Füllmasse geriet vor sechs Jahren aus Versehen unter Frankfurter Straße

Arbeiten auf Frankfurter Straße: Kanal mit Beton verstopft

In gelben 20-Liter-Eimern ziehen die Bauarbeiter Sergej Kunz (Mitte) und Mario Carruccio (rechts) den wie Lava aussehenden Sandbeton-Füllstoff aus dem Kanalschacht an der Frankfurter Straße. „Das Material ist steinhart“, sagt Bauleiter Daniel Behrend. Nur mit Elektrostemmhämmern ist der Masse beizukommen. Foto: Naumann

Kassel. Noch gut zwei Wochen werden die Kanalarbeiten an der Frankfurter Straße in Höhe der Akademiestraße dauern. Das heißt auch: Mit Staus stadteinwärts ist jederzeit zu rechnen.

Zwar sind inzwischen alle zehn abgesunkenen Schachtabdeckungen repariert. „Jedoch haben wir noch ein anderes Problem“, sagt Bau- und Projektleiter Harald Jordan von Kasselwasser. Der Kanal direkt unter der Straße sei auf einer Strecke von 280 Metern mit Dämmer vollgelaufen. „Dämmer ist ein Sandbeton, der zur Verfüllung von nicht mehr genutzten Kanälen eingesetzt wird“, sagt Jordan.

Der Dämmer sei vor sechs Jahren in den Kanal geflossen, als der alte, parallel und direkt unter den Gleisen verlaufende Kanal im Zuge der Instandsetzung der Frankfurter Straße im Jahr 2007 verschlossen wurde. „Dabei quoll der Dämmer tonnenweise durch vorher nicht entdeckte Rohrleitungen in den neuen Kanal hinein“, sagt Jordan. Diese Rohre hätten von der Baufirma vorher geschlossen werden müssen.

„Das dunkelgrüne, wie Lava aussehende Material, ist steinhart“, sagt Polier Daniel Behrend vor Ort an der Baustelle. Mit Elekrostemmhämmern kämpfen sich die Arbeiter mühsam voran. Der Kanal ist nur einen Meter hoch, „wir können nur im Sitzen arbeiten“, sagt Bauarbeiter Sergej Kunz. „Wir schaffen pro Tag nur etwa fünf bis sieben Meter“. Die Luft im Kanal sei kaum auszuhalten, ein Ventilatorsystem pumpe ständig Frischluft ins Rohr, gearbeitet werde in Gummianzügen und mit Gasmasken.

20 Zentimeter hoch sei der Kanal mit Dämmer vollgelaufen. „Das ergibt eine enorme Materialmenge“, sagt Behrend. Sieben Container mit einem Fassungsvermögen von jeweils sieben Kubikmetern seien schon aus dem Rohr gemeißelt worden. „Zwei Wochen werden wir noch brauchen, bis alles raus ist.“

Wie es vor sechs Jahren zu dem Missgeschick gekommen ist, darüber lässt sich nur spekulieren. Wird ein Altkanal mit Dämmer gefüllt, wird zunächst geprüft, ob es womöglich alte Regenabflüsse oder Hausanschlüsse gibt, die über mehrere Ecken mit dem neuen Kanal verbunden sein könnten. „Offenbar sind damals nicht alle Schlupflöcher von der Baufirma verschlossen worden“, sagt Jordan. Daher handele es sich um einen Gewährleistungsfall, für den die Baufirma aufkommen müsse. Die Reparatur koste Kasselwasser keinen Cent.

Von Boris Naumann

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