Arbeitsmarkt in Kassel weiterhin stabil

Trotz Coronakrise: Arbeitslosigkeit in der Region sinkt erneut

Niedersachsen, Hannover: Mit Flatterband abgesperrte Tische und Stühle stehen vor einer Pizzeria in der Corona-Pandemie.
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Besonders betroffen: Die meisten Anträge auf Kurzarbeitergeld im Agenturbezirk Kassel stammten im Jahr 2020 aus dem Gastgewerbe.

Der nordhessische Arbeitsmarkt zeigt sich weiterhin relativ unbeeindruckt von der Coronakrise. Für Dezember meldet die Agentur für Arbeit Kassel wie schon für Oktober und November weniger Jobsuchende binnen Monatsfrist. Damit stemmt sich die Entwicklung auch gegen den saisonüblichen Anstieg der Arbeitslosigkeit im ersten Wintermonat.

Kassel - Aktuell sind im Bezirk der Arbeitsagentur, zu dem Stadt und Landkreis Kassel sowie der Werra-Meißner-Kreis gehören, 16 825 Menschen auf Arbeitssuche. Das sind 209 weniger als im November, aber 2306 mehr als im Dezember 2019. Die Arbeitslosenquote ist gegenüber dem Vormonat um 0,1 Punkte auf jetzt 5,8 Prozent gesunken. Im Vorjahresmonat waren es 5 Prozent.

„Die aktuellen Zahlen stimmen auf den ersten Blick zufrieden“, sagt Agenturleiter Detlef Hesse. Die Zugänge an Arbeitslosen bewegten sich weiter unter dem Niveau der Vorjahre, während die Abgänge in Erwerbstätigkeit, vor allem in Verkehrs-, Logistik- und Fertigungsberufen, trotz der Coronakrise gestiegen seien. „Wir wundern uns selbst ein wenig über die Entwicklung, aber sie stimmt uns hoffnungsvoll“, so der Agenturleiter.

Die niedrige Arbeitslosenquote ist laut Hesse allerdings auch trügerisch. Zum einen spiegeln die aktuellen Zahlen die Auswirkungen des verschärften Lockdowns ab 16. Dezember, der mit Schließung zahlreicher Geschäfte und Betriebe einhergeht, noch nicht wider. Grund dafür ist, dass in die Statistik lediglich die Werte bis Mitte Dezember einfließen.

Zum anderen verweist Hesse auf das deutliche Plus an Jobsuchenden im Jahresvergleich von aktuell 15,9 Prozent und den anhaltenden Trend zur Langzeitarbeitslosigkeit. Beides zeige, welche Spuren das Krisenjahr bisher hinterlassen habe.

So ging auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten leicht zurück. Zum Stichtag 30. Juni – aufgrund von Nachmeldefristen wird der Wert immer erst mit sechs Monaten Verzögerung veröffentlicht – waren 214 674 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das waren 1649 Personen beziehungsweise 0,8 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Besonders betroffen von dieser Entwicklung war die Zeitarbeitsbranche. „Zeitarbeiter werden im Abschwung häufig als Erste entlassen, aber auch als Erste wieder eingestellt, wenn es wieder aufwärtsgeht“, erläutert Hesse.

Regionale Entwicklung

In der Stadt Kassel ist die Arbeitslosenzahl seit November um 126 Personen (minus 1,4 Prozent) auf 8756 gesunken. Die Arbeitslosenquote ist um 0,1 Punkte auf 8 Prozent zurückgegangen. Im Landkreis Kassel sind mit 5215 Menschen 94 weniger arbeitslos gemeldet als im Vormonat (minus 1,8 Prozent). Die Quote sank dort von 4,2 auf 4,1 Prozent.

Kurzarbeit

Die Anzeigen für Kurzarbeit sind weiter angestiegen. „Wir registrierten im Dezember 543 geprüfte Anzeigen für Kurzarbeitergeld für 4507 Beschäftigte. Damit hat die Nachfrage nach dieser Unterstützung gegenüber November wieder leicht angezogen“, sagt Hesse. Im Vormonat waren es 315 Anzeigen für 2236 Beschäftigte gewesen. Im Oktober und September war die Zahl der antragstellenden Unternehmen sogar in den zweistelligen Bereich gesunken. Seit April haben nun insgesamt 6711 Betriebe für 86 347 Beschäftigte einen entsprechenden Antrag bei der Agentur gestellt. Besonders das Gastgewerbe, der Einzelhandel und das Gesundheitswesen machten Hesse zufolge Gebrauch von dem arbeitsmarktpolitischen Instrument.

Offene Stellen

Nach wie vor auf niedrigem Niveau bleibt der Bestand offener Stellen. Im Jahr 2020 wurde laut Hesse rund ein Fünftel weniger Arbeitskräfte nachgefragt als im Jahr 2019. Lediglich die Wach- und Sicherheitsbranche habe einen nennenswerten Zuwachs zu verzeichnen. „Entsprechendes Personal ist zur Kontrolle der Corona-Verordnungen beispielsweise in Supermärkten derzeit besonders gefragt“, erläutert Hesse.

Ausbildung

Am Ausbildungsmarkt wurden bis zum Jahresende noch viele junge Menschen für 2020 vermittelt. „Es hat zwar einen Corona-Effekt gegeben. Er ist aber deutlich geringer ausgefallen als von manchen befürchtet“, bilanziert Hesse. Sorge bereitet dem Agenturleiter allerdings der Ausbildungsstart 2021. „Weil Praktika gerade kaum möglich sind, fehlt den Jugendlichen oft die Möglichkeit zur Orientierung. Auch die Betriebe können nur eingeschränkt für sich werben“, erläutert er. Zudem sei die Präsenz der Agentur in den Schulen schwierig. Hesse empfiehlt daher allen Schulabgängern dringend, sich schnellstmöglich telefonisch oder per Videochat von der Agentur beraten zu lassen.

Bilanz 2020

In der Bilanz der Arbeitsagentur für das Jahr 2020 schlägt sich die Pandemie deutlich nieder. Sie zeige krisenbedingt eine negative Entwicklung, sagt Hesse. Die durchschnittliche Arbeitslosenzahl kletterte im Agenturbereich demnach von 14 846 Jobsuchenden im Jahr 2019 auf 17 538 im vergangenen Jahr. Das ist ein Plus von 18,1 Prozent. Die Arbeitslosenquote stieg im Schnitt von 5,2 auf 6,1 Prozent. Der Stellenbestand verringerte sich um etwa 20 Prozent von 4122 auf 3293 Angebote.

Von Nicole Schippers

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