„Sintflut & Sündenfall“ heißt die Sonderausstellung des Naturkundemuseums

Ein Plädoyer gegen Tierquälerei: Mit dieser eindrucksvollen Szene übersetzen die Ausstellungsmacher die Geschichte von Bileam aus dem Alten Testament. Fotos:  Koch

Kassel. Mehr als 100 Tierarten werden in der Bibel erwähnt. Es ist eine Fleißaufgabe für Besucher des Kasseler Naturkundemuseums nachzuzählen, wie viele Arten es in die neue Sonderausstellung „Sintflut & Sündenfall – Die Tierwelt in der Bibel“ geschafft haben. Die Ausstellung wird erstmals am kommenden Donnerstag im Ottoneum, Steinweg 2, gezeigt.

Im Museumsdepot konnten die Ausstellungsmacher aus den Vollen schöpfen. Allein die vielen Vogelarten, die lange in Kellern und Kisten schlummerten, geben einen Eindruck über die Vielfalt des Lebens, freut sich Museums-chef Dr. Kai Füldner über das Ergebnis achtwöchiger Arbeit.

Leguane, Schlangen, Krokodile, ein Känguru und ein Zebra haben es in die von Tischlern nachgebaute Arche geschafft - auch Äffchen, die Obst stibitzen, sowie Hase und Igel, die sich im detailreich gestalteten Schiffsrumpf „Gute Nacht“ sagen.

Zum Teil sind dies Leihgaben anderer Museen. „Wir waren heilfroh, wenn wir nur ein Präparat hatten“, erläutert Füldner, warum es nur wenige Paare auf die Arche geschafft haben.

Für Material und Transporte habe man rund 30 000 Euro ausgegeben. Und bei keiner Ausstellung vorher sei so viel gebaut und umgebaut worden, sagt der Museumschef. Dass es dem Team von zwölf Mitarbeitern vom Praktikanten bis zum Präparator viel Spaß gemacht hat, bleibt dem Besucher nicht verborgen. Gar etwas kitschig mutet der Garten Eden an, in dem eine Schlange vom Baum der Erkenntnis herabhängt und ein prächtiger Pfau den Paradiesvogel gibt.

Nebenan stellt sich Daniel in der Löwengrube seinem Schicksal – hinter einer Wand mit einem reich verzierten Kachelrelief, einer Leihgabe aus Münster. Auch die Geschichte Bileams, der auf einer Eselin losreitet, um auf Geheiß des Königs der Moabiter das Volk Israels zu verfluchen, wurde im Ottoneum eindrucksvoll in Szene gesetzt.

Viele Stellen der Bibel und des jüdischen Tanach sind voller symbolischer Bedeutungen und zeugen vom Umgang der Menschen mit den Tieren, sagt Füldner: „Davon sind wir Menschen noch heute geprägt.“ So beschäftigt sich die Ausstellung auch mit der Massentierhaltung und der Verhätschelung von Haustieren.

Die Besucher sind außerdem eingeladen, sich über die Plagen der heutigen Zeit Gedanken zu machen oder sich über Arche-Projekte zur Artenerhaltung zu informieren.

Bei der populären Übersetzung des Themas Bibel erwarte man diesmal auch ein anderes Publikum, beispielsweise den Besuch von Religionskursen, sagt Füldner. Zum Staunen und Lernen, Erfahren und Mitmachen ist sicher für jeden etwas dabei.

Die Ausstellung „Sintflut & Sündenfall“ wird ab Donnerstag zu sehen sein. Öffnungszeiten des Naturkundemuseums sind dienstags bis samstags von 10 bis 17 Uhr, mittwochs von 10 bis 20 Uhr und sonntags von 10 bis 18 Uhr. www.naturkundemeseum-kassel.de

Von Martina Heise-Thonicke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.