ARD-Moderatorin im Interview

Wettermoderatorin Claudia Kleinert über Ex-Chef Jörg Kachelmann: „Was für ein armer Mensch“

„Das Wetter interessiert jeden. Jeder sieht es, wenn er aus dem Fenster schaut.“ ARD-Moderatorin Claudia Kleinert präsentiert „Das Wetter im Ersten“ am Ende der „Tagesthemen“ sowie „Wetter vor acht“.
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ARD-Moderatorin Claudia Kleinert präsentiert „Das Wetter im Ersten“ am Ende der „Tagesthemen“ sowie „Wetter vor acht“. Jetzt spricht sie offen über Charisma und ihren Ex-Chef Jörg Kachelmann.

Sie ist Deutschlands bekannteste Wetterexpertin. Im Interview erklärt die beliebte ARD-Moderatorin Claudia Kleinert, wie man mit Charisma überzeugt und was sie von ihrem Ex-Chef Jörg Kachelmann hält. 

  • Sie ist Deutschlands beliebteste Wettermoderatorin: Claudia Kleinert.
  • Die ARD-Moderatorin spricht im Interview über ihren Ex-Chef Jörg Kachelmann.
  • Am 25.11.2020 spricht sie in Kassel.

Kassel - Es soll Leute geben, die sich sogar freuen, wenn Claudia Kleinert wochenlang nur Dauerregen und Sturm vorhersagt. Die ARD-Moderatorin, die in den „Tagesthemen“ das „Wetter im Ersten“ präsentiert, weiß, wie man andere begeistert.

Über ihre Charisma-Formel redet die 50-Jährige unter dem Titel „Unschlagbar positiv“ am Mittwoch, 25.11.2020, in der Vortragsreihe „Zentrum Wissen“ der HNA in Kassel. Wir sprachen mit ihr über Ausstrahlungskraft und – natürlich – das Wetter.

