Niedrigste Stadt-Quote seit 1990

Arbeitsmarkt in Stadt und Kreis Kassel eilt von Rekord zu Rekord

Kassel. Der Arbeitsmarkt in Stadt und Kreis Kassel eilt von Rekord zu Rekord. Im Mai sank die Arbeitslosenquote gegenüber dem Vorjahresmonat um 0,4 Punkte auf 5,9 Prozent.

Am deutlichsten fiel der Rückgang in der Stadt Kassel aus, wo die Quote binnen Jahresfrist von neun auf 8,1 Prozent sank. Das ist der niedrigste Mai-Stand seit Beginn der jetzigen Erfassungsmethodik vor fast 30 Jahren. Demnach sind in Kassel 8642 Menschen ohne Job. Im Kreis sank die Quote auf Jahressicht um 0,2 Punkte auf 4,1 Prozent. Dort suchen 5180 Menschen Arbeit.

Grund für die anhaltend gute Entwicklung sind die gute Konjunktur und eine geänderte statistische Bezugsgröße. Weil mehr Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind – Ende September waren es im Agenturbezirk 210 085 Menschen und damit fast 1900 mehr als im Vorjahr – ist die Quote allein aus diesem Grund um 0,2 Punkte gesunken. Aktuellere Zahlen liegen derweil nicht vor, weil dieser Wert halbjährlich ermittelt und mit einer zeitlichen Verzögerung veröffentlicht wird.

Die Arbeitslosenquote in Nordhessen liegt aktuell bei 5,1 Prozent und damit nur geringfügig über dem Hessen-Wert von 4,9, der im Mai erstmals seit 26 Jahren unter die Fünf-Prozent-Marke gesunken ist.

Überall beste Jobchancen

Konjunktur und Arbeitsmarkt in Stadt und Kreis Kassel sowie in Nordhessen insgesamt kennen – von saisonal üblichen Schwankungen einmal abgesehen – seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Die gute wirtschaftliche Entwicklung braucht Arbeitskräfte. In nahezu allen Branchen herrscht Fachkräftemangel, und es sieht nicht danach aus, als ob sich diese Situation absehbar entspannen sollte. 

Das spiegelt sich auch in den aktuellen Arbeitslosenzahlen wider, die kontinuierlich sinken. Besonders deutlich fällt der Rückgang in der Stadt Kassel aus, die aber seit Jahrzehnten deutlich höhere Werte aufweist als das Umland und der Rest Nordhessens.

Die aktuelle Quote von 8,1 Prozent ist der niedrigste Mai-Wert seit Beginn der Aufzeichnungen nach der aktuellen Methodik vor fast 30 Jahren. Wir erinnern uns: Zwischenzeitlich lag die Quote bei bis zu 20 Prozent. Die Rückgänge im Kreis Kassel sind zwar moderater, aber die Ausgangsbasis ist auch eine sehr viel niedrigere. Die aktuellen 4,1 Prozent entsprechen nach der gängigen volkswirtschaftlichen Definition fast einer Vollbeschäftigung. 

Wie gut es dem regionalen Arbeitsmarkt geht, zeigt auch die Zahl der neu eingegangenen Stellenangebote. 1386 waren es im Berichtsmonat Mai und damit fast 200 mehr als im Vorjahr. So erfreulich diese Tendenz für Arbeitssuchende sein mag, so zeigt sie auch, wie groß das Problem mit dem Fachkräftemangel mittlerweile für viele Betriebe ist. Für sie wird es immer schwieriger, (qualifiziertes) Personal zu bekommen. Der Mangel geht quer durch alle Branchen: Metall- und Elektro, Gesundheitswesen und Pflege, Gastronomie und Hotellerie, Logistik und Transportwesen. 

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Daher appelliert der Leiter der Arbeitsagentur Kassel, Detlef Hesse, an alle Arbeitssuchenden und Veränderungswilligen, sich an sein Haus zu wenden. Die Agentur vermittle nicht nur, sondern berate, organisiere und finanziere Umschulungen und Fortbildungen und helfe bei Bewerbungen. Seit Jahresbeginn seien fast 6300 neue Stellen gemeldet worden – ein Plus von nahezu 15 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. „Damit liegen wir deutlich über Landesschnitt“, so Hesse. 

Wie robust der Arbeitsmarkt ist, lässt sich auch an der ständig rückläufigen Zahl von Langzeitarbeitslosen (ein Jahr und länger) ablesen. Sie sank auf Jahressicht um 923 auf 5763. Das zeigt, dass Betriebe in Ermangelung anderer Bewerber zunehmend auf diese Reserve zurückgreifen. „Die Jobchancen sind so gut wie seit Jahren nicht“, weist Hesse auf die guten Perspektiven am Arbeitsmarkt hin.

Dasselbe gilt für Lehrstellen, deren Zahl binnen Jahresfrist um 159 auf 3067 gestiegen ist. Davon ist laut Arbeitsagentur die Hälfte noch unbesetzt. Daher die Bitte an Suchende, sich bei der Agentur zu melden. Unter der Service-Nummer 018 01-555-111 (3,9 Cent die Minute aus dem Festnetz, maximal 42 Cent aus dem Mobilnetz) können Interessierte Beratungstermine vereinbaren. Und am 19. Juni findet dort von 14 bis 16 Uhr eine Arbeitgeber-Kontaktbörse statt.

Arbeitsmarkt Nordhessen

Auch der Arbeitsmarkt in Nordhessen boomt. Mit Ausnahme der Stadt Kassel und des strukturschwachen Werra-Meißner-Kreises, wo derzeit Erwerbslosenquoten von 8,1 beziehungsweise 5,7 Prozent gemessen werden, ist die Region durchweg besser als der Landesschnitt von aktuell 4,9 Prozent. Ohne die Stadt Kassel liegt der Nordhessen-Wert derzeit sogar bei nur 4,37 Prozent.

 Die beste Quote weist seit Jahren der Kreis Waldeck-Frankenberg mit 3,9 Prozent aus, und das trotz der schlechten Verkehrsanbindung jenes Landesteils. Das liegt nicht nur am Heiztechnik-Hersteller Viessmann, der 4500 am Firmensitz in Allendorf beschäftigt, sowie am Reifenhersteller Continental in der Kreisstadt Korbach (3500 Mitarbeiter), sondern auch am traditionell starken Maschinen-, Anlagen- und Werkzeugbau in jenem Kreis. Zweitstärkster Kreis in Nordhessen ist Kassel (4,1 Prozent), gefolgt von Schwalm-Eder und Hersfeld-Rotenburg (je 4,4 Prozent). 

Die Nordhessen-Zahlen erhebt seit Jahren das Regionalmanagement. Die Arbeitsverwaltung berechnet die Quoten nach Kreisen und Agenturbezirken. Letztere haben aber andere Zuschnitte als die Gebietskörperschaften.

Der Arbeitsmarkt im Mai 2017

  •  Deutschland Arbeitslose: 2.497.718, 70.894 weniger als im April 2017, Aktuelle Quote: 5,6 %, Vormonat: 5,8 %, Vorjahresmonat: 6,0 %
  • Hessen Arbeitslose: 164.559, 4124 weniger als im April 2017, Aktuelle Quote: 4,9 %, Vormonat: 5,1 %t, Vorjahresmonat: 5,2 %
  • Niedersachsen Arbeitslose: 239.461, 5907 weniger als im April 2017, Aktuelle Quote: 5,6 %, Vormonat: 5,8 %, Vorjahresmonat: 5,9 Prozent.

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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