Bewährung: Zwei Angeklagte hatten Gitterboxen beiseitegeschafft und weiterverkauft

Arbeitgeber aus Spielsucht bestohlen

Kassel. „Ich brauchte Geld, deshalb habe ich mich auf die Sache eingelassen“, gestand der 44-jährige Angeklagte vor dem Amtsgericht Kassel. Das Geld diente dazu, seine Spielsucht zu befriedigen. Gemeinsam mit dem 35-Jährigen neben ihm auf der Anklagebank schaffte er zwischen März und Mai 2011 Gitterboxen, wie sie für den Transport von Kleinteilen benutzt werden, beiseite und verkaufte sie weiter. Vor Gericht kamen beide mit Bewährungsstrafen davon.

Sie fackelten vor Gericht nicht lange und gaben alles zu. „Mich ärgert am meisten, dass ich da mitgemacht und so meinen Arbeitsplatz verloren habe“, räumte der 35-Jährige ein. Er hatte bei einem Unternehmen in Dautphetal-Friedensdorf (Landkreis Marburg-Biedenkopf) gearbeitet, das Gitterboxen zum Transport von Blechteilen bei einer anderen Firma angemietet hatte. Die Speditionen, die die Teile auslieferten, waren auch für den Rücktransport der Behälter verantwortlich. Bei einer dieser Speditionen arbeitete der 44-Jährige.

Leergutscheine ausgefüllt

Gemeinsam heckten die beiden den Plan aus, beim Abtransport der leeren Boxen geringere Stückzahlen anzugeben. Dazu brauchte der 35-Jährige seinem Kollegen, der die Leergutscheine ausfüllte, nur falsche Zahlen zuzurufen. Mehrmals „verschwanden“ so ganze Lkw-Ladungen. Der 44-Jährige kannte einen Mitarbeiter bei einer Kasseler Spedition, der kaufte das Diebesgut und verscherbelte es weiter.

Der 44-Jährige kassierte für eine komplett beiseitegeschaffte Ladung von 90 Boxen zwischen 2500 und 3000 Euro, seinem Kumpan zahlte er 500 bis 800 Euro. Ursprünglich war die Staatsanwaltschaft von über 1000 gestohlenen Behältern und einem Schaden von 35 000 Euro ausgegangen. Am Ende wurden einige Fälle eingestellt, sodass nur noch etwas mehr als die Hälfte übrig blieb.

Während der Tat hatte der 44-Jährige unter laufender Bewährung gestanden. Er beteuerte, er befinde sich auf dem Weg in ein Leben ohne Fehltritte. Seine Spielsucht sei besiegt, außerdem habe er einen Arbeitgeber, der trotz seiner Ausrutscher – er stand nicht das erste Mal vor Gericht – an ihn glaube.

Richterin gibt Chance

Richterin Ferchland fand die Reue so überzeugend, dass sie ihm eine Chance gab: Die Freiheitsstrafe von 21 Monaten wird zu vier Jahren auf Bewährung ausgesetzt, daneben macht das Gericht die Auflage, dass er seine Spielsucht in einer Therapie bearbeitet und 500 Euro an die Deutsche Herzstiftung zahlt. Den gleichen Betrag muss auch der 35-Jährige an die Stiftung überweisen. Er kommt mit 14 Monaten davon, die zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt werden.

Von Ralf Pasch

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.