Zahl der Jobsuchenden trotz wiederholten Lockdowns leicht gesunken

Arbeitsmarkt in der Region Kassel bleibt stabil

Eine Krankenschwester, die in der Altenpflege tätig ist.
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Offene Stellen: Während viele Branchen derzeit nur zögerlich einstellen, wird Personal im Gesundheits- und Sozialwesen gesucht.

Trotz der nun schon gut ein Jahr anhaltenden Coronakrise hat sich der Arbeitsmarkt in der Region auch im März relativ unbeeindruckt gezeigt und trotzt dem wiederholten Lockdown und steigenden Infektionszahlen.

Kassel - Wie bereits im Februar sanken die Arbeitslosenzahlen im Bezirk der Agentur für Arbeit Kassel saisonüblich. Ein stabilisierender Faktor bliebt das Instrument des Kurzarbeitergeldes.

Die Zahlen

Die Statistik meldet aktuell 17 788 Arbeitslose im Agenturbezirk, zu dem Stadt und Landkreis Kassel sowie der Werra-Meißner-Kreis zählen. Das sind 461 Menschen weniger als im Februar, aber 2330 mehr als im März 2020. Die Arbeitslosenquote sinkt um 0,1 Punkte auf 6,2 Prozent. Vor einem Jahr waren es 5,4 Prozent gewesen. „Der heimische Arbeitsmarkt bietet der Krise nach wie vor die Stirn und überrascht erneut mit relativ stabilen Werten“, sagt Agenturchef Detlef Hesse.

Die Kurzarbeit

Geschuldet ist diese Entwicklung Hesse zufolge im Wesentlichen dem Instrument des Kurzarbeitergeldes, das ungebrochen stark genutzt werde und Massenentlassungen bislang verhindert habe. Im März gingen demnach 105 geprüfte Anzeigen auf Kurzarbeitergeld für 925 Beschäftigte ein. Im Vormonat waren es noch 264 Anzeigen gewesen. „Damit ist die Nachfrage nach dieser Unterstützung gegenüber Februar deutlich gesunken“, so Hesse.

Von April 2020 bis März dieses Jahres gingen insgesamt 7794 Anzeigen für 100 659 Beschäftigte bei der Arbeitsagentur ein. Wie häufig das Kurzarbeitergeld tatsächlich in Anspruch genommen worden ist, wird sich erst nach Ablauf von mehreren Monaten zeigen, da die Betriebe innerhalb dieses Zeitraums Kurzarbeit nachträglich abrechnen.

Das Instrument des Kurzarbeitergeldes bleibt also ein stabilisierender Faktor in der Krise. „Arbeitgeber hielten offensichtlich an ihren Mitarbeiter fest, mutmaßlich, um ohne größeren Personalbedarf schnellstmöglich wieder durchstarten zu können, kommentiert Hesse die Entwicklung. Die Wirtschaft blicke offenbar nicht pessimistisch in die Zukunft, sondern sehe Lichtblicke.

Die Stellenangebote

Andererseits hielten sich die Unternehmen aber auch zurück, neue Beschäftigungsofferten zu schalten, berichtet Hesse. „Seit Jahresbeginn wurden rund 18 Prozent weniger freie Stellen gemeldet als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum“, erläutert der Arbeitsmarktexperte.

Das betreffe fast alle Branchen über den Dienstleistungssektor, den Handel und das verarbeitende Gewerbe bis hin zum Baugewerbe. Ausgenommen seien lediglich das Gesundheits- und Sozialwesen sowie der Bereich der Personaldienstleistung.

Hesse wertet den Zuwachs in dieser Branche als positives Zeichen. „Das ist ein üblicher Effekt, wenn sich erste Erholungstendenzen zeigen. Bevor die Unternehmen wieder fest anstellen, greifen sie in solchen Phasen vorsichtshalber zunächst auf Zeitarbeitskräfte zurück“, sagt der Agenturchef.

Die Betroffenen

Besonders Betroffene in der aktuellen Krise sind Hesse zufolge die Langzeitarbeitslosen. Ihre Zahl sei binnen Jahresfrist allein im Bereich der Arbeitslosenversicherung um 140 Prozent gestiegen. Das belege, wie schwierig die Vermittlung in Jobs aktuell sei. Zu kämpfen haben Hesse zufolge aber auch die Solo-Selbstständigen sowie generell alle stark betroffene Branchen, insbesondere im Dienstleistungssektor.

Hesse betont, dass auch die Diskrepanz zu den Werten im Vorjahr bestehe. So gebe es binnen Jahresfrist 15 Prozent mehr Arbeitslose, wobei vor allem Frauen und Ältere ab 50 Jahren betroffen seien.

Der Ausbildungsmarkt

„Der Ausbildungsmarkt macht uns wirklich Sorge“, betont Hesse. Die Zahl der gemeldeten Stellen sei im Vergleich zum Vorjahresmonat um rund 10 Prozent zurückgegangen. Die Zahl der Bewerber sei gar um 16 Prozent eingebrochen. „Wir spüren auf beiden Seiten eine große Zurückhaltung“, so Hesse.

Erschwerend hinzu komme, dass die Arbeitsagentur unter Pandemiebedingungen Probleme habe, an die Schüler heranzukommen. „Wir bieten zwar auch digitale und telefonische Berufsberatung an, aber es ist deutlich schwieriger.“ Foto: Heidi Grell/nh

Von Nicole Schippers

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