Apotheker auf Station

Pilotprojekt: Therapie verbessern, Kosten senken

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Die Apotheker Michael Höckel und Irene Pall-Lukesch von der Apotheke der Gesundheit Nordhessen am Klinikum Kassel prüfen die Listen der Medikamente, die die Patienten erhalten.

Kassel. Apotheker auf Station - so heißt ein Pilotprojekt am Klinikum Kassel. Dabei sollen Apotheker Ärzten beratend zur Seite stehen. Die Therapie soll sich verbessern, Kosten gesenkt werden.

In der Zentrale der Chirurgischen Intensivstation II flimmern die Herzfrequenzen der Patienten über die Bildschirme. Michael Höckel schaut sich die Kurven der Patienten an. Er ist kein Arzt, sondern Apotheker. Seit August dieses Jahres leitet er am Klinikum Kassel auf den Stationen der Unfallchirurgie, der kardiochirurgischen Station und einer Intensivstation das Pilot-Projekt „Apotheker auf Station“ der Klinik-Apotheke. Das Besondere: An fünf Tagen in der Woche sind er oder seine Kollegin Irene Pall-Lukesch stundenweise zu festen Zeiten auf den fünf Stationen in der Klinik.

Dort stehen sie Ärzten beratend zur Seite, etwa bei der Auswahl von Medikamenten, bezüglich Dosierung, möglichen unerwünschten Wirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. „Acht bis zwölf Medikamente müssen Patienten auf Intensiv-Stationen durchschnittlich bekommen“, sagt Höckel. Ältere Menschen, die unter mehreren Erkrankungen gleichzeitig leiden, kommen bereits mit sechs bis acht Medikamenten ins Krankenhaus. Auf der Station und im Gespräch mit den Ärzten haben die Apotheker Zugriff auf alle Patientendaten, die für die Medikation wichtig sind.

„So können wir den Ärzten im Rahmen der pharmazeutischen Kurvenvisite wertvolle Empfehlungen geben“, sagt Höckel. Häufig müssen Medikamente, die Patienten zu Hause einnehmen, mit denen, die sie im Krankhaus erhalten, in Einklang gebracht werden. Es muss geprüft werden, ob Wechselwirkungen zwischen den Medikamenten bestehen, ob sie miteinander verträglich sind und sichergestellt sein, dass Medikamente nicht doppelt verordnet werden.

Je nach Erkrankung, Blutdruck, Puls und Blutwerten muss unter Umständen die Dosierung angepasst werden. „Nierenschwäche beispielsweise kann die Ausscheidung von Arzneimitteln und damit auch deren Wirkung beeinflussen“, erklärt Höckel. Gerade auf Intensivstationen werden viele Medikamente über die Vene direkt ins Blut verabreicht. „Die Medikation ist mittlerweile sehr komplex geworden“, sagt Dr. Frank Steinau, Oberarzt der Chirurgischen Intensivstation II. Der Apotheker sei gewissermaßen eine Kontroll-Instanz für den Arzt.

Seine Empfehlungen flössen auch in die Erstellung der Therapiepläne ein. „Die Therapie der Patienten kann auf diese Weise optimiert werden“, sagt Steinau. Außerdem setze die Unterstützung durch den Apotheker wiederum Arbeitszeit des Arztes frei. Laut Apotheker Höckel sollen neben der Erhöhung der Patientensicherheit generelle Empfehlungen und Standards für die Medikation erarbeitet werden. Die Abteilungen selbst sollen entscheiden; welche Apothekerleistung sie auf Station in Anspruch nehmen. Ein weiteres Ziel sei auch, eine Senkung von Arzneimittelkosten zu ermöglichen. (mkx)

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