Arbeitsplatz mit Aussicht

Paradies in den Alpen: Kasseler Hütte hat einen Chef, der aus Kassel kommt

Sind für die Kasseler Hütte zuständig: Anna Stang und der Kasseläner Lukas Decker.
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Sind für die Kasseler Hütte zuständig: Anna Stang und der Kasseläner Lukas Decker.

Die Kasseler Hütte in den Zillertaler Alpen ist ein kleines Paradies. Seit diesem Jahr hat sie auch noch einen Chef, der aus Kassel kommt.

Mayrhofen – Wenn Lukas Decker zu Saisonbeginn seine Arbeit antritt, ist der Weg ganz schön weit. Mit dem Auto oder dem Rad schafft er es vom nächsten Ort aus über ein lang gezogenes Tal noch bis zur Materialseilbahn, dann muss er auf jeden Fall zu Fuß ran und 700 Höhenmeter überwinden. Bei schönem Wetter ist das ein Traum. Er geht im wahrsten Sinne des Wortes über Stock und Stein durch einen kleinen Wald, dann an Hängen, bunt bewachsenen Wiesen und an Wasserfällen hinauf, ehe er an dem Gebäude ankommt, das er als Herzensprojekt bezeichnet.

Lukas Decker ist der Chef der Kasseler Hütte im österreichischen Zillertal. Gelegen auf 2177 Metern. Es gibt nicht viele Menschen, die einen Arbeitsplatz in noch luftigerer Höhe haben.

Kasseläner in den Alpen: Einer der jüngsten Hüttenwirte

Der 25-Jährige ist einer der jüngsten Hüttenwirte in den Alpen. Und das Besondere ist zudem, dass er als Pächter der Kasseler Hütte selbst aus Kassel kommt – ach was: „Ich bin Kasseläner“, sagt er. Ein bisschen hat das auch eine Rolle gespielt, als es um die Zukunft des Gebäudes ging. Der alte Pächter hörte auf, Lukas Decker bewarb sich um die Nachfolge, und die Sektion Kassel des Alpenvereins als Eigentümer fand es charmant, so erzählt es Lukas Decker, dass die Kasseler Hütte tatsächlich in der Hand eines Kasselers – pardon: eines Kasseläners – sein würde.

Seit dieser Saison hat Lukas Decker also das Sagen auf der Kasseler Hütte, sein Herz schlägt aber schon lange für sie. Nach dem Abitur begann er, der seit Kindheit Mitglied im Alpenverein ist, jeden Sommer dort zu arbeiten. Er war bis dahin auf ein Internat in Essen gegangen, hatte professionell Kanurennsport betrieben und an internationalen Wettkämpfen teilgenommen. Bis er merkte, dass er eine Auszeit davon brauchte. Da war die Perspektive dort oben auf dem Berg nicht die schlechteste: fernab von der Zivilisation, wo der Blick nur auf Berge schweift und es keine Nachbarn gibt, nur Gäste. Besonders der urige Zustand der Hütte mit ihrer paradiesischen Sonnenterrasse hat es ihm angetan. Seit damals ist er fast jedes Jahr zumindest für ein paar Wochen auf die Kasseler Hütte gekommen und hat mitgeholfen.

Kasseläner auf der Kasseler Hütte: Lukas Decker findet sein Glück im Zillertal

Es gehört zu seinem Glück, dass er dort auch jene Frau traf, die nun seine Freundin ist und mit ihm und vier Mitarbeitern den Laden schmeißt. Anna Stang kam eines Abends nach einer langen und komplizierten Tour mit ihren Eltern in der Kasseler Hütte an. Die junge Frau aus Unterfranken war so geschafft, dass sie beschloss, die nächsten Tage nicht zu den nächsten Hütten weiterzugehen, sondern auf der Kasseler Hütte zu bleiben. So lernte sie Lukas Decker kennen. Sie, so sagt es ihr Freund, ist genauso „Feuer und Flamme“ wie er, wenn es um die Hütte geht. Das zeigt sich unter anderem daran, dass sie fleißig Stirnbänder mit dem Logo der Hütte näht, die Gäste erwerben können.

Idylle in den Bergen: Die Kasseler Hütte befindet sich in den Zillertaler Alpen auf 2177 Metern. Seit diesem Jahr betreibt sie ein Paar aus Kassel.

Beide schätzen die Abgeschiedenheit auf der einen, aber eben auch die Kontakte mit den Gästen der Hütte auf der anderen Seite. „Es kommen so viele unterschiedliche Leute“, sagt Lukas Decker, der festgestellt hat, dass sich das Publikum extrem gewandelt hat: Früher war Wandern vor allem etwas für ältere Männer im Karohemd, heute ist es ein Trend für jedermann. So kommen auch viele Jüngere, die rund um die Kasseler Hütte auch die Möglichkeit haben, richtig zu klettern.

Bis Ende September, Anfang Oktober herrscht im Normalfall Betrieb auf der Hütte, dann endet auch für Lukas Decker und sein Team die Arbeit dort. Für den 25-Jährigen und seine Freundin geht es zurück nach Kassel. Er arbeitet dann als Installateur und Heizungsbauer, wird bald den Meister machen. Seine Freundin ist in einem Möbelhaus tätig – bis nächsten Juni, wenn es wieder auf die Kasseler Hütte geht. Die Lust an dem Leben dort ist ungebrochen. „Ich komme immer mit demselben Gefühl an der Hütte an, wenn ich mal im Tal war“, sagt Lukas Decker. „Ich freue mich, oben zu sein.“ (Florian Hagemann)

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