoffe.

Für Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen wurde kein Nutzen festgestellt. Von je 100 Probanden erkrankten insgesamt 17 Personen innerhalb von vier Jahren. Die zusätzliche Einnahme von Vitamin D spielte dabei keine Rolle.

Selen – Schutz vor Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Zu wenig Selen im Körper führt zu Mangelerkrankungen. Dies kommen bei uns jedoch recht selten vor. Selen kann mit der Ernährung über Fisch, Fleisch oder Eier aufgenommen werden. Ein Zusammenhang zwischen Selen als Nahrungsergänzungsmittel und der Vorbeugung von Krebs konnte jedoch nicht nachgewiesen werden. Hingegen wurde eine Studie zur Wirksamkeit von Selen sogar abgebrochen, da eine Verbindung mit Typ-2-Diabetes vermutet wurde. Als Nahrungsergänzungsmittel steht es zudem in Verdacht, Haarausfall und Hauterkrankungen bei Männern zu begünstigen.

Vitamin E gegen Schwangerschaftskomplikationen?

Auch hier wurde kein erkennbarer Nutzen festgestellt. Eine zusätzliche Einnahme von Vitamin E konnte weder Blutungen aufgrund einer Plazenta-Ablösung noch Frühgeburten oder andere bekannte Schwangerschaftskomplikationen verhindern. Stattdessen wurde festgestellt, dass die Einnahme von Vitamin E während der Schwangerschaft Bauchschmerzen begünstigen kann.

Über eine gesunde und ausgewogene Ernährung kann der menschliche Körper in der Regel ausreichend mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgt werden. Viele Nahrungsergänzungsmittel hingegen haben im besten Fall keinen Effekt, im ungünstigen Fall ist mit Nebenwirkungen zu rechnen.

Anders ist dies jedoch bei bestimmten Personengruppen, wie beispielsweise Schwangeren, Stillenden oder Patienten, die dauerhaft oder bestimmte Medikamente einnehmen. Sie haben einen erhöhten Nährstoffbedarf und benötigen unter Umständen Vitamine und Mineralstoffe. Genauere Angaben zu den Risikogruppen und deren Nährstoffbedarf gibt Ihnen Ihr Arzt.

Noch mehr Mythen hat die AOK Hessen in ihren Faktenboxen unter die Lupe genommen.

 

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