ARD-Moderatorin spricht im Inteview über Jörg Kachelmann

Sie versuchen jeden Abend, mit fünf Dingen ins Bett zu gehen, für die Sie sich bedanken. Haben Sie gestern fünf Sachen zusammenbekommen?
Gestern hatte ich sogar zehn. Ich mache das nicht jeden Abend, aber gestern dachte ich: Heute hast du wirklich viel, wofür du dich bedanken kannst. Ich musste nicht arbeiten, hatte also mehr Zeit für meine tollen Freunde. Mit einer Freundin, die ich lange nicht getroffen hatte, habe ich mich virtuell zusammengesetzt, ein Glas Wein getrunken und zweieinhalb Stunden gequatscht. Ich habe es geschafft rauszugehen, die Sonne zu genießen und Sport zu machen. Das sind Kleinigkeiten, über die man sich freut.
Wie schwierig ist es gerade in diesen Zeiten, positiv zu denken?
Sehr schwierig, das kann ich von mir selber sagen. Meine Selbstmotivation ist mindestens doppelt so hoch und deutlich mühsamer als in normalen Zeiten.
Was genau ist Selbstmotivation?
Jeder Mensch hat unheimliche Kräfte in sich. Zwei Generationen vor uns haben unsere Vorfahren zwei Weltkriege überstanden und weitergemacht. Ich muss mir also bewusst sein, was ich alles kann, welche Krisen ich bereits bewältigt habe und welche Menschen mir zur Seite stehen können. Das alles kann ich dazu nutzen, mich zu motivieren. Das Motto muss heißen: jetzt erst recht. Das Glas ist eben entweder halb voll oder halb leer.
Gastronomen, die wieder schließen mussten, wird das kaum trösten.
Ganz klar. Im Vergleich zu Menschen in anderen Ländern geht es den meisten von uns aber immer noch sehr gut. Auch mir sind 40 Veranstaltungen dieses Jahr abgesagt worden. Wir dürfen uns trotzdem nicht verrückt machen lassen.
Wie soll das gehen, wenn rund um die Uhr Infektionszahlen auf uns einprasseln?
Ich gucke, außer wenn ich im Job bin, keine Nachrichten mehr. Es verwirrt mich einfach alles zu sehr. Der eine sagt: „Das Virus haftet nicht auf Oberflächen.“ Der andere hat eine neue Studie, in der steht: „Das Virus haftet sechs Wochen auf Oberflächen.“ Diese Sachen helfen mir auch nicht weiter, weil ich Hygieneregeln ohnehin beachte.
Ihr Buch heißt „Unschlagbar positiv: Die Charisma-Formel“. Wie wird man charismatisch?
Eigentlich hat das jeder in sich. Es gibt keinen Menschen, der ohne Charisma geboren wird. Nur haben es viele verkümmern lassen. Zum Charisma gehört die Empathie. Auch die hat jeder in sich. Aber wenn man sehr egozentrisch lebt, dann ist kein Platz mehr für die Fähigkeit, sich in die Gedanken und Gefühle Anderer hineinzuversetzen. Einen Charismatiker macht meiner Meinung nach aber vor allem die Frage aus, die er sich immer wieder stellt: Wie möchte ich auf andere Menschen wirken? Danach richtet er aus, was und wie er etwas sagt.
Ärgern Sie sich, wenn Sie irgendwo lesen „die Wetterfee Claudia Kleinert“?
Nein, ich lese ja nicht nur die Überschrift. Wenn das ein nett geschriebener Beitrag über mich ist, finde ich das völlig in Ordnung. Fee ist keine Beleidigung, aber ich kann auch keine Wünsche erfüllen.
Und wenn Sie hören: „Die Kleinert hat nicht mal Meteorologie studiert. Die ist nur deshalb die einzige Frau in einem Männer-Team, weil sie gut aussieht“?
Dann denke ich: „Ach was?“ Vor 20 Jahren hätte mich das wütend gemacht. Ich weiß aber, dass das nicht so ist. Ich habe wahnsinnig viel Ahnung von Meteorologie. Ich kenne sehr viele Menschen, die etwas studiert haben und danach trotzdem nichts können – unter anderem Meteorologen. Und ich weiß, dass ich meinen Job nicht nur bekommen habe, weil ich gut aussah.
Bekommen Sie den Satz noch zu hören?
Gar nicht mehr. Aber vor 20 Jahren haben das Kollegen, die neidisch waren, schon mal gesagt.
Wie ist ihr Verhältnis zu Ihrem ehemaligen Chef Jörg Kachelmann?
Ich habe kein Verhältnis zu ihm. Ich hatte auch noch nie eins. Als er noch in der Firma war, haben wir uns beruflich ausgetauscht. Heute lese ich manchmal seine Posts, in denen er sich über irgendjemanden aufregt, und denke nur: Was für ein armer Mensch.
Ich kann seine Posts nicht mehr lesen, weil er mich auf Twitter blockiert hat, nachdem wir ein Interview geführt hatten.
Da haben Sie nichts verpasst. Wenn er einen auf dem Kieker hat, macht er einen gnadenlos nieder. Menschen, die so etwas nötig haben, tun mir eher leid.
Was muss ein guter Wettermoderator mitbringen?
Wenn er es vernünftig machen will, braucht er vor allem Ahnung von Meteorologie und vom Klima. Er sollte Wettermodelle interpretieren können. Er sollte empathisch sein und wissen, was die Menschen interessieren könnte. Und vor der Kamera muss er einnehmend sein. Ich habe schon Frauen gecoacht, die sind bildschön, aber sie haben keine Wirkung. Kamera verändert total.
Übers Wetter kann jeder etwas sagen. Nervt Sie das bisweilen auch, weil es Ihnen wie Joachim Löw im Fußball geht, dem 80 Millionen Nationaltrainer reinreden wollen?
Überhaupt nicht. Dann hätte ich den falschen Job gewählt. Es ist schön, dass das Wetter jeden interessiert. Jeder sieht es, wenn er aus dem Fenster schaut. Manchmal erkennen mich auch Menschen auf der Straße und rufen mir zu: „Claudia, wie wird das Wetter nächste Woche?“ Dann antworte ich: „Super. Ich weiß zwar nicht wo und wann, aber es wird bestimmt super.“ Die Leute wollen einfach zeigen, dass sie mich aus dem Fernsehen kennen.
Entdeckt wurden Sie von einer Sprechtrainerin der Deutschen Welle, die Sie in einer Filiale der Deutschen Bank bedient haben. Haben Sie Ihre Kunden damals schon mit Charisma überzeugt, Aktien zu kaufen?
Damals habe ich mir keine Gedanken gemacht, wie ich auf andere wirke. Ich war freundlich und empathisch. Damit kommt man in jedem Beruf weiter. Mit der Kundin und Sprechtrainerin von damals habe heute noch Kontakt. Wenn sie mich nicht entdeckt hätte, wäre ich heute vielleicht Vertriebschefin einer Werbeagentur. Ursprünglich wollte ich Karriere bei einem Kreditinstitut in Paris oder New York machen. Es ist ganz gut, dass es anders gekommen ist.
Ihr Kollege Dominik Jung von Wetter.net, der sehr häufig Langzeitprognosen abgibt, hat gerade einen milden Winter vorausgesagt. Wie seriös ist so etwas?
Das ist totaler Schwachsinn. Es gibt Modelle, die Langfristprognosen machen. Aber ihre Wahrscheinlichkeit liegt bei 50:50. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir einen milden Winter bekommen, ist durch den Klimawandel größer geworden. Ebenso könnte ich sagen, dass der nächste Sommer wahrscheinlich wieder zu trocken und zu warm wird. So etwas kommt eben mittlerweile häufiger vor. Seriös sind solche Aussagen aber nicht.

Wegen Corona findet die Vortragsreihe „Zentrum Wissen“ der HNA online statt. Die Termine für die verbleibenden Livestreams:

  • Claudia Kleinert: Unschlagbar positiv. Die Charisma-Formel zum Thema Ausstrahlungskraft. Mittwoch, 25. November, 19.30 Uhr.
  • Patric Heizmann („Ich bin dann mal schlank“): Meine Gesundheit – mein Kapital! Wissensbuffet mit Nährwert zum Thema Vitalität. Donnerstag, 10. Dezember, 19.30 Uhr.

Karten für jeweils 59 Euro unter 02561/979 2888 sowie sprecherhaus.de. (Matthias Lohr)

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