Zahl der Erwerbslosen im September gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen

Arbeitsmarkt-Dynamik in Kassel vorbei

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Kassel. Die Zahl der Arbeitslosen im Agenturbezirk Kassel ist im September mit dem Ende der Sommerferien zwar erwartungsgemäß gesunken. Aber die Dynamik der vergangen zweieinhalb Boomjahre im nordhessischen Arbeitsmarkt ist wohl endgültig vorbei.

Nach der globalen Finanzkrise 2008 / 2009 erholte sich die Weltwirtschaft unerwartet schnell und mit ihr auch der heimische Arbeitsmarkt. Große Unternehmen wie Volkswagen und SMA, aber auch mittlere und kleine Betriebe schufen in den beiden Folgejahren Tausende neuer Jobs. Der nordhessische Arbeitsmarkt entwickelte sich zu einem der dynamischsten bundesweit.

Diese Dynamik ist vorerst vorbei, und der Leiter der Arbeitsagentur Kassel, Detlef Hesse, sieht angesichts des nahenden Winters mit traditionell steigenden Erwerbslosenzahlen derzeit „keine Anzeichen für eine Verbesserung“.

Zwar ist die Arbeitslosenquote saisonbedingt im September in Kassel von 10,2 auf 9,8 Prozent und im Kreis geringfügig von 5,2 auf 5,1 Prozent gesunken. Aber gegenüber dem Vorjahresmonat stieg die Zahl der Erwerbslosen in Stadt und Kreis um 1214 auf aktuell 19 338.

Besonders betroffen von dieser Entwicklung sind Langzeitarbeitslose, deren Zahl um 535 auf 7074 zunahm, und junge Menschen bis 25 Jahre. In jener Gruppe stieg die Zahl der Arbeitslosen um 235 auf 2452. In diesem Jahr sind laut Hesse Jugendliche nach den Sommerferien nicht in dem Maße eingestellt worden wie in den Vorjahren. Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene ohne oder mit schlechtem Schulabschluss beziehungsweise ohne oder mit nur mäßiger Berufsausbildung finden immer schlechter Arbeit.

Das hat aber zunehmend auch mit dem steigenden Spezialisierungsgrad in der Wirtschaft insgesamt zu tun. Machten sogenannte Helfertätigkeiten 2000 im Agenturbezirk Kassel noch 19,5 Prozent der Beschäftigungsverhältnisse aus, sind es heute nur noch 11,8 Prozent – Tendenz weiter sinkend. Daher lautet das zentrale Motto der Agentur derzeit: „Qualifizieren, qualifizieren, qualifizieren“, betont Hesse.

Als Grund für die nachlassende Dynamik auf dem nordhessischen Arbeitsmarkt nennt er die „gedämpfte Einstellungsbereitschaft“ infolge der weltweiten konjunkturellen Unsicherheiten, der nach wie vor existenten Euro-Krise und geopolitischen Entwicklungen. „Viele Betriebe verhalten sich bei Einstellungen abwartend“, hat Hesse in den letzten Monaten beobachtet.

Ein deutlicher Beleg dafür ist die Entwicklung der Leiharbeit, einer der wichtigsten Frühindikatoren für die konjunkturelle Entwicklung. Die Nachfrage nach dieser Art Beschäftigung ist laut Hesse binnen Jahresfrist um 40 Prozent gesunken.

Und auch die nach regulärer Beschäftigung ist mit einem Minus von 14,5 Prozent gegenüber September 2012 rückläufig. Das spiegelt sich in den Stellenangeboten wider. Wurden im vergangenen Jahr noch 1209 offene Stellen angeboten, waren es im vergangenen Monat nur noch 1034.

Von José Pinto

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