René Winkler regt Diskussion an

Architekt: Über Neugestaltung der Kasseler Altstadt nachdenken

Kassel. Einst war der Altmarkt ein bedeutsamer Platz im Herzen der Kasseler Altstadt. Auch heute ist er die Eingangspforte zur Stadt und bietet dabei, wie der Kasseler Architekt René Winkler meint, einen „fürchterlichen Anblick“.

Die sich anschließende Kurt-Schumacher-Straße sieht er als eine Art Autobahn, die die Innenstadt zerteilt. Angestoßen durch den Umbau und die Diskussion um den Altmarkt hat sich Winkler intensiv mit diesem Teil Kassels auseinandergesetzt und möchte einen Anstoß für eine mögliche Neuentwicklung der Altstadt geben.

René Winkler

Jahrhunderte Stadtgeschichte hat Winkler, getrieben von persönlichem Interesse, durchgearbeitet. Dabei beeindruckte ihn der einstige Stellenwert der ehemaligen Residenzstadt. Und ihn erstaunte, welch eigenwilligen Weg die Stadt beim Wiederaufbau nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg gegangen sei. Sowohl das Theater als auch die Garnisonkirche seien gar nicht so schlimm beschädigt gewesen, nennt er als Beispiele. Zum Teil sei in der Altstadt billige Bauherren-Architektur hochgezogen worden. Dabei seien häufig alte Strukturen und Querverbindungen verloren gegangen.

Diese Nachkriegshäuser seien jetzt rund 60 Jahre alt. So sei die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Bauten in den nächsten Jahren und Jahrzehnten nach und nach ersetzt werden. Winkler sieht dies als Chance, über die Gestaltung der Altstadt und einen erneuten Wiederaufbau nachzudenken. So könne man Kassels Herzen Stück für Stück eine neue Struktur und Kleinteiligkeit geben.

In Frankfurt beispielsweise habe man sich nach dem Abriss des technischen Rathauses mitten in der Stadt für eine kleinteilige und vielfältige Neubebauung entschieden. Winkler: „Hier waren es die Bürger, die verstärkt eine größere Auseinandersetzung mit der Stadtgeschichte haben wollten.“

Solch eine Initiative möchte der Architekt gerne auch in Kassel anschieben. Zu seinen Anliegen gehöre beispielsweise die räumliche Neueinfassung des Altmarktes und ein möglicher Wiederaufbau des Grabens und der Wildemannsgasse.

In seiner Freizeit hat der 50-Jährige dazu eine aufwändige Studie entwickelt, in der diese beiden Querverbindungen der Altstadt wieder neu entstehen. Das 1963 erbaute zum Teil leer stehende und in Privatbesitz befindliche Hansa-Haus müsste nach diesen Plänen weichen. „Die Stadt hat eine Chance, wenn die Häuser in der Jahre kommen“, sagt Winkler. So bestehe die Möglichkeit, durch ein Konzept für die Altstadt Stadtraum wiederzugewinnen.

Als eine Initialzündung könnte sich Winkler ein kleinteiliges Bebauungskonzept für den Entenanger vorstellen. „Diese Platz hat es nie gegeben, und er ist eigentlich nur ein Parkplatz für die Königsstraße“, gibt Winkler zu bedenken.

Zur Person 

René Winkler (50) wurde in Karlsruhe geboren, wuchs in Bad Arolsen auf und studierte nach einer Zimmerer-Ausbildung Architektur in Kassel. Später beschäftigte er sich als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Braunschweig unter anderem mit dem Umgang mit Altbausubstanz. Der Architekt und Baukünstler lebt und arbeitet heute in Kassel.

Vortrag und Diskussion 

Seine Überlegungen, Erkenntnisse und Studien zur Entwicklung und möglichen Gestaltung der Kasseler Altstadt wird Architekt René Winkler am Donnerstag, 5. März, ab 20 Uhr bei einem Vortrag mit anschließender Diskussion in der Cafeteria in der Zeughausruine an der Zeughausstraße (Seiteneingang durch das Tor) vorstellen. Der Eintritt ist frei. Für Snacks und Getränke wird gesorgt. Vorab-Infos gibt es im Internet unter www.winklerarchitekten.de

Von Martina Heise-Thonicke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.