Konjunkturelle Dynamik lässt etwas nach

Arbeitslosenquote in Kassel nur leicht gesunken

Kassel. Die Arbeitslosenquote im Agenturbezirk Kassel ist im Oktober zwar um 0,1 Punkte auf 6,9 Prozent gesunken, liegt aber über dem Niveau des Vorjahresmonats, als ein Wert von 6,7 Prozent verzeichnet wurde.

Agenturleiter Detlef Hesse führt diese Entwicklung auch auf konjunkturelle Gründe zurück. Offenbar hat die wirtschaftliche Dynamik der vergangenen Jahre leicht nachgelassen.

"Der seit Monaten anhaltende Trend zu stagnierender oder nur leicht nachlassender Arbeitslosigkeit macht deutlich, dass viele Unternehmen wegen der schwierigen Absatzmarktlage im Euro-Raum sowie der unklaren künftigen Wirtschaftspolitik eine abwartende Haltung bei Neueinstellungen einnehmen", so der Agenturleiter.

Konkret waren im Oktober 18.958 Menschen ohne Arbeit - 380 weniger als im September, aber 923 mehr als im entsprechenden Vorjahresmonat. Dass die Nachfrage nach Arbeitskräften nachgelassen hat, spiegelt sich auch in den offenen Stellen wider. Wurden davon im Oktober 2012 noch 1034 gemeldet, waren es jetzt nur noch 892.

Dennoch gibt es nach wie vor Unternehmen, die händeringend Personal suchen. Allerdings mangelt es häufig an geeigneten Fachkräften. Daher betrachtet die Arbeitsagentur die Qualifizierung von Arbeitslosen zunehmend als ihre zentrale Zukunftsaufgabe.

Zahl der Zeitarbeiter sinkt

Betriebe schaffen wieder feste Stellen - Ungelernte Kräfte immer weniger gefragt

Ein wichtiger Indikator für wirtschaftliche Dynamik ist die Zeitarbeit. Brummt die Konjunktur, werden viele Leiharbeiter benötigt. Mit ihnen decken Unternehmen häufig Auftragsspitzen ab. Läuft es schlecht, geht die Zahl der Leiharbeiter zurück. Das ist im Agenturbezirk Kassel zurzeit der Fall. Gab es im ersten Quartal 2012 noch gut 5200 Leiharbeiter - aktuellere Zahlen liegen nicht vor waren es Ende März diesen Jahres nur noch 4142.

Gleichzeitig aber stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten insgesamt, und zwar um 1403 auf fast 194.700, was ein Indiz dafür ist, dass viele Zeitarbeiterstellen in feste Beschäftigungsverhältnisse umgewandelt wurden.

Das hat mehrere Gründe. Zum einen hat sich Zeitarbeit in den vergangenen Jahren erheblich verteuert, zum anderen ist nach der schweren Krise von 2008/09 das Vertrauen der Unternehmen in die Zukunft gewachsen, was die Bereitschaft zum Stellenaufbau spürbar gesteigert hat. Hinzu kommt der demografische Faktor: Weil es immer schwieriger wird, qualifizierte Kräfte zu finden, werden gute Zeitarbeiter heute sehr viel eher übernommen als noch vor einigen Jahren.

Die neuen Stellen entstanden nach Informationen der Arbeitsagentur insbesondere in der Gastronomie, im verarbeitenden Gewerbe, in der Informations- und Kommunikationsbranche, im Handwerk sowie im Bereich Erziehung und Schule.

Gleichzeitig verzeichnet die Agentur eine anhaltende Zunahme der Langzeitarbeitslosigkeit. Grund dafür ist, dass immer mehr Helfer, also ungelernte Kräfte, die vielfach lange im Betrieb waren, ihren Job verlieren, weil deren vergleichsweise einfache Tätigkeiten immer weniger gefragt sind. Dieser Gruppe gehören derzeit 7154 Personen an. Das sind fast 38 Prozent aller Arbeitslosen. Diese Menschen haben häufig keinen Schul- und/oder Berufsabschluss. Sie zu vermitteln, wird immer schwieriger.

Erfreulich dagegen ist der starke Rückgang Arbeitslosigkeit bei unter 25-Jährigen um 17,2 Prozent auf 2031. Grund ist der Beginn eines Studiums oder einer Ausbildung.

Von José Pinto

Rubriklistenbild: © dpa

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