Historische Ereignissen in der Region zur Nazizeit

Neues Angebot im Internet: Archiv zur Kriegsgeschichte

Neue Rubrik vorgestellt: Unter der Federführung von Dr. Gunnar Richter und Dr. Susanne Rappe-Weber (vorn, von links) stellten die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft der Archive in Nordhessen einen neuen Themenkomplex über die Geschichte des Zweiten Weltkriegs in der Region auf ihrer Homepage vor. Fotos:  Konrad

Kassel. Ein Foto vom Einmarsch amerikanischer Truppen auf der Wilhelmshöher Allee im Jahr 1945, ein Brief, der die letzten Kämpfe in Kassel am Ende des Zweiten Weltkriegs schildert, Dokumente über Menschen, die während des Kriegs in der heutigen Gedenkstätte Breitenau inhaftiert waren – das sind nur einige Beispiele aus den Beständen der Archive in der Region.

Zum 70. Jahrestag des Kriegsendes und der Befreiung von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft hat die Arbeitsgemeinschaft Archive in Nordhessen jetzt Quellen zur Erforschung der historischen Ereignisse in der Region im Internet zusammengestellt. Am Freitag stellten Vertreter der Arbeitsgemeinschaft die neue Rubrik über die Geschichte des Zweiten Weltkriegs in der Region auf ihrer Homepage www. archive-nordhessen.de im Rathaus vor. Die Quellen umfassen Akten, Nachlässe, Bildbestände und Sammlungen zu den Themen Nationalsozialismus, Kriegsende und Nachkriegszeit. „Die NS-Herrschaft und der Krieg haben sich in der Region in allen Bereichen widergespiegelt“, sagt Dr. Gunnar Richter, Leiter der Gedenkstätte Breitenau in Guxhagen, der die Website federführend betreut. Die Gedenkstätte Breitenau ist ein ehemaliges Benediktinerkloster, das die Nazis als Arbeitserziehungslager nutzten, einer Vorstufe zum Konzentrationslager.

In der neuen Rubrik gibt jedes der 15 beteiligten Archive in kurzen Texten einen Einblick in seine Bestände zu diesem Thema. Die Quellen sind breit gefächert, beleuchten etwa die Frauenbewegung in der NS-Zeit, die Armen-, Behinderten- und Krankenfürsorge, die Euthanasie – die systematische Ermordung körperlich und geistig behinderter Menschen durch die Nazis – oder zeigen Bilder des zerstörten Kassels. Auch die Nachkriegszeit nimmt einen breiten Raum ein. So gibt es in den Archiven auch Briefwechsel von Elisabeth Selbert, einer der vier „Mütter des Grundgesetzes“, mit dem amerikanischen Militär. Bilder und Schriftstücke dokumentieren beispielsweise die Wiederbelebung des Kasseler Frauenrudervereins oder der christlichen Pfadfinder, die von den Nazis verboten worden waren.

Die Internetseite soll Interesse wecken, jedes Archiv veranschaulicht bestimmte Aspekte des Themas. Die Webseite richtet sich an historisch interessierte Menschen, vor allem aber an Lehrer und Schüler. „Führungen in der Gedenkstätte Breitenau zeigen immer wieder, dass Schüler sehr interessiert an konkreten Bezügen des Nationalsozialismus zur eigenen Region sind“, sagt Richter.

Die Idee für die neue Rubrik entstand Ende des vergangenen Jahres. Die Internetseite der Arbeitsgemeinschaft ist seit drei Jahren online. Weitere Schwerpunktthemen sind die Geschichte des Ersten Weltkriegs sowie Quellen zur Stadtgeschichte anlässlich des Stadtjubiläums Kassel 1100. Dr. Susanne Rappe-Weber, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft, stellte außerdem eine neue Broschüre vor, die über die Angebote der Archive informiert und die in den Archiven (Hintergrund) erhältlich ist. (pmk)

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